Menschengemachter Klimawandel? Meinungsmache von Wissenschaftlern! Erneuerbare Energien? Das hätten die Gutmenschen wohl gerne! Und die Stammzellforscher erst: spielen ja bloß Gott. Weltweit gerät die Wissenschaft derzeit enorm unter Druck. In den USA wird Forschungseinrichtungen die Förderung entzogen, wenn sie nicht das erforschen, was Trumps Administration passt. In der Türkei sind Wissenschaftler politisch Verfolgte, wenn sie nicht der Regierungslinie folgen. Und Ungarn unterdrückt die Selbstbestimmung seiner Universitäten.

Um sich gegen diese Situation zu wehren, gehen heute in vielen Städten weltweit Menschen auf die Straße zum March for Science. In Deutschland wird es in rund 20 Städten Demos geben. Er ist eine Protestbewegung von Wissenschaftlern und Nicht-Wissenschaftlern, die sich für die Forschung und die Freiheit von Wissenschaft einsetzen wollen. ZEIT ONLINE hat Forscher aufgerufen, zu berichten, weshalb sie heute demonstrieren gehen. Hier erzählen fünf von ihnen von ihren Gründen.

"Ich geh’ aus Solidarität, und damit Politik weiter auf Fakten basiert"

Nils Zimmermann (37) aus Hamburg, Postdoc als Materialwissenschaftler am Berkeley Lab in Kalifornien, geht zum March for Science in San Francisco

"Beschleunigte Visumverfahren" sind aufgehoben. Initiiert hat das die Trump-Regierung. Wer keinen amerikanischen Pass hat und in den USA arbeitet oder studiert, weiß nicht, ob und wie lange er bleiben darf. Nach meinem Studium und meiner Doktorarbeit in Hamburg bin ich 2013 nach Kalifornien gegangen (erst nach Santa Barbara und 2015 dann nach Berkeley). Am Berkeley Lab entwickle ich am Computer neue Batteriematerialien für Smartphones und Autos. Ich werde zum March for Science gehen, aus Solidarität mit meinen Freunden – und, damit Politik auch in Zukunft auf Fakten basiert.

Viele Freunde von mir kommen aus einem der Länder, die der US-Präsident besonders ins Visier genommen hat, etwa dem Iran. Deren Zukunftssorgen sind viel größer als meine, dabei habe ich schon Angst um mein Visum. Sie arbeiten hart, sind integriert, leben erfolgreich den "American Way" – und werden jetzt "verfolgt", so mein Gefühl. Das geht auf keinen Fall! Wir am Berkeley Lab und an der Uni Berkeley haben zum Glück eine Postdoc-Gewerkschaft, die sich auch für die Rechte ausländischer Mitarbeiter stark macht.

Ich gehe auch demonstrieren, weil meine Kinder nicht in einer Welt aufwachsen sollen, in der (sozio-)politische Entscheidungen frei von Fakten getroffen werden. Einer der wichtigsten Aspekte ist hierbei für mich, dass der Klima- und der Umweltforschung genügend Geld zur Verfügung gestellt werden, damit eine vernünftige politische Entscheidungsfindung nicht sprichwörtlich von der Natur weggespült wird.