Live Blog
20. Oktober 2017 vor 1 Monat aktualisiert
© Getty Images

Die großen Fragen an die Wissenschaft: Könnten wir unsterblich sein?

Ewig leben – fixe Idee oder erstrebenswertes Ziel? Ist es biologisch überhaupt möglich? Wie lässt sich Altern aufhalten? Und wollen wir das? Das Liveblog zum Nachlesen
  • Könnten wir unsterblich sein? So lautete die letzte unserer fünf großen Fragen an die Wissenschaft.
  • Es diskutierten die Biologin Anna Müllner, die Ärztinnen Natalie Grams und Karin Schumacher sowie die Medizinerin Marlene Heckl.
  • Die Serie ist eine Kooperation von ZEIT ONLINE, dem Wissenschaftsmagazin Spektrum und SciLogs.
  • Die Auswahl der Fragen beruht auf den Einsendungen unserer Leser. 1.500 haben uns ihre Fragen an die Wissenschaft geschickt.
  • Unsere Serienseite zu den großen Fragen finden Sie hier.

  • 15:05 Uhr
    Sybille Klormann

    Wunderbare Schlussworte und Zukunftsszenarien, vielen Dank! Wir beenden unseren Liveblog hiermit – und auch die Serie Die großen Fragen der Wissenschaft endet an dieser Stelle. 


    Vielen Dank an die SciLogs-Bloggerinnen Marlene Heckl, Anna Müllner, Natalie Grams und Karin Schumacher für die spannende Diskussion. 

    Wenn Sie die Debatte von Anfang an nachlesen möchten, scrollen Sie bitte ans Ende der Seite. Unsere Serienseite finden Sie hier.

  • 15:05 Uhr
    Natalie Grams

    Wimperntierchen müsste man sein… Obwohl wir ja vorhin übereingekommen sind, dass ein langes und gesundes Leben wünschenswerter ist als die Unsterblichkeit.

  • 15:03 Uhr
    Anna Müllner

    Ich mag ja Bärtierchen, die Quokkas des Mikroskosmos, die gerade in Star Trek ihr Fernseh-Debut geben. Wie in der letzten Folge gesehen, können sie sich wie Igel zusammenkugeln – nur dass dann wirklich gar kein Stoffwechsel mehr zu messen ist. Sie zeigen absolut keine Zeichen von Leben mehr. Damit "überleben" sie sogar im All. Wir wissen gar nicht ob sie in diesem Stadium wirklich "am Leben" sind, aber Fakt ist, wenn sie es nicht sind, dann können sie von den Toten auferstehen.

  • 14:58 Uhr
    Karin Schumacher

    Wimpertierchen sind unsterblich! Sie können sich ungeschlechtlich vermehren, indem sie sich einfach verdoppeln. Dennoch haben sie sieben Geschlechter, die paarweise Nachwuchs bekommen können. Unabhängig vom Geschlecht stehen jedem Wimperntierchen wiederum sieben verschiedene Arten zur Paarung zur Wahl. Wie langweilig geht es da bei den sterblichen Menschen zu! 


    Auf den SciLogs findet ihr noch meinen Artikel zum heutigen Thema: Das Geheimnis der Hundertjährigen.

  • 14:57 Uhr
    Anna Müllner

    Wenn die Sonne explodiert und wir bis dahin keinen neuen Planeten gefunden haben, auf dem es Leben gibt oder auf dem Leben möglich ist, dann wäre das der endgültige Katastrophentod, von dem Marlene spricht. Bis dahin ist noch ein bisschen Zeit und gibt es das Leben, wie Dienstag besprochen, ja anderswo im Universum. Wie lange das besteht, müssten wir die Astrophysiker fragen.

    Der Tod musste in der Evolution erst so richtig erfunden werden. Die Lebewesen haben sich ja einfach geteilt. Jetzt ist er halt da, damit müssen wir irgendwie umgehen.

  • 14:56 Uhr
    Karin Schumacher

    Aber die Einzeller, die sind wirklich faszinierend. Wimpertierchen zum Beispiel. Diese im Wasser lebenden Einzeller können sich unendlich oft teilen. 

  • 14:53 Uhr
    Karin Schumacher

    Ja, Marlene Krebszellen werden als unsterblich bezeichnet. Ihr Problem ist nur, dass sie irgendwann ihren eigenen Lebensraum zerstören. 

  • 14:50 Uhr
    Marlene Heckl

    Krebszellen werden als unsterblich bezeichnet. Sie können sich, wenn die Umgebungsbedingungen passen, also sie genügend Nahrung und Platz haben, unendlich oft teilen und können damit unendlich lange leben.

    Ein Schwamm, den Forscher in der Antarktis entdeckt haben, lebt seit 10.000 Jahren. Einzeller wie das Pantoffeltierchen haben gar die theoretische Chance, Milliarden Jahre zu leben, weil sie sich immer wieder teilen. Viele Lebewesen sind potenziell unsterblich, wenn die Umgebungsfaktoren mitspielen, also das Wasser nicht austrocknet, in dem die Tierchen leben oder andere Katastrophen eintreten.

    Je länger die potenziell unsterblichen Lebewesen existieren, desto wahrscheinlicher ist es, dass irgendwann der Katastrophentod eintritt. Aber ihre Lebensprozesse bleiben immer stabil, von selbst sterben sie nicht.

  • 14:49 Uhr
    Karin Schumacher

    Danke, Natalie. Sorry, Sybille, das war wohl etwas zu viel "Medizinersprache"... Ich meinte damit, ihre Zellen sind älter als das eigentliche biologische Alter.

  • 14:49 Uhr
    Sybille Klormann

    Bevor wir zum Ende der Diskussion kommen, möchte ich noch eine wichtige Frage stellen: Gibt es überhaupt etwas Unsterbliches? Oder endet alles irgendwann?

  • 14:47 Uhr
    Anna Müllner

    Das stimmt. Aber es verändert eben die Methylierungsmuster ungleichmäßig.

  • 14:46 Uhr
    Sybille Klormann

    Vorgealtert, das klingt ja gruselig. Was meinst du genau damit, Karin?

  • 14:46 Uhr
    Natalie Grams

    Karin, die Forscher gaben zum Beispiel alten Mäusen, denen bereits das Fell ausgegangen war und die eine eingeschränkte Nierenfunktion hatten, über einen Zeitraum von mehreren Wochen ein spezielles Protein; das Peptid TIMP-2. In den folgenden Wochen wuchs den Mäusen wieder mehr Fell, sie waren aktiver und ihre Nierenfunktion besserte sich – sprich, sie wurden wieder jünger.

  • 14:45 Uhr
    Karin Schumacher

    Na ja, Anna, aber Diabetiker sind ja auch oft vorgealtert...

  • 14:43 Uhr
    Anna Müllner

    Naja, so ganz genau stimmt das aber leider nicht mit Horvath. Menschen mit Diabetes weisen zum Beispiel Methylierungsmuster auf, die denen von älteren Menschen ähneln. Das ist auch bei anderen Erkrankungen der Fall. ich glaube, da hat Horvath übertrieben.

  • 14:43 Uhr
    Karin Schumacher

    Das klingt spannend. Welche Futterzusätze waren das, Natalie?

  • 14:40 Uhr
    Natalie Grams

    Bei der Altersforschung ist Horvaths Uhr ein interessanter Punkt: Steve Horvath, ein Biomathematiker, Humangenetiker und Biostatistiker an der University of California in Los Angeles, hat eine verblüffend präzise "Uhr" in unserem Körper gefunden. An fast jeder Zelle lässt sich laut seiner Forschung ablesen, wie alt wir biologisch wirklich sind – und zwar auf wenige Monate genau.

    Das Methylierungsmuster von Genen regelt normalerweise, wie Gene abgelesen werden, aber es lässt sich auch nutzen, um das biologische Alter eines Menschen zu bestimmen. Horvaths Uhr funktioniert über Mechanismen der Epigenetik – chemischen und strukturellen Veränderungen am Erbgut, die nicht die DNA beeinflussen, sondern bestimmen, wie die Gene gelesen werden. Dafür bedeutsame Methylierungs-Markierungen werden auch weitergegeben, wenn sich Zellen teilen. Je älter Zellen werden, umso mehr verändern sich diese Methylierungsmuster – und das ist messbar mit Horvaths Programmen.

    Horvaths Methode bietet viele Anwendungsmöglichkeiten, zum Beispiel in der Forensik oder der Medizin. Weil die Methylierung der DNA reversibel ist, könnte es theoretisch möglich sein, das Voranschreiten des Alterns aufzuhalten – aso auch länger gesund zu bleiben. Funktionieren soll das über sogenannte Reprogrammierung/Demethylierung: Dadurch kann man die Lebensuhr quasi auf die Stunde null zurückstellen.

    Die Frage, ob das nicht nur im Labor und bei Mäusen, sondern auch beim lebenden Menschen gelingt, ist noch ungeklärt. Bei Mäusen gelang es aber auch durch spezielle Futterzusätze, diejenigen Gene zu aktivieren, die Verjüngung auslösen.

    Mehr dazu hab ich auch hier gebloggt.

  • 14:37 Uhr
    Sybille Klormann

    Ich fasse kurz zusammen: Vielleicht wollen wir nicht ewig leben. Aber, sofern wir gesund bleiben, ist ein langes Leben sicherlich für viele erstrebenswert. Was kann die Altersforschung dazu beitragen?

  • 14:36 Uhr
    Anna Müllner

    Das ist ganz schön selbstsüchtig von Winnie...

  • 14:36 Uhr
    Karin Schumacher

    Wie Winnie Puuh sagte: "Wenn du 100 Jahre lebst, dann will ich 100 Jahre minus einen Tag leben – damit ich niemals ohne dich leben muss."

    Gibt es ein schöneres Lebens-Elixir als die Liebe? Mit ein wenig Glück bei der Genlotterie und den richtigen Menschen um uns herum müssen wir uns dann noch nicht einmal einfrieren lassen wollen.

  • Mehr Beiträge laden
Voriger Artikel Voriger Artikel Jacinda Ardern Neuseeland erwägt Legalisierung von Cannabis Nächster Artikel Nächster Artikel Bundesliga-Vorschau Das Zähneputz-Gate
Verlagsangebot

Lesen Sie weiter.

Noch mehr faszinierende Wissenschaftsthemen jetzt im digitalen ZEIT WISSEN-Abo.

Hier sichern

Kommentare

217 Kommentare Seite 9 von 15 Kommentieren

Interessant zu lesen, was "länger" leben für manchen Foristen bedeutet.
Manche schreiben über "50" Jahre als wäre das ein uralter Sack.
Manche schreiben über 80-jährige, die noch "jung" aussehen.

Die Grenze verschiebt sich interessantereise immer weiter nach oben, je älter die Menschen werden.

Auch die oft geäußerte Meinung "Ich will ja gar nicht so alt werden" ändert sich mit zunehmendem Alter rasant.

"Alt werden" ist kein Qualitätskriterium.
Worum es doch geht ist doch vielmehr, dass man gerne alt werden möchte, wenn man denn noch FIT ist. Also noch laufen, spring, hüpfen kann und mit seinen Enkeln toben. Es muss also darum gehen, gesund zu bleiben. DAS gepaart mit der Weisheit des Alters scheint mir eine erstrebenswerte Kombination.

Ich finde, da fängt die philosophisch spannende Frage erst an: "Wollen wir unter der Bedingung bleibender körperlicher und geistiger Fitness (also in Abwesenheit von erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität durch körperlich bedingte Handicaps) tatsächlich ewig leben?"

Auf die Problematik des "wir"-Begriffs wurde ich bereits hingewiesen. Mir geht es aber nicht um den Wunsch des Einzelnen, sondern um die Frage der Sinnhaftigkeit im Allgemeinen, also abstrahiert und jenseits von individuellen Vorstellungen oder Wünschen und Fragen zur technischen Machbarkeit.

Wir sehen ja, wie schnell die Diskussion oben sich wieder von dieser Frage entfernt und zurückkehrt zum Technischen. Für mich heißt das (zugegebenermaßen sehr platt ausgedrückt), dass wir auch dann, wenn die Technik uns zur Verfügung stünde, gar nicht die "Reife" haben, damit irgendwie klarzukommen.