Falcon Heavy - Die zurzeit stärkste Weltraumrakete Die Falcon Heavy besteht aus drei Falcon-9-Raketen, die zusammen eine Schubkraft von 18 Boeing-747-Flugzeugen erzeugt. Die Firma SpaceX setzt zudem erstmals auf Nachhaltigkeit der Raketenteile. © Foto: JIM WATSON/AFP/Getty Images

Wie es aussieht, wenn Milliardär Elon Musk eine Rakete ins All schickt, die noch dieses Jahr Menschen in die Nähe des Mondes katapultieren soll? So natürlich: Kratzige Gitarren schlagen an. Ein Schwenk um die Startrampe LC-39A auf dem Weltraumbahnhof Cape Canaveral: Mittendrauf thront sie leuchtend weiß, die Falcon Heavy, 70 Meter hoch, zwölf Meter breit, rund 1.400 Tonnen Startgewicht. Als die Triebwerke zünden, werden die Gitarrenriffs von Schlagzeugbeats untermalt, und SpaceX' Superrakete steigt hinauf in den dämmrigen Himmel. Die einen mögen das episch finden, für andere trieft dieser YouTube-Vorgeschmack (siehe Video) auf den Launch vor lauter Pathos.

Der Clip steht schon seit drei Jahren im Netz. Schon damals war der erste Testflug der Rakete zwei Jahre im Verzug. Seitdem verschiebt die Privatfirma SpaceX den Start immer wieder. Zuletzt war das Wetter schuld, dann der Shutdown der US-Behörden infolge des eingefrorenen Haushalts. Der betraf auch die Nasa, Hauptbetreiber des Weltraumbahnhofs in Florida. "Launching in a week or so", twitterte Elon Musk am Mittwoch vor zwei Wochen, als mit gewaltigem Wumms und Rauchschwaden ähnlich wie bei einem Vulkanausbruch die 27 Triebwerke der Rakete zu Testzwecken gezündet wurden. Nach diesen erfolgreichen static fire tests könnte die Superrakete jetzt eigentlich abheben. Diese Woche nun soll es wirklich losgehen. Die Frage ist nur, wie weit sie kommt – und vor allem ob sie, so die Idee, heil wieder auf der Erde landet.

Mit ihr sollen die glorreichen Zeiten der amerikanischen Raumfahrt wieder aufblühen, hoffen ihre Erbauer. Sie wäre die nächste Saturn V, sagen manche. Ein übertriebener Vergleich, der zu Teilen dennoch zutrifft: Die Saturn V hat die Menschheit zum Mond gebracht, die Falcon Heavy könnte sie zum Mars fliegen. Nur müsste das erst einmal funktionieren.

Ein Abflug noch im Jahr 2017 wäre die Krönung gewesen für SpaceX. Allein mit der kleinen Schwester der Heavy, der Falcon 9, brach das Unternehmen im vergangenen Jahr Rekorde. 18 Mal hob die Rakete von Cape Canaveral ab – mal allein, mal mit der Transportkapsel Dragon an Bord. Das waren nicht nur mehr Starts als in den Jahren zuvor, sondern auch mehr, als die Konkurrenz schaffte. Satellitenhersteller, Universitäten, die Raumfahrtbehörde Nasa und selbst der US-Militärnachrichtendienst hatten Falcon 9 und Dragon gebucht, um Fracht ins All und zur Internationalen Raumstation (ISS) zu bringen.

Die Falcon Heavy ist für SpaceX nun der nächste logische Schritt, um Überlegenheit auf dem Raumfahrtmarkt zu demonstrieren. Dafür haben die Ingenieure viel herumprobiert. Jeder Flug der Falcon 9 war Auftrag und Experiment zugleich. SpaceX testete dabei in Teilen wiederverwertbare Raketen. Die untere Stufe der Falcon 9 etwa soll mehrfach zum Einsatz kommen, um Kosten zu sparen. Dass diese Technik grundsätzlich funktioniert, haben die Ingenieure bewiesen. Von Routine sind sie dennoch weit entfernt, die Kosten sind weiterhin höher als erhofft. Und es gab immer wieder Pannen. Aber trotz technischer Defekte, explodierter Flugkörper und einer zerstörten Startrampe glaubt SpaceX an den Erfolg. Die Nasa unterstützt das Vorhaben mit neuen Aufträgen.

Raketen-Recycling heißt das Zauberwort

Seit 2011 ist die Vision der Superrakete offiziell. Dass der Jungfernflug des ersten Falcon-Modells so lange auf sich warten ließ, lag am Bau. Der war komplizierter als gedacht. Was nun an den Start geht, ähnelt dem ursprünglichen Konzept trotzdem stark. Die Falcon Heavy ist eine Mehrstufenrakete. Das bedeutet, dass Triebwerkseinheiten (Stufen) im Laufe des Fluges abgeworfen werden. So wird die Rakete unnötigen Ballast los und kann die Antriebskraft effizienter nutzen. Die Heavy besteht aus drei wiederverwertbaren Erststufen. Die äußeren beiden stammen von der Falcon 9, die mittlere ist neu.