Das Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik (MPIBK) in Tübingen wird nach anhaltender Kritik von Tierschützern nicht mehr an Affen forschen. Eine Sprecherin des Instituts sagte, Affenversuche seien endgültig beendet, es seien keine Affen mehr im Institut. Bereits vor zwei Jahren hatte Abteilungsdirektor Nikos Logothetis angekündigt, nach Abschluss der laufenden und bereits genehmigten Experimente nur noch mit Nagetieren forschen zu wollen.

Der letzte Versuch am Institut wurde mit zwei Affen durchgeführt, wie das Regierungspräsidium Tübingen als Genehmigungsbehörde mitteilte. Mindestens eines der Tiere sei im Zuge des Versuchs für eine Untersuchung des Gehirngewebes getötet worden. Anfang April soll das Institut noch maximal neun weitere Affen gehalten haben, wovon fünf laut Behörde an wissenschaftliche Einrichtungen im europäischen Ausland gebracht werden sollten.

Das Max-Planck-Institut wollte sich auf Anfrage nicht zum Verbleib der Affen äußern. Der Deutsche Tierschutzbund vermutet, dass sie "an europäische Einrichtungen verschachert" wurden, "wo sie mit Sicherheit für weitere Versuche 'genutzt' werden".

Der Vorsitzende des Vereins Soko Tierschutz, Friedrich Mülln, bezeichnete das Ende der Affenversuche als historischen Erfolg der Tierschutzbewegung Deutschlands. Ein als Pfleger arbeitender Tierschützer hatte die Affenversuche und die Haltung der Tiere im Herbst 2014 heimlich gefilmt. Die Aufnahmen zeigten Affen mit Gehirn-Implantaten, eines der Tiere hat einen blutverschmierten Kopf, einem anderen läuft Spucke oder Erbrochenes aus dem Mund. Ob Missstände in Logothetis' Labor für die Verletzung verantwortlich waren, ist bis heute nicht geklärt. Die Ermittlungen gegen Mitarbeiter des Instituts laufen weiterhin. Doch Logothetis und sein Team kapitulierten letztlich vor den öffentlichen Anfeindungen und Protesten.

Die Sprecherin der Max-Planck-Gesellschaft in München, Christina Beck, kritisierte die emotionalisierte Debatte um die Versuche. Sie forderte von den Tierschützern Bereitschaft zu Dialog und Kompromiss. Versuche mit Tieren in relativ kleiner Zahl seien aus Sicht der Max-Planck-Gesellschaft legitim, wenn sie etwa Mediziner in die Lage versetzen, menschliches Leid zu verhindern. Die Grundlagenforschung bringe zwar kein Medikament hervor, aber Erkenntnisse über Funktionsweisen des Körpers und des Gehirns, die etwa die Krebstherapie revolutioniert hätten.

Wenn es in Tübingen tatsächlich Verstöße gegen das Tierschutzgesetz gegeben haben sollte, müsse die Wissenschaft selbstkritisch sein, sagte Beck. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Tübingen gegen Mitarbeiter des MPIBK sind nach Angaben der Behörde noch nicht abgeschlossen.