Das Science-Fiction-Fieber ist ausgebrochen: Gut 39 Lichtjahre von der Erde entfernt haben Astronomen ein Sternsystem entdeckt, in dem mindestens sieben Planeten eine Sonne namens Trappist-1 umkreisen (ZEIT ONLINE berichtete). Bei allen sieben soll es sich um erdähnliche Gesteinsplaneten handeln, manche könnten flüssiges Wasser bergen – gar Leben.

Gedanklich packen die ersten schon die Raumanzüge ein. Fremdes Leben außerhalb des Sonnensystems? Nichts wie hin, Raumschiffe bauen und los, sagen die einen. 39 Lichtjahre sollten doch zu machen sein! Und wenn nicht jetzt, dann in wenigen Jahrzehnten. Alles Quatsch, unmöglich, entgegnen andere.

Nun, die fremde Welt um Trappist-1 und seine Exoplaneten liefern definitiv Stoff, um sich ins All zu träumen. Die Wissenschaft aber holt einen vorerst zurück auf die Erde.

39 Lichtjahre, ist das jetzt viel oder wenig?

  • Das denkt der Visionär: Schon mal Interstellar gesehen? Es könnte Wurmlöcher geben, die verschiedene Punkte in der Raumzeit verbinden … Mit Lichtgeschwindigkeit wären wir schon in sieben Jahren da. Das käme sogar einer Verjüngungskur gleich: Auf der Erde hätten wir dann nämlich schon das Jahr 2059.
  • Das besagt die Wissenschaft: 39 Lichtjahre – das ist sehr viel. So weit zu reisen, würde mit heutigen Raumfahrzeugen Millionen Jahre dauern. Und geht schon technisch gar nicht. Bisher schaffen es Menschen ja nicht mal zum Mars.

Ein Lichtjahr gibt die Strecke an, die das Licht in einem Jahr zurücklegt. Pro Sekunde sind es 300.000 Kilometer, in einem Jahr rund zehn Billionen Kilometer. "Trappist-1 ist zwei-Millionen-mal weiter entfernt als der Mars. Und schon bis dorthin brauchen Astronauten ein Jahr", sagt der Astronom Ignas Snellen, der nicht an der Studie beteiligt war, von der jetzt alle reden.

Wollte die Menschheit Trappist-1 jemals erreichen, müsste sie unterwegs ordentlich Nachwuchs produzieren. "Wenn wir Millionen Jahre brauchen, um hinzukommen, heißt das: 30.000 Generationen", sagt Snellen. Sonden oder Roboter seien keine Alternative zu bemannten Missionen. Die Maschinen müssten schließlich dieselbe Strecke zurücklegen.

Angenommen wir könnten hin. Was erwartet uns?

  • Visionär: Die Schwester unseres Sonnensystems! Und wieso sollen wir die Reise nicht schaffen? Wenn wir Warp-Raumschiffe oder Photonen-Antriebe hätten, wären wir schneller als das Licht. Vielleicht könnten wir sogar da landen und überleben.
  • Wissenschaft: Das kann im Moment niemand vorhersehen. Trappist-1 ist ein recht kalter Stern, den, wie es scheint, sieben ungefähr erdgroße Himmelskörper umkreisen. Ein super Ort, um weiterzuforschen. Weil zumindest theoretisch wirtliche Bedingungen denkbar wären.

Das Forscherteam um Michaël Gillon von der belgischen Universität Lüttich hat von der Erde aus mit Teleskopen gearbeitet. Die Wissenschaftler nutzen beispielsweise erst Trappist in Chile – daher der Name – und das Very Large Telescope am Berg Paranal, dann das Spitzer-Weltraumteleskop, das durchs All fliegt und im infraroten Bereich misst. Mit Spitzer schauten sie zuletzt 20 Tage am Stück auf Trappist-1 und konnten mehrfach eindeutig beobachten, wie Planeten an ihm vorbeizogen (Nature: Gillon et al., 2017).

Sieben Stück sollen es sein. Ob zu dem System weitere Himmelskörper zählen: unklar. Unter den gut 3.500 bestätigten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, genannt Exoplaneten, und den rund 3.000 weiteren unbestätigten sind einige der Erde deutlich näher als die sieben Trappisten – im Orbit von Alpha Centauri B etwa, einem nur 4,4 Lichtjahre entfernen Nachbarstern der Sonne (Nature:Dumusque et al., 2012). Oder Proxima b im Sternbild Centaurus. Aber ein so großes System in interstellarer Nachbarschaft mit so vielen attraktiven Planeten auf einmal gab’s noch nie.

Trappist-1, auch 2MASS J23062928-0502285 oder Trappist-1A genannt, ist ein Roter Zwergstern. Das sind "sehr kleine Sterne, zehnmal kleiner als die Sonne und tausendmal schwächer", sagt Snellen. Weil sie kühler sind, erscheinen sie rot. Ihre Kerntemperatur ist gerade hoch genug, dass sie Wasserstoff in Helium umwandeln können, also solche Reaktionen möglich sind, wie auf unserer Sonne.