Warum melden wir so etwas eigentlich noch? Weltraumforscher sammeln Exoplaneten doch inzwischen wie andere Briefmarken. Ständig fliegen ihnen neue vor die Teleskoplinsen. Im Februar wurden gleich sieben auf einmal bestätigt, die man schon als Kandidaten auf dem Schirm hatte. Gegenüber ihren Entdeckern ist es zwar etwas gemein, die Mehrheit unerwähnt zu lassen. Doch mal ehrlich: Tausende solcher Planeten sind schon bekannt. Und Tausende werden dazukommen.

Heute – präsentiert im Magazin Nature (Dittmann et al. 2017) – also wieder mal einer, der vielleicht eine Erwähnung wert ist. Name: LHS 1140b, Größe: 1,4-mal so groß wie unsere Erde, Gewicht: siebenmal so schwer, Entfernung von der Erde: 39 Lichtjahre. Und vor allem: "erdähnlich". Zugegeben, ein etwas euphorischer Begriff.

Er bedeutet: Der Planet ist wohl aus Gestein, hat vermutlich einen Kern aus Eisen und sein Klima dürfte die Existenz von flüssigem Wasser zumindest theoretisch erlauben. Und er gilt als Supererde – wieder so ein Wort, dass nach quirligen Bewohnern klingt. Astronomen verstehen darunter Gesteinsplaneten, die größer sind als unser blauer Heimatplanet und deutlich mehr Masse besitzen, aber nicht so groß und schwer sind wie der Gasplanet Uranus.

Und was sagt uns das? In den Augen von Astronomen sind das recht gute Bedingungen für außerirdisches Leben. Jedes Mal ist das nämlich die entscheidende Frage: Wäre auf so einem Planeten fern der Erde Leben möglich? Nicht, damit wir Menschen dort hinziehen könnten. Mit unseren heutigen technischen Möglichkeiten wäre das unmöglich. Aber anderes, fremdes Leben interessiert die Astronomen.

Gäbe es Wasser, wäre es flüssig. Aber gibt es welches?

LHS 1140b umkreist seinen Zentralstern, einen kühlen Roten Zwerg, auf einer engen Bahn. Für eine Umrundung braucht er 25 Tage. Der zentrale Stern ist viel kleiner als unsere Sonne, deshalb empfängt der Planet dort etwa halb so viel Strahlung wie die Erde. Gerade ausreichend Energie kommt bei ihm an, dass flüssiges Wasser auf der Oberfläche möglich wäre.

Die Sache mit dem möglichen Wasser macht auch die Planeten um den schon erwähnten, ebenfalls 39 Lichtjahre entfernten Zwergstern Trappist-1 so spannend. Das System galt bis jetzt als aussichtsreichstes für die Suche nach außerirdischem Leben.

Was heißt hier bewohnbare Zone?

LHS 1140b macht ihm nun Konkurrenz: Sein Zentralstern – entstanden vor rund fünf Milliarden Jahren – rotiert langsamer und sendet weniger hochenergetische Strahlung aus, leuchtet also schwächer. Seine enge Umlaufbahn siegt daher in einer sogenannten bewohnbaren, im Fachjargon "habitablen", in der die Temperaturen die Existenz von flüssigem Wasser erlauben würden. Damit wäre die Grundvoraussetzung geschaffen für Leben, wie wir es kennen, schreiben Dittmann und sein Team.

Doch genau wie im Fall von Trappist-1 und seinen Begleitern ist keinesfalls sicher, dass es auf der neu entdeckten Supererde Wasser gibt – und das lässt viel Raum für Spekulationen, wenn auch solche, die auf Daten und Erkenntnissen fußen: Sollte es auf dem Planeten derzeit so etwas wie Ozeane, Flüsse oder Wasserspeicher unter der Oberfläche geben, wäre es dort vielleicht ganz angenehm für etwaige Lebewesen. Allerdings wäre genauso gut möglich, dass es einst zwar Wasser in dem fernen Sonnensystem gab, es der früher viel aktivere Zwergstern es aber weggepustet hat. Dann wäre es auf LHS 110b so heiß, dass selbst die abgehärtesten Mikroben kaum überleben würden. Und klar: Es kann auch sein, dass es dort nie Wasser gab.

Klären wird sich all das erst, wenn sich modernere Teleskope mit größerer Reichweite diesen neuen Exoplaneten vorknöpfen, was in ein paar Jahren möglich sein wird. Sie werden die Supererde auf eine Atmosphäre und deren Zusammensetzung untersuchen. Erst dann wird sich zeigen, ob Mitentdecker Jason Dittmann vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge mit seiner Begeisterung recht behält: Für ihn ist LHS 1140b eins der "vielversprechendsten Objekte im Weltall, um die Frage nach Leben außerhalb der Erde zu beantworten". Auch wir werden dann erst wissen, ob die Entdeckung dieses Planeten der Erwähnung wert war.

NASA/JPL-Caltech
Wir fliegen zu E.T.!

Wir fliegen zu E.T.!

Wow, es gibt sieben mögliche Erden in unserer Nachbarschaft! Lebt da was? Reisen wir hin und schauen nach.

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© NASA/KSC
Get ready for boarding

Get ready for boarding

Unser Ziel: Sonnensystem Trappist-1. Entfernung: 39 Lichtjahre. Zum Mars fliegt der Mensch ein Jahr. Wie lange werden wir unterwegs sein?

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NASA
Reisezeit: 2 Mio (!) Jahre

Reisezeit: 2 Mio (!) Jahre

Wie bitte? Na gut, mit heutiger Technologie. Denken wir uns halt ein Raumschiff, mit dem es geht. Und weiter mit Warpgeschwindigkeit ...

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NASA/JPL-Caltech/R. Hurt (IPAC)
Hallo schöne neue Welten!

Hallo schöne neue Welten!

Fast da, was fällt auf? Dieser Zentralstern ist ein Roter Zwerg, leuchtet 1.000-fach schwächer als unsere Sonne und ist zehnmal kleiner.

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Das wäre wohl Zeitverschwendung. Wir wissen kaum etwas über Trappist-1h. Auf seiner Oberfläche ist es geschätzt minus 105 Grad Celsius kalt. Flüssiges Wasser ist dennoch nicht ausgeschlossen. Könnte sein, dass der Planet im Inneren warm genug ist. Doch: Zu viel "wenn" und "aber" – wir fliegen erstmal weiter!

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Besser nicht. Auf 1b, 1c und 1d könnte der Treibhauseffekt alles durcheinander gebracht haben. Vermutlich herrschen hier mehrere Hundert Grad Celsius. 1b und 1c könnten auch gar keine Atmosphären haben, somit wäre Wasser nicht flüssig. Sollte es hier je Nass gegeben haben, ist wohl alles verdampft. Also: Landeklappen wieder einfahren, wir schweben vorbei.

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