Eine neue Cannabisagentur regelt zukünftig die legale Abgabe von Cannabis für medizinische Zwecke. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) wird den Anbau steuern und kontrollieren, sagte der Präsident Karl Broich zum offiziellen Start der Agentur. Ein entsprechendes Gesetz hatte der Bundestag nach langer Diskussion im Januar verabschiedet, der Bundesrat billigte es im Februar.

Broich erklärte, das neue Gesetz, das im März in Kraft tritt, sei "ein wichtiger Schritt für schwer kranke Patienten, die auf die Versorgung mit Cannabisarzneimitteln angewiesen sind". Die Agentur wird nun ein EU-weites Ausschreibungsverfahren starten und geeignete Unternehmen mit dem Anbau beauftragen. Ziel sei es, schwer kranke Patienten künftig mit in Deutschland angebautem Cannabis in pharmazeutischer Qualität zu versorgen.

Das BfArM geht davon aus, dass erst 2019 in Deutschland angebautes Medizinalhanf zur Verfügung stehen wird. Bis dahin muss die Agentur auf Importe setzen, im letzten Jahr waren es bereits 170 Kilo Cannabis. Es wird erwartet, dass der Import mit dem neuen Gesetz deutlich ansteigt. Bislang konnten etwa Tausend betroffene Patienten Cannabisblüten und -extrakte nur mit einer Ausnahmegenehmigung erhalten und mussten die teure Therapie meistens selbst zahlen. 

Cannabis hilft bei verschiedenen Krankheiten

Zukünftig sollen die Krankenkassen die Kosten für die Arzneimittel übernehmen, wenn den Patienten nicht mehr anders geholfen werden kann. Der Gesetzentwurf beziffert die durchschnittlichen monatlichen Behandlungskosten auf 540 Euro, in besonderen Fällen könnten sie bis zu 1.800 Euro pro Patient betragen. Der Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Lutz Stroppe, sagte, das sei ein guter und wichtiger Schritt, um Schmerzen und Leid zu lindern.

Die Pflanze wird in der Medizin bei verschiedenen Krankheiten eingesetzt, etwa bei Rheuma und bei spastischen Schmerzen bei Multipler Sklerose, zur Behandlung von chronischen Schmerzen, bei grünem Star (Glaukom) zur Reduzierung des Augeninnendrucks und auch gegen Übelkeit und zur Appetitsteigerung bei Krebs- und Aidspatienten. Einigen Substanzen wird eine krampflösende und schmerzlindernde Wirkung zugeschrieben.

Die beim BfArM angesiedelte Agentur wird den Cannabisanbau in Deutschland staatlich kontrollieren. Sie verkauft den Medizinalhanf weiter an Arzneihersteller, Großhändler oder Apotheken und sorgt dafür, dass nur Hanf "in pharmazeutischer Qualität" zu den Patienten gelangt. Gewinne darf sie dabei nicht machen. Der nicht-medizinische Konsum von Cannabis sowie der private Anbau bleiben auch mit dem neuen Gesetz illegal.