Update: Um 2.49 hieß es auf dem Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana "Sentinel-2B is on its way". Der Start ist gelungen und der Satellit hat ein erstes Signal aus dem Weltraum gesendet.

Mehr als 1.000 aktive Satelliten umkreisen die Erde. Ihnen entgeht kaum ein Waldbrand, kaum eine Dürre, sie erfassen, welches Land die Luft am stärksten verschmutzt und wie es um das Eis an den Polen bestellt ist. Ihre Daten ermöglichen Vorhersagen über die Zukunft des Planeten – je mehr es gibt, desto genauer die Prognosen.

Deshalb ist nun ein weiterer Satellit abgehoben: Um 2.49 Uhr deutscher Zeit in der Nacht zu Dienstag wurde Sentinel-2B an Bord einer Vega-Rakete vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou aus ins All geschickt. Sein Ziel: eine Umlaufbahn in rund 800 Kilometern Höhe, auf der sein Zwilling Sentinel-2A bereits seit 2015 kreist.

Die zwei Satelliten sind Teil von etwas Großem. Mit dem Copernicus-Projekt stellt die Europäische Raumfahrtagentur Esa das beste Erdbeobachtungssystem der kommenden Jahrzehnte. Insgesamt sechs Satellitenfamilien sollen ab 2021 den Planeten umkreisen und jahrelang säuberlich kartieren.

Erst im Tandem funktionieren die Wachposten im All perfekt. "Vor zehn Jahren haben wir unsere Nutzer gefragt, welche Informationen sie brauchen, wie oft und in welcher Auflösung", sagt Josef Aschbacher, Chefweltvermesser von der Esa. Dazu zählen Wissenschaftler, Forschungsorganisationen und Universitäten, aber auch private Unternehmen und Behörden. Hauptwünsche: Die Aufnahmen sollen regelmäßig sein, mindestens einmal die Woche wolle man die ganze Erde kartiert sehen. "Damit innerhalb von fünf Tagen ein flächendeckendes Bild entsteht, brauchen wir zwei Satelliten", sagt Aschbacher, der das Copernicus-Büro leitet.

Grund dafür ist das Blickfeld von Sentinel-2. Bei jeder Erdumrundung überblicken sie einen Landstreifen von 290 Kilometern Breite – vieles bleibt ungesehen. Erst durch die wiederholte Umrundung fügen sich die einzelnen Bahnen zu einem umfassenden, nahezu lückenlosen Bild zusammen:


Ein Sentinel-2-Satellit auf seinem Weg um die Erde

Künftig vermessen Sentinel-2A und -2B alle europäischen Landflächen, größeren Inseln, Binnen- und Küstengewässer zwischen 84 Grad nördlicher und 56 Grad südlicher Breite.

Ins All geht nur, was in der Vakuumkammer standhält

Ob der neueste Satellit weltalltauglich ist, hat das Copernicus-Team 2016 zuerst in Deutschland und dann genauer in den Niederlanden getestet. Schließlich müssen die feinfühligen Geräte – jetzt, da Sentinel-2B in seiner Umlaufbahn ist – funktionieren, trotz widriger Bedingungen.

"Die Erschütterungen während so eines Starts sind enorm, im All wiederum ist es unfassbar ruhig", sagt Projektmanager Francois Spoto, der den Satelliten gewissermaßen von den ersten Skizzen am Reißbrett bis in den Weltraum begleitet. Also ist der Satellit ordentlich geschüttelt worden und seine Geräte wurden in einer Vakuumkammer sowie in einem schallisolierten Raum geprüft. "Außerdem nutzten wir eine Kombination verschiedener Geräte, um das Equipment unter verschiedenen Temperaturen zu testen", erklärt Spoto. Auf seinem Weg um die Erde sind die Sentinels mal Temperaturen von minus 120 Grad Celsius, mal von 60 Grad Celsius ausgesetzt.

Per Luftfracht transportierten die Forscher ihr wertvolles Gut zuletzt zum europäischen Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana – um es dort erneut tagelangen Tests zu unterziehen. "Nach 30 Tagen Feinarbeit bereiten wir Raumschiff und Rakete nun auf dem Launchpad zum Start vor", sagt Spoto.

Kein anderes Erdbeobachtungssystem wird so viel sehen wie alle Sentinel-Familien zusammen. Größte Aufmerksamkeit schenkten die Ingenieure daher der Kamera von Sentinel-2B. Das eigens für Sentinel-2 entwickelte, hochauflösende MultiSpectral Instrument (MSI) erlaubt einen außergewöhnlichen Blick.

Mit ihr überwachen die Satelliten die Welt künftig in 13 Spektren des Lichts von 440 bis 2.190 Nanometern: "Sie blicken herab im sichtbaren Bereich, sehen die Erde also wie der Mensch, aber nehmen sie auch in nahen und kurzwelligen Infrarotbereichen auf, die unser Auge nicht sehen kann", erklärt Aschbacher. Jedes Farbspektrum erzählt dabei eine eigene Geschichte – über Gefahren für Land- und Forstwirtschaft beispielsweise oder die Lage in Katastrophengebieten nach Erdbeben oder Überschwemmungen. Sie zu beobachten, ist gewissermaßen die Spezialität des Sentinel-2-Paars.