Die Eurofighter-Pilotin Nicola Baumann und die Meteorologin Insa Thiele-Eich könnten als erste deutsche Frauen ins Weltall fliegen. Die beiden Frauen sind Finalistinnen der Privatinitiative "Die Astronautin". "Wir Deutschen dürfen stolz auf diese beiden Personen sein", sagte der frühere deutsche Astronaut Ulrich Walter, der die Finalistinnen vorstellte.

Baumann und Thiele-Eich sind die letzten verbliebenen von ursprünglich 400 Bewerberinnen. Sie seien aus fachlicher, medizinischer und psychologischer Sicht geeignet, so Walter. Die beiden Finalistinnen treten nun eine mindestens zweijährige Ausbildung zur Astronautin an und sollen noch vor dem Jahr 2020 abheben. Dafür müssen aber zuvor rund 40 Millionen Euro an Sponsorengeldern zusammenkommen, um den privaten Flug zu finanzieren. Walter sagte, es sei üblich, zwei Astronauten auf eine Mission vorzubereiten, sodass bei Problemen einer als Ersatz zur Verfügung steht. Ziel ist dann eine Mission auf der Internationalen Raumstation (ISS) für eine der beiden.

Baumann und Thiele-Eich freuten sich, die letzte Auswahlrunde unter sechs verbliebenen Kandidatinnen gemeistert zu haben. "Das ist für mich die Erfüllung eines Kindheitstraums", sagte die 32-jährige Baumann. Auch die fast zwei Jahre ältere Thiele-Eich nannte den Moment ihrer Kür "überwältigend".

Die Initiative Die Astronautin will bis Ende April per Crowdfunding mindestens 50.000 Euro sammeln, um den ersten Trainingsabschnitt zu finanzieren. Bis Mittwoch waren rund 27.000 Euro zusammengekommen. Für die gesamte Mission mit angenommenen Kosten von rund 50 Millionen Euro sollen Sponsoren gefunden werden.

Von Skepsis war am Mittwoch wenig zu spüren: "Ich bin völlig überzeugt, dass wir das schaffen", sagte Claudia Kessler. Die Luft- und Raumfahrttechnikerin ist Personalvermittlerin in der Weltraumbranche und hatte den Wettbewerb initiiert. Mit der Aktion will sie Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen stärken. Das Projekt wird unter anderem vom Airbus-Konzern und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt unterstützt. In der Jury der Endauswahl saßen etwa der Geschäftsführer von Airbus Defence and Space und die Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Pascale Ehrenfreund. Außerordentliches Mitglied war Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD).

Ehrenfreund vom DLR betonte: "Mehr Frauen in der Raumfahrt, das wollen wir doch alle." Nach ihren Worten ist das DLR interessiert an Daten über weibliche Astronautinnen: Unter anderem Veränderungen des Sehvermögens, des Hormonhaushalts und der Psyche wollen die Experten an der Astronautin studieren. Vor, während und nach der Zeit im All.

Wirtschaftsministerin Zypries bedankte sich während der Finalistinnenvorstellung bei Kessler für das Projekt. Deutschland brauche mehr technikbegeisterte Mädchen, sagte Zypries, die auch Weltraumkoordinatorin der Bundesregierung ist. "Das ist ein großes Ereignis heute." Aus Deutschland waren bislang nur Männer im All – elf an der Zahl. Der Erste war 1978 der DDR-Bürger Sigmund Jähn.