Acht Stunden Arbeit, acht Stunden zum Leben, acht Stunden Schlaf. Aus Sicht der Schlafforschung wäre das optimal. Da gäbe es keine Überstunden, keine durchgearbeiteten Mittagspausen und keine Nachtdienste. Ein Drittel des Tages wäre reserviert für Pausen, Wege, Kinder, Ehrenamt und uns selbst. Und hätten wir mal nur fünf Stunden geschlafen, hätten wir in der nächsten Nacht gute Chancen, einen Teil nachzuholen.

Die meisten Arbeitnehmer können von so einer Drittelung aus Schlaf, Arbeit und Freizeit nur träumen. Sie schlafen eindeutig weniger, arbeiten länger, und das oft im Schichtdienst. Und immer mehr sind auch in der Freizeit zumindest via E-Mail erreichbar.   

Sind unsere Arbeitszeiten unflexibel?

Genügt das für die digitale Arbeitswelt, in der Angestellte im Homeoffice arbeiten? CDU und FDP in Nordrhein-Westfalen sagen: Nein. Sie fordern, die Arbeitszeiten Tarifbeschäftigter grundsätzlich flexibler zu gestalten. Einen Aspekt konkretisierte Arbeits- und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann in einem Interview in der Rheinischen Post: "Wenn eine junge Mutter morgens im Homeoffice arbeiten will, bevor das Kind aufwacht, und dann abends wieder, wenn das Kind erneut schläft, darf sie das nicht." Tatsächlich schreibt auch für sie das Gesetz (§5 ArbZG, hier als PDF) eine Ruhezeit von elf Stunden am Stück vor (siehe Infobox). 

Im Koalitionsvertrag für Nordrheinwestfalen steht: "Wir wollen die Chancen der Digitalisierung nutzen und deshalb über eine Bundesratsinitiative das Arbeitszeitgesetz flexibilisieren. Die innerhalb der Vorgaben der europäischen Richtlinie zur Arbeitszeitgestaltung vorhandenen Spielräume wollen wir nutzen und die Tarifpartner innerhalb dieses Rahmens eigene Regelungen treffen lassen." Eine Änderung des Gesetzes würde bundesweit gelten.

Die gesetzliche Ruhezeit – eher knapp

Aber ist das bestehende Gesetz wirklich lebensfern? Vorgestrig? Vergeben wir uns damit die "Chancen der Digitalisierung"? Der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Ärztegewerkschaft warnen vor gesundheitlichen Folgen einer weiteren Flexibilisierung. Zu Recht. Elf Stunden Ruhezeit am Stück sind nämlich eher das Minimum. Zu allererst wegen des Schlafs.

"Richtiger" Schlaf hat einen quantitativen und einen qualitativen Aspekt. Zur Qualität gehört das Physiologische wie ausreichend Tiefschlaf oder die richtige Schlafarchitektur, aber auch Subjektives wie Tagesfitness, subjektive Einschlafdauer oder deprimierendes Wachliegen nachts. Das Quantitative ist die Schlafdauer. Da brauchen nicht alle gleich viel. Und dennoch sind gut sieben bis acht Stunden nicht nur am häufigsten. Sie sind auch am gesündesten.

Menschen können weniger schlafen, als sie biologisch müssten, und das tun sie auch häufig. Aber es hat seinen Preis, wenn man regelmäßig zu wenig schläft, zu schlecht oder beides. Wer das tut, stirbt zwar nicht gleich, aber eindeutig früher als andere (Sleep: Cappuccio et al., 2010). Zuvor steigt das Risiko, dick zu werden – und vor allem krank. Die Palette reicht von Diabetes über Schlaganfall (Sleep Medicine: Altman et al., 2012) bis zur Alzheimer-Demenz (Nervenarzt: Busche et al., 2017). Generell ist, wer nicht richtig schläft, kognitiv weniger leistungsfähig, stressanfälliger und emotional weniger ausgeglichen (Nature and Science of Sleep: Medic et al., 2017).

Elf Stunden Ruhezeit abzüglich etwa acht im Bett, das ergibt gerade mal drei für den Rest. Allein die Wegezeiten betragen im Mittel anderthalb Stunden täglich, bei vielen länger, weil sie in Städten arbeiten. Hartz-IV-Empfänger dürfen nicht einmal Jobs ablehnen, für die sie täglich 2,5 Stunden unterwegs sind.