Zu wenig Bewegung? Zu viel Chips? Fragt man Kinder in Deutschland, muss man sich um sie auch in Zeiten der Digitalisierung des Alltags keine Sorgen machen. Wie die Kinder Medien Studie 2017 zeigt, rangieren bei der Freizeitgestaltung "mit Freunden zusammen sein" und "im Freien spielen" an oberster Stelle. Mit steigendem Alter nennen das immer mehr Kinder als liebsten Zeitvertreib: Bis zu 90 Prozent gaben an, das "mindestens mehrmals pro Woche" zu tun.

An dritter Stelle allerdings klafft ein Aktivitätsloch: "Ausruhen/nichts tun, Chillen" nennen mit steigendem Alter 53 bis 79 Prozent der Kinder. Danach folgen Sport treiben, Malen, Basteln, Playmobil, Lego, Tiere pflegen, Gesellschaftsspiele, Puzzlen, Bastelkästen. "Ein eigenes Instrument spielen/Musizieren" nannte nur ein Viertel der Elfjährigen, bei Jüngeren und Älteren liegt das Interesse noch niedriger. Nur Kochen und Backen sind Kindern noch weniger wichtig. Unternehmungen mit der Familie nehmen zwischen vier und 13 Jahren erwartungsgemäß ab – von 64 auf 20 Prozent.

Fragt man Kinder nach elektronischen Medien, also wie häufig sie Handyspiele, Spielkonsolen, Gameboy und Nintendo nutzen und wie sie kommunizieren, liegt das lineare Fernsehen auf Platz eins, gefolgt von Musikhören. Beim weiteren elektronischen Zeitvertreib offenbaren sich deutliche Altersunterschiede: Digitale Spiele nutzt nur ein Fünftel der Vorschulkinder "mindestens mehrmals pro Woche", von den 10- bis 13-Jährigen dagegen 73 Prozent. Ähnlich steigt das Interesse im Laufe der Lebensjahre am Radiohören, an Youtube und DVDs und am Chatten und Telefonieren. Letzteres tun eigener Auskunft nach 78 Prozent der 10- bis 13-Jährigen "mindestens mehrmals pro Woche". Das Lesen von Büchern, Zeitschriften und Comics liegt mit 69 bis 77 Prozent bei allen Altersgruppen im Schnitt an dritter Stelle.

Bei der Kommunikation fällt auf, dass viele Kinder SMS schreiben: Fast die Hälfte nutzt diesen Kanal, immer noch mehr Kinder als WhatsApp. Das Interesse an der App nimmt allerdings nach dem neunten Lebensjahr deutlich zu – dann können Kinder flüssig schreiben, organisieren Freizeit zunehmend selbst und verfügen über ausreichend Datenvolumen, um Bilder, Videos und Sprachnachrichten zu übermitteln. Für 68 Prozent der 10- bis 13-Jährigen ist WhatsApp der zweitwichtigste Kommunikationskanal. An erster Stelle steht bei allen 6- bis 13-Jährigen unangefochten das Telefonieren.  

Mit 13 Jahren sind nahezu alle Kinder elektronisch ausgestattet: Nur sieben Prozent besitzen in diesem Alter kein Smartphone. Doch schon ein Fünftel der Sechsjährigen sind damit ausgestattet. Auch besitzt ein Fünftel der Zehnjährigen bereits einen eigenen Computer, später kommen Tablets hinzu: 20 Prozent der Zwölfjährigen haben auch das, einen Computer hat dann die Hälfte dieser Altersgruppe im Kinderzimmer stehen. 

Gender-Pay-Gap schon bei Heranwachsenden

Die Studie untersuchte auch, über wie viel Geld Kinder verfügen können. Dabei zeigte sich, dass Jungen – wie auch im späteren Arbeitsleben immer noch der Fall – in allen Altersgruppen etwas mehr bekommen als Mädchen. Schon Vier- und Fünfjährige haben im Monat 17 Euro (Mädchen) und 20 Euro (Jungen) zur Verfügung. Die Sechs- bis Neunjährigen haben 30 bzw. 33 Euro zur Verfügung, die 10- bis 13-Jährigen 52 bzw. 55 Euro. Die Summen schließen neben Taschengeld auch Beträge ein, mit denen Großeltern und andere Spender etwa zu Ferienbeginn oder Geburtstagen die Kinder erfreuen. Den Ältesten lassen die Eltern freie Hand beim Ausgeben. Bei den Sechs- bis Neunjährigen redet ein Viertel der Eltern mit, bei den Jüngsten zwei Drittel.

Ausgegeben wird das, was als Taschengeld zur Verfügung steht, zumeist für Süßigkeiten. Gemessen an den ausgegebenen Beträgen folgt an zweiter Stelle Gedrucktes: Zeitschriften, Magazine, Comics. Dann Getränke, Fast Food und Knabbereien. Bei der Auswahl des Lesestoffs haben fast 70 Prozent der Kinder freie Hand. Beim Fernsehkonsum redet die Hälfte der Eltern mit. Allein im Netz surfen dürfen nur 40 Prozent, Smartphone-Apps benutzen 28 Prozent.                   

In Deutschland leben fast 7,2 Millionen Kinder zwischen vier und 13 Jahren. Die Interviewer führten knapp 400 Gespräche mit einem Elternteil von Vier- und Fünfjährigen. Die 6- bis 13-Jährigen wurden in etwa 1.600 Gesprächen direkt befragt, allerdings war ein Elternteil dabei. Die jüngere Gruppe entspricht 1,4 Millionen deutschsprachigen Kindern in diesem Alter, die 6- bis 13-Jährigen entspricht 5,8 Millionen deutschsprachigen Kindern. 

An der Studie war neben der Blue Ocean Entertainment AG, der Egmont Ehapa Media GmbH, Gruner + Jahr, die Panini Verlags GmbH, der SPIEGEL-Verlag auch der ZEIT Verlag beteiligt.