Ob bewusste Ernährung oder umweltbewusstes Verhalten, ob unterbewusste Wahrnehmung oder unbewusste Fehler: Jeder Mensch setzt sich ständig mit seinem Bewusstsein auseinander. Es bestimmt, wie er handelt, was er sagt, wie er andere und seine ganze Umgebung wahrnimmt. Doch was ist eigentlich Bewusstsein? Warum bin ich ich? Wir haben im Liveblog mit vier Forschern nach Antworten auf diese großen Fragen gesucht.

Allen voran steht die Überlegung, ob es eine allgemeingültige Form von Bewusstsein gibt. "Eigentlich ist es verrückt, dass wir annehmen, dass die meisten Menschen ein ähnliches Bewusstsein haben wie wir selbst", sagt die Philosphin und Journalistin Leonie Seng. "Wie können wir das wissen?"

Der Neurophilosoph Stephan Schleim bezieht dies in seine Definition mit ein: "Bewusste Erlebnisse sind erst einmal nur der Person oder dem Lebewesen zugänglich, die oder das sie hat." Und nur sie wüssten, wie sich die Erlebnisse anfühlen. Das bringe die Wissenschaft an Grenzen, denn Bewusstsein lasse sich von außen nicht sehen oder messen. "Verhaltensbeobachtungen oder Messungen des Gehirns müssen wir interpretieren", sagt Schleim.  

Kommunikationsprobleme etwa seien häufig darauf zurückzuführen, dass Menschen Situationen unterschiedlich wahrnehmen und sich einer Handlung anders bewusst sind. "So gesehen ist es ein Wunder, dass wir uns überhaupt verständigen können", sagt Leonie Seng.

"Tiere können keinen verneinenden Gedanken denken"

Ob andere Lebewesen ein Bewusstsein haben, versuchen Forscher mit Tierexperimenten zu ergründen. Dazu haben sie den Spiegeltest entwickelt: Affen, Katzen, Hunden und anderen Tieren wird ein Spiegel vorgesetzt, dann wird geprüft, ob sie sich darin erkennen. Manche Menschenaffen bestehen den Test, Katzen und Hunde eher nicht. "Die Frage ist, ob diese Verhaltenstests wirklich das zeigen, was wir unter Bewusstsein verstehen", sagt Seng.

Die Medizinerin Karin Schumacher wirft ein, dass man Hunden trotzdem Gefühle wie Freude, Trauer, Neugier oder Angst nicht absprechen würde, nur weil sie den Spiegeltest nicht bestehen. "Allerdings können Hunde auch viel besser riechen als sehen", sagt Schumacher. "Daher identifizieren sie sich problemlos – wenn auch über einen Geruchs-Spiegeltest mit Urinproben. Ich frage mich jetzt, wie gut Menschen bei solch einem Riechtest abschneiden würden." Hunde benutzen ihre Sinne also anders, um Dinge bewusst wahrzunehmen.

Der Neuropsychologe und Theologe Christian Hoppe stellt Bewusstsein und Denken in Verbindung und weist darauf hin, dass Tiere nach gewissen Kriterien zumindest letzteres nicht tun: "Sie stellen keine Fragen, fragen nicht nach Gründen, können keinen verneinenden Gedanken denken."

Warum ausgerechnet der Mensch kann, was kein anderes Wesen beherrscht? Arterhaltung und Überlebenstrieb könnten Gründe sein, sagt Karin Schumacher. "Dank unseres 2,5-Millionen-Gigabyte-Speichers im Kopf und noch ein paar anderen evolutionären Errungenschaften müssen wir nicht ständig das Rad neu erfinden oder Essen beschaffen." Was es uns ermögliche, über Themen wie das Universum, Leben und Tod oder auch das Bewusstsein zu diskutieren.