Dieselmotoren sind schmutzig, manipuliert und ein Nachrüsten wird teuer für die Hersteller, falls es überhaupt soweit kommt. Der Diesel, einst gelobt für seine Klimabilanz und Effizienz, hat seine besten Tage hinter sich. Sein Ruf ist dahin. Und selbst wenn die Millionen Dieselfahrzeuge auf den Straßen bald reinlicher unterwegs sein sollten: Die Zukunft des Selbstzünder-Motors scheint besiegelt. Eine solche Technologie gehöre "in absehbarer Zeit" nicht mehr auf die Straße, urteilte das Bundesumweltministerium kürzlich. 

"Die Zukunft des Pkw ist rein elektrisch oder hybridisiert", sagt auch Martin Schmied, der Leiter der Verkehrsabteilung im Umweltbundesamt ZEIT ONLINE. "Ab 2030 sollten rund 70 Prozent der Pkw-Neuzulassungen E-Autos und Plug-in-Hybride sein. Nur so können wir langfristig das Klima schützen, Energie einsparen und die Luft in den Städten wird auch sauberer."

So stimmen Politiker und Umweltschützer das Requiem auf den Selbstzünder an, das die deutschen Autohersteller selbst komponiert haben. Mit Lügen und Tricksereien haben sie ihr eigenes Erfolgsprodukt in Verruf gebracht. Zwar sprachen sie stets vom "Clean Diesel" und ließen sich sogar "Umwelt-Zertifikate" ausstellen, doch in Wahrheit programmierten die Ingenieure die Steuergeräte der Motoren so, dass die Schadstofflimits nur beim Labortest eingehalten wurden. Auf diese Weise wollten sie Gewicht, Aufwand und Kosten sparen – zu Lasten von Umwelt und Gesundheit (siehe Kasten). Denn auf der Straße stoßen selbst die neuen Euro 6-Selbstzünder enorme Mengen gesundheitsschädlicher Stickoxide (NOx) aus: durchschnittlich 507 statt erlaubter 80 Milligramm pro Kilometer, wie aktuelle Daten des Umweltbundesamtes belegen.

Mit ihren Manipulationen haben die Autohersteller die Erfolge jahrzehntelanger Forschungs- und Entwicklungsarbeit zunichte gemacht. Denn schmutzige Dieselmotoren muss es gar nicht geben. Das behaupten 27 führende deutsche, österreichische und schweizerische Motorenforscher und sagen "eine sehr lange andauernde Notwendigkeit verbrennungsmotorischer Antriebe, insbesondere auch des Dieselmotors" voraus. Das steht in einem Positionspapier der Fachleute, die Mitglieder der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Kraftfahrzeug- und Motorentechnik (WKM) sind. Mehr noch: Schadstoffemissionen werden "in Zukunft kein Argument gegen den Diesel- oder Benzinmotor sein", behaupten die Professoren und verstärken diese Botschaft mit einem Ausrufezeichen.

In Lkw zeigt die Abgastechnik, was sie wirklich kann

Es sind deutliche Worte, die die Forscher den Teilnehmern am Dieselgipfel genannten Treffen an diesem Mittwoch der Bundesregierung mit auf den Weg geben. Sie setzt sich mit den Autoherstellern zusammen, um zu beraten, wie manipulierte Dieselfahrzeuge reinlicher werden könnten. Die Technik ist längst da und funktioniert. Nur ist sie teuer.

Mit NOx-Speicherkatalysatoren und der SCR-Technik (Selective Catalytic Reduction), die Stickoxide mittels der Harnstofflösung AdBlue unschädlich macht (siehe Kasten), wurden Verfahren entwickelt, um strenge Abgasvorschriften zu erfüllen – auch auf der Straße. "Diese Technologien sind verfügbar und ausgereift wie im Nutzfahrzeugbereich bereits eindrucksvoll bewiesen wird", sagt Thomas Körfer vom Aachener Forschungsunternehmen FEV Group.

Tatsächlich sind moderne Lastwagen und Busse mit der gleichen SCR-Abgasreinigung ausgerüstet wie moderne Pkw-Diesel. Doch stoßen sie durchschnittlich nur 210 Milligramm Stickoxide pro Kilometer aus. Einzelne Brummis hatten bei Tests sogar nur 83 Milligramm NOx im Abgas. Das ergab eine Analyse des unabhängigen International Council on Clean Transportation (ICCT).Der Unterschied liegt an strengeren Messvorschriften: Lastwagen und Busse müssen die Abgastests nicht nur wie Pkw auf dem Prüfstand bestehen, sondern auch auf der Straße. "Für Lkw-Emissionen sind schon seit 2013 mobile Messgeräte vorgeschrieben, so dass zufällig ausgewählte Fahrzeuge unter realen Fahrbedingungen getestet werden können," sagt ICCT-Geschäftsführer Peter Mock. Lkw-Hersteller haben also weitaus weniger Möglichkeiten zu tricksen – und beweisen damit, wie leistungsfähig die Diesel-Abgasreinigung sein kann.

"Das NOx-Emissionsproblem kann als technisch gelöst betrachtet werden", heißt es auch im Positionspapier der WKM. Die Experten gehen sogar noch einen Schritt weiter: "Auf Basis intensiver Forschung sind vollständig umweltneutrale verbrennungsmotorische Antriebe darstellbar."

Abgasskandal - "Wir brauchen ganz dringend eine Musterfeststellungsklage" Verbraucherschützerin Jutta Gurkmann erzählt im Video-Interview über die Perspektiven betroffener Diesel-Pkw-Besitzer und Forderungen an die Politik. © Foto: ZEIT ONLINE