Genetisch gesehen sind wir nicht viel mehr als schlaue Affen. So schlau, dass wir bald schon intelligente Roboter bauen könnten, die nicht nur als anspruchslose Arbeitsmaschinen dienen, sondern kreativ, neugierig und emotional sind. Werden humanoide Maschinen unter uns leben – und vor allem: Wollen wir das?

Der wissenschaftliche Fortschritt stürze die Menschheit in eine Identitätskrise, meint Ben Russel, Kurator der im Guardian oder der Financial Times gefeierten Ausstellung Robots. Sie läuft bis September im Londoner Science Museum und soll eine der ganz großen Fragen aufwerfen: Was bleibt am Menschen einzigartig, wenn Maschinen so werden wie er?

Glaubt man Russels Essay im Ausstellungskatalog, wird der Besucher Antworten auf derart hoch philosophische Fragen finden. Und er wird erfahren, wie Menschen seit rund 500 Jahren ihresgleichen nachzubauen oder Maschinen so etwas wie Leben einzuhauchen versuchen.

Erst mal ein Grusel-Baby

"Was ist Leben, was nicht?" – mit schweren Gedanken im Kopf beginnt er also, der Rundgang durch das altehrwürdige Gemäuer des 1857 eingeweihten Museums in South Kensington. Nach wenigen Metern starrt ein gruseliges Baby-Face den Besucher an. Ein am Rücken verkabelter Plastik-Säugling, scheinbar fleischgeworden, schaut wie ein böser Gnom, zuckt mit den Ärmchen und zappelt mit den Beinchen. Täuschend echt und eben doch nur ein in Windeln gewickelter Roboter.

Ist sie das, die Geburtsstunde einer Welt, in der Mensch und Maschine eins werden, die Grenzen verschwimmen zwischen natürlichem und künstlichem Leben? Ehe mit dem Besucher die Fantasie durchgeht, entwarnt der an die Wand geschraubte Ausstellungstext: Das "animatronische Baby" kann nur, wozu es programmiert worden ist.

Es folgt althergebrachte Museumspädagogik in Form einer Rückschau: Staunen (1570 bis 1800), Gehorchen (1800 bis 1920), Träumen (1920 bis 2009), Bauen (1940 bis zur Gegenwart), Vorstellen (2000 bis ...) – in allzu vorgedachte Kapitel unterteilt, arbeitet Robots Raum für Raum das Verhältnis von Mensch und Maschine im Wandel der Zeit ab.

Los geht die Zeitreise in der abgedunkelten Halle des Staunens, in deren schwarz-spiegelnde Wände und Vitrinen zur Erzeugung eines edlen Marmoreffekts funkelnde Glassteinchen eingelassen sind. Aus verborgenen Lautsprechern tickt und surrt es, eindringlich und absorbierend. In den erleuchteten Vitrinen stehen kastenförmige, braune Gehäuse: Eine Kammeruhr von 1596, eine federgetriebene Tischuhr aus dem 17. Jahrhundert, eine englische Laternenuhr, aus dem Jahr 1611.

Zum Staunen bringen einen diese alten Uhren kaum. Stattdessen nehmen klassische Texttafeln neben den Schauvitrinen in plakativ großen Buchstaben den Besucher an die Hand. Leider erinnert das an langweilige Museumsbesuche zu Grundschulzeiten: "In einer Welt, in der es immer mehr Maschinen gab, wurden mechanische Vorstellungen auf Menschen übertragen", steht da. Den Beweis sollen anatomische Figuren liefern, deren Muskeln und Knochen zu sehen sind. So zum Beispiel das Wachsmodell einer Frau, auf dem Rücken liegend, ergeben den Kopf nach hinten lehnend mit leer zur Decke starrenden Augen. Immerhin ein bisschen Gruseleffekt ist dabei: Unterhalb ihres Halses liegen die Eingeweide frei: Lunge, Leber, Därme, Magen. Und ihre Gebärmutter samt Ungeborenem.