Wo sind sie nur, diese Außerirdischen? Seit 60 Jahren suchen Astronomen nach Leben fern unseres eigenen. Sie horchen ins All, schicken Sonden zum Mars, nehmen Monde ins Visier, analysieren Planetensysteme fernab unseres Sonnensystems. Entdeckt haben sie nichts. Mag zwar sein, dass irgendwo auf einem fremden Himmelskörper ein paar Mikroben kreuchen – selbst hierfür gibt es nur Indizien. Doch wonach Astrobiologen wirklich lechzen, sind intelligente Wesen, eine Zivilisation, mit der wir kommunizieren, von der wir lernen können.

Douglas Vakoch dauert das alles zu lange. Er will sie finden, so schnell wie möglich. Der Astrophysiker hat selbst 16 Jahre lang mit den Kollegen vom Projekt Search for Extraterrestrial Intelligence, kurz "Seti", ins Weltall gehorcht. Immer in der Hoffnung, ein Signal außerirdischen Lebens aufzufangen. Doch Zuhören – das genügt ihm nicht mehr. "Manchmal heißt es, Seti sei unser Versuch, Mitglied im galaktischen Club zu werden", sagt er. "Doch wer Mitglied sein möchte, muss zumindest eine Bewerbung ausfüllen." Die Menschheit müsse sich vorstellen, sagt Vakoch, und arbeitet deshalb in seinem neuen Projekt mit der Abkürzung "Meti" an einer möglichst universell verständlichen Nachricht, die er gezielt zu Sternsystemen schicken will. Das M in Meti steht für "Messaging". Die Botschaft: "Wir sind hier. Und wir wollen mit euch reden."

Was, wenn wir eine Alien-Invasion auslösen?

Nur, fragen Kritiker: Wie kann ein Einzelner so eine womöglich folgenschwere Entscheidung treffen? Man müsste dazu "von der ganzen Menschheit autorisiert werden", sagt etwa Seti-Forscher Eric Korpela von der Uni Berkeley. Was könnte nicht alles geschehen, wenn wir Außerirdische auf unsere Erde mit ihren wertvollen Ressourcen aufmerksam machen? Nicht auszudenken, wenn die fremde Zivilisation intelligenter und mächtiger ist als wir Menschen, aber genauso kriegerisch und habgierig. Womöglich lösten Forscher mit ihren Signalen eine Alien-Invasion aus, was schlimmstenfalls zur Vernichtung unseres Planeten führt!

Alles Science-Fiction? Keineswegs. Außerirdische – es muss sie geben, davon sind führende Astrobiologen und Astrophysiker überzeugt. "Leben ist nichts Besonderes im Universum", sagt Gerhard Haerendel, ehemaliger Direktor des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik. "Die Bausteine, die es dafür braucht – etwa Wasser oder Kohlenstoff – sind massenhaft vorhanden. Jeder Planet, der halbwegs lebensfähige Bedingungen aufweist, bietet Leben damit eine Chance." Die Indizien dafür, dass es irgendwo im All existiert, mehren sich seit Jahrzehnten.

Viele davon fanden sich auf dem Mars. So hatten Forscher auf einem Marsmeteoriten, der 1984 in der Antarktis entdeckt wurde, beispielsweise Magnetitpartikel nachgewiesen. "Das sind typische Spuren von magnetotaktischen Bakterien, wie wir sie auf der Erde haben", erklärt der Astrobiologe Dirk Schulze-Makuch von der TU Berlin. Bislang sei kein anorganischer Prozess bekannt, der die Entstehung solcher Partikel erklären könnte. Sie könnten also durchaus von solchen Bakterien, die sich am Magnetfeld ihres Lebensraums orientieren, stammen. Außerdem habe man vielerorts Methan gefunden. Fest steht mittlerweile auch, dass es Wasser auf dem frühen Mars gab. "Unter der Oberfläche könnten noch immer Einzeller existieren."

Dachten Weltraumforscher vor einigen Jahren noch, dass Sterne umgeben von Planeten fern unseres eigenen Sonnensystems selten sind, gelten solche Konstellationen heute als die Regel im Weltall. Die letzte bedeutendere Entdeckung dieser Art war Trappist-1 mit seinen sieben Planeten (Nature: Gillon et al., 2017). Insgesamt sind derzeit mehr als 3.500 Exoplaneten bekannt, einige davon sind aus festem Gestein und umkreisen ihren Stern in einer Entfernung, die moderate Temperaturen an der Oberfläche erlaubt.

Leben ist nur eine Frage der Zeit

"Sicher, der Anfang von Leben ist schwierig", sagt Haerendel. Das zeigen die bisher erfolglosen Versuche, es in Experimenten aus einer Ursuppe entstehen zu lassen. "Doch gibt es erst einmal mikrobielle Wesen, ist alles andere nur eine Frage der Zeit." Der nächste große Schritt sei der zum mehrzelligen Leben, der zu intelligentem Leben noch größer, meint auch Schulze-Makuch. Er selbst hat mikrobisches Leben auf dem Mars im Fokus. Entwickelte Zivilisationen wie die Menschheit seien daher wohl eher selten. "Aber dass es das gar nicht gibt? Das wäre unwahrscheinlicher als alles andere."

Diese Überzeugung hat der US-Astrophysiker Frank Drake 1961 in eine Formel gegossen. Wie die Geschichte zeigen wird, hat er die Suche nach außerirdischem Leben gewissermaßen begründet. In sieben Faktoren beschreibt die nach ihm benannte Gleichung die Häufigkeit von intelligentem Leben in der Milchstraße (siehe Infokasten). Auch wenn es sich um eine Berechnung mit großer Ungenauigkeit handelt: Irgendwo existiert also irgendwas – ziemlich sicher. Warum aber haben wir dann noch nichts gehört?

1977 ist die Sonde Voyager 1 ins All gestartet. An Bord: eine goldene Schallplatte mit dem Soundtrack der Erde. © NASA/Hulton Archive/Getty Images

Vielleicht, weil der Mensch noch nicht lange genug und mit nur wenigen Geräten lauscht. Oder weil andere Zivilisationen nicht davon ausgehen, dass wir kommunizieren können (zu dumm) oder wollen (zu egozentrisch). Auch denkbar: Die Außerirdischen sind schlichtweg zu weit entfernt, als dass wir von ihnen oder sie von uns wissen können.

Wäre jemand in der Nähe, hätte er uns längst bemerkt, sagen Wissenschaftler. Was Kritiker von Weltraumbotschaften, wie auch Meti-Gründer Douglas Vakoch sie aussenden will, oftmals nicht sofort erwähnen: Fernsehern und Radio sei Dank sendet die Menschheit seit Jahrzehnten ein strahlendes "Hallo" ins All. "Eine Zivilisation, die nur hundert bis zweihundert Jahre weiter entwickelt ist als wir, kann es bis zu mehrere Hundert Lichtjahre entfernt aufschnappen", sagt Vakoch. "Und erst recht wäre niemand auf einem nahe gelegenen Planeten noch überrascht."

Außerdem haben verschiedene Forschergruppen eigenmächtig längst gut ein Dutzend Nachrichten verschickt. Vakoch ist also nicht der Erste, der Kontakt sucht. Er will es nur als Erster ordentlich machen. Denn die bisherigen Grüße ins All waren bei allem Ehrgeiz dilettantisch bis dubios: zu kompliziert verschlüsselt, schwach ausgestrahlt oder auf fragwürdige Ziele ausgerichtet. Einige immerhin haben großen Unterhaltungswert.

"Wunderschön, aber völlig nutzlos"

Den Auftakt machte 1962 ein Morsecode. Nach vier Minuten und 32,7 Sekunden erreichte das russische Signal die Venus. Ja, Venus, jenen Planeten in unserem Sonnensystem mit ätzender Atmosphäre und Oberflächentemperaturen von an die 500 Grad Celsius, auf dem Leben alles andere als wahrscheinlich ist. Zwischenzeitlich durften sich auch mal Teenager eine Nachricht überlegen, der erste musikalische Funkspruch ging 2001 raus.

Ausschnitt der Arecibo-Botschaft: Die blauen Kurven stellen die DNA dar, sie umgeben die Nukleotide des Genoms. Die rote Figur wiederum zeigt grob den Menschen, links davon ist die Durchschnittsgröße codiert – 176,4 Zentimeter –, rechts davon steht die Zahl 4.292.853.750, die ungefähre Größe der damaligen Erdbevölkerung. Gelb dargestellt ist das Sonnensystem.

Nicht unerwähnt bleiben darf auch die goldene Schallplatte an Bord der Voyager-1-Sonde, "ein praktisch unzerstörbares Best-of-Album der Menschheit", wie DIE ZEIT sie nannte (Nr. 01/2013). 115 Bilder sind darauf, herzensgute Grüße in mehr als 50 Sprachen, darunter – wie naheliegend – Englisch, Deutsch – Jubel –, aber auch Latein – schadet nie – oder Hethitisch, eine ausgestorbene indogermanische Sprache – warum nicht? Außerdem zwölf Minuten lang Geräusche wie Meeresrauschen, Lachen, Herzklopfen, und anderthalb Stunden feinste Musik. Mittlerweile nachzuhören auf Soundcloud. "Wunderschön, aber völlig nutzlos", urteilt Astrophysiker Haerendel.

Und dann, um sich nicht in Belanglosigkeiten zu verlieren, ist da noch die Arecibo-Botschaft von 1974. Entworfen und aus Puerto Rico verschickt hat sie eben jener Frank Drake, der Seti begründete, indem er zwei Sterne nach strukturierten Radiowellen absuchte und der die Wie-viele-Außerirdische-es-geben-muss-Gleichung entwickelt hat. Es handelt sich um lichtschnelle 168 Sekunden rhythmischer Pulse – 1.679, um genau zu sein – mit einer Frequenz von 2.380 Megahertz, die mithilfe eines Primzahlcodes verschlüsselte Bilder enthalten. Wer diesen knackt – in einem ersten Schritt muss der Empfänger verstehen, dass sich die Zahl 1.679 nur durch 73 und 23 vollständig teilen lässt – bekommt unter anderem das Wort "Hi" zu sehen. Dann sind da noch ein Strichmännchen, die Struktur unseres Sonnensystems und die wichtigsten chemischen Elemente.

Italien - Forscher proben für die Mondmission Auf dem Vulkan Ätna simulieren Wissenschaftler einen möglichen Einsatz auf dem Mond. Sie arbeiten unter anderem an der Verbesserung ihrer Ausrüstung für das Weltall. © Foto: Antonio Parinello/Reuters