Palmengesäumte Straßen führen auf flachem Land vorbei am Space Shirt Shop, am Shuttle-Restaurant und am Orbit-Café zum Kennedy Space Center, Amerikas Tor ins Weltall. War ein Architekt mutig, baute er in Beige. Fast alle anderen Gebäude auf dem Gelände sind grau. Von hier aus starteten 1969 schon Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins zum Mond. Alle Spaceshuttles, die seit den 1980er Jahren Astronauten ins All flogen, hoben von hier ab – dem Weltraumbahnhof im Norden des Cape Canaveral, einem Kap auf Floridas Insel Merritt Island.

Endlich wieder ins Weltall – ohne die Russen

Seit dem Ende der Spaceshuttlemission im Jahr 2011 ist kein Mensch mehr von diesem Bahnhof aus mit einer Rakete auf Reisen gegangen. Die bemannte Raumfahrt der Nasa: eingestellt. Lange sah es aus, als verfiele die seit 1962 im Auftrag von John F. Kennedy errichtete Anlage langsam. Doch seit einiger Zeit wird wieder renoviert und gebaut. Es herrscht Betrieb. Allein diese Woche sollen zwei Raketen abheben: ein Frachtflug und ein Satellitentransport, wie dieser Tage üblich. Falls die Pläne der Nasa aufgehen aber, sollen schon nächstes Jahr von hier aus wieder Astronauten ins All starten. Mit privater Hilfe.

Firmen wie SpaceX, Blue Origin, Virgin Galactic, Orbital ATK und Boeing haben die Raumfahrt zu einer rasch wachsenden Wirtschaft gemacht. Noch schießen sie vor allem Satelliten und Fracht für die Besatzung der ISS in den Orbit. Bereits nächstes Jahr aber geht es um bedeutend mehr: Die von PayPal-Pionier und Tesla-Chef Elon Musk gegründete Firma SpaceX und der Flugzeugbauer Boeing haben von der Nasa den Auftrag bekommen, den Vereinigten Staaten die Rückkehr in die bemannte Raumfahrt zu ermöglichen. Erst zum Mond, später zum Mars soll es gehen. So günstig, sicher und oft wie nie zuvor. Und ganz wichtig: ohne Hilfe der Russen. Nur wird die privatentwickelte Technologie auch sicher genug sein?

Nichts zu sehen, nur zu spüren

4, 3, 2, 1 … – verzerrt ertönte der Countdown über die Lautsprecher, als die Rakete mit der Dragon-Kapsel planmäßig am Montag um 12.31 Uhr Ortszeit unter Feuer und Dampf vom Weltraumbahnhof in Florida abhob. Sekunden nach der Zündung stieg sie wie ein glühender Ball nach oben, der schon zwei Minuten später mit bloßem Auge nicht mehr zu sehen war. Allein die Luft vibrierte weiter.

Die erste Stufe der Falcon-9-Rakete setzt auf Landing Zone 1 der Cape Canaveral Air Force Station auf.

Minutenlang war bloß das Krächzen von Möwen zu hören, dann grummelte es am blauen Himmel. Aus dem Nichts tauchte erneut ein Feuerball auf, der rasch Gestalt annahm: die erste Stufe auf ihrem Weg zurück zur Erde. 13-mal war SpaceX mit so einem Manöver bereits erfolgreich gewesen, achtmal auf dem Wasser, fünfmal an Land. Mit jeder Landung schrieben sie Geschichte – am Montag erneut.

Niemandem sonst ist es bisher gelungen, Raketen in vergleichbare Höhen zu schießen, zurückzuholen, gar wiederzuverwerten. Binnen Sekunden raste die Falcon 9 auf eine Landezone der Cape Canaveral Air Force Station zu. Viel schneller, als dass eine sanfte Landung möglich schien. Doch die Triebwerke feuerten, die drei Beine klappten hinab und unter Staub und Überschnallknall setzte der untere Teil der Rakete auf.