Mithilfe kosmischer Strahlen haben Forscher einen mindestens 30 Meter langen Hohlraum in der größten der Pyramiden von Giseh entdeckt. Die Ergebnisse, die in Nature erschienen sind, könnten helfen, die interne Struktur der Cheops-Pyramide zu verstehen (Nature: Morishima et al., 2017).

"Wir wissen nicht, was es mit dem Hohlraum auf sich hat", sagte Mehdi Tayoubi von dem internationalen Forschungsteam, "deswegen wollen wir auch nicht von einer Kammer sprechen." Aber die Ausmaße des Raums seien groß und wohl seit dem Bau der Pyramide verborgen gewesen. "Er könnte aus einer oder mehreren Strukturen bestehen", sagte Tayoubi, Mitbegründer des Projekts ScanPyramids und Präsident des Heritage Innovation Preservation Institute. "Vielleicht könnte er eine andere große Galerie sein. Er könnte eine Kammer sein. Er könnte eine Menge Sachen sein."

Drei Teams verschiedener Institute und Universitäten aus Frankreich und Japan haben zwei Jahre lang die Pyramide in Giseh untersucht. Dafür nutzten die Forscher Myonen-Partikel, ein Nebenprodukt kosmischer Strahlen. Ähnlich wie Röntgenstrahlen beim menschlichen Körper könnten diese Elementarteilchen Hunderte Meter Stein durchdringen, so die Forscher. Diese bildgebende Technik ermöglicht, das jahrtausendealte Bauwerk zu untersuchen, ohne die Substanz berühren zu müssen.

An Vulkanen und in Fukushima hat sich die Technik bewährt

Dass in der Pyramide die Königs- und Königinnenkammer und eine große Galerie liegen, ist Forschern schon lange bekannt. Mit der neuen Methode wollten die Autoren bisher nicht bekannte Kammern und Gänge finden. Dazu nutzten sie auch Drohnen, Infrarottechnik und teilchenphysikalische Messungen. Erst die Myonen-Detektoren aber zeigten schließlich den geheimnisvollen Hohlraum.

Schon in den 1960er Jahren versuchten Wissenschaftler, mit der Myonentechnik neue Gänge und Kammern in den ägyptischen Pyramiden zu finden. Heute kommt sie unter anderem zum Einsatz, um Vulkane oder das havarierte Kernkraftwerk in Fukushima zu untersuchen.

Die Forscher stellten für die aktuelle Untersuchung in der Königinnenkammer im unteren Teil der Pyramide Fotoplatten auf. Diese fingen die Myonen ein. Wie erwartet, zeigten sich die darüber liegende Königskammer und die schräg verlaufende Große Galerie. Und eben der bislang unbekannte Hohlraum.

Die Hoffnung: verstehen, wie die Pyramiden entstanden

"Wir müssen die interne Struktur der Pyramide verstehen", sagte Hani Helal von der Universität von Kairo, der ebenfalls an dem Forschungsprojekt beteiligt ist. "Dass wir den neuen Hohlraum gefunden haben, kann uns dabei helfen zu verstehen, in welchen Schritten die Pyramide gebaut worden ist."

Seit Tausenden Jahren ranken sich Mythen um die Entstehung der Pyramiden. Forscher sind sich bis heute nicht einig, wie sie gebaut worden sind. "Ob es Stein für Stein war oder mithilfe einer inneren oder einer äußeren Rampe", sagte Helal, "ohne Beweise bleibt das alles Hypothese." Die Forschungen sollen helfen, Antworten zu liefen. Um aber nicht selbst Hypothesen aufzustellen und dadurch möglicherweise bestimmte Theorien mehr zu stützen als andere, sei man sehr vorsichtig, was die Bedeutung und Bezeichnung des Hohlraumes betreffe.

Die Cheops-Pyramide ist die älteste und größte der drei Pyramiden von Giseh und zählt zu den sieben Weltwundern der Antike. Sie ist 139 Meter hoch und 230 Meter lang. Sie wurde laut des Forschungsteams während der Regierungszeit von Cheops (2.509 bis 2.483 v. Chr.) gebaut und gibt Forschern bis heute Rätsel auf.

Wie die Wissenschaftler vorgegangen sind, haben sie in einem Video zusammengefasst: