Weltweit sind beim March for Science Tausende Menschen für die Freiheit der Wissenschaft auf die Straße gehangen. Allein in Berlin waren es laut Veranstalter 11.000 Demonstranten, die Polizei sprach von mehreren tausend Demonstranten.

Der March for Science ist eine weltweite Bewegung, rund um den Globus sind etwa 500 Veranstaltungen geplant. Der zentrale Protestzug fand in der US-Hauptstadt Washington statt. In Deutschland gab es außer in Berlin auch Demonstrationen in Bonn, Köln, Dresden, Frankfurt, Freiburg, Göttingen, Greifswald, Hamburg, Heidelberg, Jena, Leipzig, München, Stuttgart und Tübingen. Der Protest wurde auf den Termin des alljährlichen Earth Day (Tag der Erde) gelegt, der für mehr Wertschätzung von Umwelt und Natur steht.

Die Demonstrationen richten sich gegen die Einschränkung von Wissenschaft, die Leugnung wissenschaftlich belegter Tatsachen und die Verbreitung "alternativer Fakten". "An der Freiheit der Wissenschaft lassen wir nicht rütteln", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller bei der Kundgebung in Berlin. Müller ist auch Senator für Wissenschaft und Forschung. Zum Ende der Veranstaltung sangen die Teilnehmer vor dem Brandenburger Tor das Protestlied Die Gedanken sind frei

"Wir können nicht akzeptieren, dass in Zeiten, in denen der Mensch diesen Planeten verändert wie nie zuvor in der Geschichte, Entscheidungen getroffen werden, ohne auf wissenschaftliche Fakten zurückzugreifen", sagte der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Martin Stratmann, beim March for Science in München. Etwa 3.000 Menschen gingen dort nach Polizeiangaben auf die Straße. Auf ihren Transparenten standen Slogans wie "Forschen statt Faken" und "Make Science Great Again".

In Genf wird ein Fest der Wissenschaft gefeiert

Auch in anderen europäischen Städten wurde demonstriert: In der niederländischen Hauptstadt Amsterdam riefen Menschen vor dem Reichsmuseum dazu auf, wissenschaftliche Arbeit wieder mehr wertzuschätzen. In Genf kamen nach Angaben der Veranstalter etwa 600 Menschen zusammen, um erst durch die Stadt zu ziehen und dann mit der Bevölkerung ein Fest der Wissenschaft zu feiern. Vor der Präsidentschaftswahl am Sonntag fand auch in der französischen Hauptstadt Paris eine Demonstration statt.

In Großbritannien bekam der March for Science wegen des Brexits eine besondere Bedeutung. Die Wissenschaftler befürchten, dass der Austritt Großbritanniens aus der EU internationalen Forschungsprojekten schaden könnte und Experten aus der EU nicht mehr nach Großbritannien kommen, wenn die Rechte von EU-Ausländern durch den Brexit eingeschränkt werden sollten. 

Der Hauptprotestmarsch fand in den USA statt. Dort versammelten sich mehrere tausend Menschen in Washington, die zum Kapitol ziehen wollen. Nach dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump wächst in dem Land die Angst vor einer neuen Ära der "alternativen Fakten". Aber auch in anderen Ländern wie beispielsweise der Türkei und Ungarn wird die freie Wissenschaft immer stärker eingeschränkt.

"Wir brauchen Denker, keine Leugner"

Zum Auftakt der Proteste waren in Australien und Neuseeland Tausende Menschen auf die Straße gegangen. In Sydney trugen viele der Demonstranten weiße Laborkittel, auf Spruchbändern war zu lesen: "Ohne Wissenschaft ist alles nur Fiktion" sowie "Wir brauchen Denker, keine Leugner". 

Weitere Demonstrationen waren unter anderem in Argentinien, Brasilien, Kanada, Kolumbien, Costa Rica, Dänemark, Island, Indien, Japan, Mexiko, Panama, Norwegen, Portugal, Südafrika, Südkorea, Uganda und der Schweiz geplant.