Untenrum T-Rex, obenrum Ente, in der Mitte ein bisschen von beidem. So soll sie ausgesehen haben, eine bis dato unbekannte Dinosaurier-Spezies, die Paläontologen jetzt im Wissenschaftsmagazin Nature (Cau et al., 2017) beschreiben. So groß wie eine Stockente sei das Tier aus der Kreidezeit gewesen, allerdings mit einem überlangen Hals. Dazu habe es scharfe Krallen wie ein Raubsaurier gehabt, Vorderextremitäten, die zum Schwimmen taugten, Federn und einen Entenschnabel mit Zähnen. Das alles berichten die Forscher um Andrea Cau vom Paläontologie-Museum in Bologna.

Unglaublich? Ziemlich. Als ihnen das fossile Dinosaurier-Skelett zum ersten Mal in die Hände fiel, hatten die Paläontologen zuerst den Verdacht, jemand könnte sich einen Scherz erlaubt und die Überreste diverser Dinos zusammengesetzt haben. Doch nach umfassender 3-D-Analyse des Skeletts in Grenoble haben sich die Wissenschaftler doch zu dem Schluss durchgerungen: Das Fossil dürfte echt sein und stammt aus der berühmten Fossilien-Ausgrabungsstätte Ukhaa Tolgod in der Wüste Gobi in der Mongolei. Es ist zwischen 71 und 75 Millionen Jahre alt und zählt sehr wahrscheinlich zu einer eigenen Art, ja gar eigenen Gattung von Dinosauriern: Halszkaraptor escuillie.

Das Fossil ging durch viele Hände – auch illegal

Der unaussprechliche lateinische Name setzt sich aus drei Wörtern zusammen: Raptor für Räuber, dem Vornamen der 2008 verstorbenen polnischen Paläontologin Halszka Osmólska und dem Nachnamen des Mannes, der die Überreste der definitiv ausgestorbenen Tierart in Forscherhände gab: François Escuillié.

Wann genau und von wem das Skelett ausgegraben wurde, ist nämlich unklar. Lange Zeit hatte es sich im Besitz verschiedener Privatleute befunden und war so schließlich illegal aus der Mongolei geschmuggelt worden. Erst der Fossiliensammler und Amateur-Paläontologe Escuillié entschied, es der Forschung zurückzuführen.

Wie man heute weiß, haben sich Vögel streng genommen nicht aus den Dinosauriern entwickelt – sie selbst sind Dinosaurier. Zoologen ordnen sie einer der vielen Untergruppen zu, die von einem letzten gemeinsamen Vorfahren abstammen. Damit zählen Vögel zu den Theropoden, genau wie der fleischfressende Tyrannosaurus rex. In dieselbe Gruppe fällt nach Ansicht der Forscher auch "Dino Duck" aus der Mongolei. Ungewöhnlich für diese Gruppe: eine derartige Anpassung an ein amphibisches Leben im Wasser und an Land.

Wie es aussieht, war das mysteriöse Tier zu Lebzeiten in der Kreidezeit also ein seltenes Multitalent. Entweder rannte es flink wie ein T-Rex seiner Beute nach oder paddelte durch prähistorische Teiche, um dabei zähneknirschend mit seinem langen Hals im Modder nach Nahrung zu schnäbeln. Hatte es etwas erwischt, konnte es sein Opfer mit den rasierklingenscharfen Krallen zerfleischen. Passt all das wirklich zusammen?

"Ich habe einfach nagende Zweifel daran, dass dieses ganze Ding ein komplettes Originalskelett ist", sagt Stephen Brusatte, Paläontologe an der Universität Edinburgh, im britischen Guardian. Schlechte Fälschungen ließen sich zwar leicht entlarven, aber heutzutage seien die Tricks von Betrügern eben ausgefeilter. Es mache ihn einfach stutzig, dass das Tier aussieht wie aus zwei verschiedenen Dino-Gattungen zusammengestückelt: Der Körper von einem Dromaeosaurier mit dem Kopf eines Alvarezsauriers. 

Auf dem Schwarzmarkt für Fossilien jedenfalls werden Unsummen für ähnliche Skelette gezahlt. Je origineller und kompletter die erscheinen, umso besser. Entsprechend hoch ist der Anreiz, Fossilien zu fälschen. Nicht ausgeschlossen also, dass die Nachricht von Halszkaraptor escuillie sich noch als reine Ente erweist.