Auszeichnung - Nobelpreis für Medizin geht an US-Forscher Für ihre Forschung zum inneren Rhythmus von Lebewesen werden drei US-amerikanische Wissenschaftler geehrt. © Foto: Niklas Elmehed/Nobel Prize Media 2017

UPDATE: Einen ausführlichen Artikel über die Forschung der drei Nobelpreisträger lesen Sie hier.

In jedem Menschen sowie in Tieren und Pflanzen tickt es. Unsere innere Uhr bestimmt, wann wir ruhen und wann wir wachen. Dieser biologische Rhythmus ist genetisch vorgegeben – auch wenn er sich mit den Tag- und Nachtphasen auf der Erde synchronisiert. Wie er funktioniert, haben die US-Amerikaner Jeffrey C. Hall, Michael Rosbash und Michael W. Young erforscht. 

Dafür erhalten die drei den diesjährigen Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Das teilte das Nobelpreiskomitee des Karolinska-Instituts im schwedischen Stockholm mit.

Die drei Preisträger nutzten Fruchtfliegen, um diesen Schlaf-Wach-Rhythmus zu ergründen. Im Labor gelang es ihnen, mehrere Gene zu isolieren, welche die biologische Uhr kontrollieren. In einem davon steckt die Bauanleitung für ein Eiweiß, welches sich in den Zellen von Lebewesen über Nacht anhäuft und tagsüber wieder abgebaut wird.  

Zusätzlich zur Entdeckung dieses Mechanismus konnten Hall, Rosbash und Young noch weitere Proteine ausfindig machen, die zusammenarbeiten und den inneren Takt von Lebewesen unbewusst vorgeben. Die Chronobiologie funktioniert in Menschen, Tieren und Pflanzen ähnlich. Auch das konnten die drei Forscher zeigen.

Die innere Uhr arbeitet äußerst präzise, sie beeinflusst nicht nur unseren Schlaf, sondern auch unser Verhalten, Hormonlevel, die Körpertemperatur und den Stoffwechsel. Der innere Rhythmus tickt dabei immer gleich – allerdings synchronisiert ihn jedes Lebewesen täglich neu – angepasst an den Tag-Nacht-Rhythmus unserer Erde. Sind diese beiden Rhythmen nicht mehr aufeinander eingestellt, kann uns das sogar krank machen. Das beste Beispiel dafür, was passiert, wenn wir unseren Tag-Nacht-Rhythmus entgegen der inneren Uhr verändern, ist der Jetlag. Er tritt ein, wenn Menschen über verschiedene Zeitzonen hinweg reisen.

Die diesjährigen Nobelpreisträger stammen alle aus den Vereinigten Staaten. Michael Warren Young ist Chronobiologe und arbeitet an der Rockefeller University in New York. Sein Kollege Michael Morris Rosbash ist Molekularbiologe an der Brandeis University in Waltham, Massachusetts. Der Genetiker und Chronobiologe Jeffrey Connor Hall forscht ebenfalls an der Brandeis University sowie an der University of Maine.

Sie können die Pressekonferenz zur Bekanntgabe des Nobelpreises für Physiologie oder Medizin in diesem Video anschauen:


361 Nominierungen hatte die Jury dieses Jahr für den Medizinnobelpreis erhalten. Wer die anderen Nominierten waren, bleibt 50 Jahre geheim: So steht es in den Statuten der Nobel-Stiftung. "Diejenigen (...), die der Menschheit den größten Nutzen gebracht haben" – sie sollen jedes Jahr Preise erhalten. So hatte es der Großindustrielle und Erfinder des Dynamits Alfred Nobel 1895 in Paris in seinem letzten Willen notiert. Finanziert mit den Zinsen eines beträchtlichen Teils seines Vermögens. Seit 1901 werden die Nobelpreise verliehen. Kein Preis in Wissenschaft und Forschung sowie im Kampf für Frieden und in der Literatur gilt als größere Ehre.

Am Todestag Alfred Nobels, dem 10. Dezember, werden die Auszeichnungen verliehen. Die Geehrten erhalten eine Urkunde und eine goldene Medaille mit dem Konterfei des Stifters. Zusätzlich können sie sich über ein Preisgeld von derzeit neun Millionen Schwedischen Kronen (umgerechnet gut 930.000 Euro) freuen. Es muss versteuert werden, darf aber für anderes als weitere Forschung verwendet werden.

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