Sie wird funken bis zum bitteren Ende. Mit einem gezielten Crash in die Atmosphäre des Saturns endet nach 20 Jahren die Mission der Raumsonde Cassini. Bis zuletzt soll sie im Sturzflug auf den Ringplaneten Daten senden, bis sie verglüht, verdampft und in dem Planeten aufgeht. Warum zerstört die Nasa eine Sonde, die Milliarden gekostet hat und so lange so vieles über den Saturn und andere Planeten herausgefunden hat?

Es gibt kein Zurück, sagen selbst die Menschen, die schon dabei waren, als die Sonde entwickelt wurde. Sie sind traurig, dass dieser Tag gekommen ist, aber wissen auch: Es geht nicht anders. Bald schon wird Cassini nicht mehr steuerbar sein, der Treibstoff für ihre Lenkung ist schon fast verbraucht. Als unkontrolliert herumschwebender Weltraumschrott würde sie den Saturnmond Enceladus in Gefahr bringen und ganz theoretisch auch irgendeine Art von Leben, die es dort geben könnte. Zwar ist dessen Existenz keineswegs bewiesen – der Gedanke daran eher eine Idee. Aber immerhin gibt es Wasser auf Enceladus, eine Grundvoraussetzung für Leben.

Die Nasa berichtet live aus dem Jet Propulsion Laboratory in Pasadena, Kalifornien, von Cassinis letzter Reise.

Zu gefährlich, um herumzuschweben

Ohne Cassini wüssten wir heute wenig über den beringten Planeten und seine Monde. Eine Milliarde Meilen ist Cassini durchs All gereist, flog bis ins äußere Sonnensystem, umkreiste die Venus, machte Bilder und maß Wetterdaten von Jupiter im Vorbeifliegen und widmete sich schließlich 13 Jahre lang ihrer ganz großen Aufgabe: der Erkundung des Saturns. Sie brachte so viel über ihn in Erfahrung wie kein anderes Raumgefährt vor ihr. Während die Weltraumforscher Cassini nun auf ihre letzte Reise schicken, werden sie noch einmal jede Sekunde auskosten. Wissenschaftlich natürlich.

Insbesondere für die Forscher, die an der Mission mitarbeiten, endet eine Ära. "Meine Tochter war im Kindergarten, als ich zum ersten Mal an dem Projekt gearbeitet habe", erinnert sich die Physikerin Linda Spilker in einem Video der Nasa. "Heute ist sie verheiratet und hat selbst eine Tochter." Die Raumfahrtbehörde lässt sich zum Grand Finale – wie sie Cassinis Ende selbst nennt – einen gewissen Pathos nicht nehmen. Doch immerhin: Nahezu 30 Jahre war Spilker Teil der Mission. So lange braucht der Saturn auf seiner Umlaufbahn in etwa, um die Sonne einmal zu umrunden.

Der Ruhm für Cassinis Entdeckungen gebührt nicht allein der Nasa. Die Mission ist kein rein US-amerikanisches Projekt, wie der Marsroboter Curiosity. Die europäische Raumfahrtagentur Esa und die Italiener – Tausende Mitarbeiter aus 17 Ländern – haben Cassini gemeinsam mit der Nasa ermöglicht. Genau genommen: Cassini-Huygens. Denn als der zwei Tonnen schwere Orbiter am 15. Oktober 1997 an Bord einer Titan-IVB-Rakete von der Erde abhob, war er bepackt mit der Landeeinheit Huygens, benannt nach dem niederländischen Astronom Christiaan Huygens.

474 Megabits an Daten, 350 Bilder

Am 15. Oktober 1997 hob Cassini-Huygens um 4.43 Uhr Ortszeit vom Launch Complex 40 in Cape Canaveral ab. © Nasa

Was sein Namensgeber 1655 entdeckt hatte, sollte der Lander genauer untersuchen: Saturns größten Mond Titan. Pünktlich war Huygens dazu am 14. Januar 2005 auf Titan gelandet, als erste Sonde auf einem Himmelskörper im äußeren Sonnensystem. 72 Minuten lang sandte Huygens Daten – das war das zeitliche Maximum bei 180 Grad unter Null auf der Oberfläche (Nature: Lebreton et al., 2005). Vom Abstieg bis zu seinem Ende waren es insgesamt 474 Megabits an Informationen, darunter 350 Bilder.

Fortan war Cassini allein im All und umkreiste Saturn, der zu den äußeren Planeten zählt. Kein Orbiter war je so weit draußen im Einsatz. Vollgepackt mit wissenschaftlichen Premieren ermöglichte die Sonde es Forschern erstmals, Saturns komplexe Ringe, seine dynamische magnetische Umgebung und seine zahlreichen Monde detailliert zu untersuchen.