Die Evolution kennt kein Halten. Seit mehr als vier Milliarden Jahren gibt es auf der Erde Leben und von der ersten Sekunde an hat es sich rasant entwickelt – darauf deuten Fossilienfunde bislang hin. Von plumpen Einzellern ging es über Bakterien und Viren zu größeren Organismen, zu Pflanzen und noch komplizierteren Lebewesen wie Tier und Mensch. Da stellen sich unseren Lesern die Fragen: Wieso kam es überhaupt zu dieser Entwicklung? Woher hat die Evolution ihre Motivation? Und wenn es auf der Erde möglich war, muss es dann nicht irgendwo anders im Universum weitere Lebensformen geben? Mit Forschern haben wir im Liveblog Antworten auf diese Fragen gesucht.

Die junge Erde – sie war völlig anders als der blaue Planet, den wir heute kennen. Es seien extreme Zeiten mit hohen Temperaturen gewesen, die die Entwicklung von Leben begünstigt hätten, erklärte die Biologin Anna Müllner. Sie ist eine von drei Bloggerinnen der Wissenschaftsplattform SciLogs, die sich am zweiten Tag unserer Serie Die großen Fragen an die Wissenschaft gestellt hat. Auch die Zoologin Bettina Wurche und die Planetenforscherin Ludmila Carone haben versucht, Antworten auf die Fragen unserer Leser zu finden.

Charles Darwins Theorien haben bis heute Bestand

Müllner führte zu Beginn der Diskussion weiter aus: "Die Teilchen, aus denen wir bestehen, sind sehr komplex und die Begebenheiten damals haben beschleunigt, dass diese Komplexität bestehen konnte – einfach weil alles so hoch herging". Es sei ein bisschen, als wäre unsere Erde damals in der Pubertät gewesen. "Da sind ja auch Jugendliche gerne sehr kreativ."

Das Ergebnis sind Millionen Arten, die in ihren Formen und Lebensstilen kaum vielfältiger sein könnten. 1995 hat man mal geschätzt, dass es circa 1,75 Millionen Arten auf der Erde gibt. "Heute nimmt man 'irgendwas zwischen fünf und 15 Millionen' an", sagte Müllner. Allerdings ließen sich viele Lebewesen gar nicht richtig beschreiben. Es könnten also durchaus weit mehr sein.

Wie es zu dieser Vielfalt kam und welchen Regeln die Evolution dabei gewissermaßen folgte, hat vor mehr als 150 Jahren der Biologe Charles Darwin postuliert. "Darwins theoretisches Gerüst war so grundlegend und durchdacht, das es bis heute Bestand hat", sagte die Zoologin Bettina Wurche. Es sei nur um moderne Wissenschaftszweige ergänzt worden: die Entwicklungsbiologie, die Paläontologie und die Molekularbiologie.

Wie erklärt man Leistenbrüche?

Unter unseren drei Bloggerinnen gehört es also nach wie vor zum guten Ton, sich als Anhänger von Darwins Theorien zu bekennen. Damit stehen sie stellvertretend für die meisten Forscher. Es gibt aber auch Menschen, die sich davon abgrenzen und von einem Schöpfer ausgehen, Kreationisten. Ihnen entgegnete Wurcher beispielsweise: "Ich würde gern mal wissen, wie sie die Existenz von Bandscheiben und Leistenbrüchen erklären. Das sind nämlich Relikte aus unserer grauen Vorzeit." Falls Menschen eine göttliche Schöpfung sein sollten, müsse dieser Gott einen echt üblen Humor oder sehr schlechte Laune haben – "oder ein Stümper sein".

Müllner formulierte etwas sanfter, für die Wissenschaft brauche es keinen Gott als Hypothese. "Aber er stört auch nicht, wenn man zum Beispiel sagt, dass er vielleicht eine 'treibende Kraft' irgendwo war." Selbst die katholische Kirche akzeptiere, dass der Urknall und die Lehre der Evolution kein Gegensatz zur göttlichen Schöpfung sei.