Mit ihren Schwimmflossen, die an Flügel erinnern, zogen sie vor Jahrmillionen ihre Bahnen durch die Ozeane, als Fleischfresser jagten sie Fische und andere Meerestiere – und ihre Jungen brachten sie lebend zur Welt: Plesiosaurier. Dass diese urzeitlichen Fast-Echsen, wie Paläontologen sie auch nennen, in etwa gleichzeitig mit den Dinosauriern ausgestorben sind, daran besteht wenig Zweifel. Nur, seit wann es die Meeressaurier auf unserm Planeten gab – das wusste bisher niemand so genau.

Ein in Bonenburg bei Paderborn ausgegrabenes und rekonstruiertes Saurierskelett wurde nun genauer untersucht – mit überraschendem Ergebnis: Die Plesiosaurier lebten wohl schon im Erdzeitalter Trias, also in der Zeit vor rund 252 bis 201 Millionen Jahren. Damit bevölkerten sie die Ozeane viel früher als bisher angenommen. Wie Wissenschaftler um Tanja Wintrich und Martin Sander von der Uni Bonn jetzt im Magazin Science Advances (Wintrich et al., 2017) berichten, ist das Skelett aus Bonenburg das älteste Fossil eines Plesiosauriers, das bislang datiert wurde.

Ein Privatsammler fand es schon 2013

Der Privatsammler Michael Mertens hatte die Knochenüberreste im Jahr 2013 bei Arbeiten in einer Tongrube in Westfalen entdeckt und vor der Zerstörung durch Bauarbeiten bewahrt, wie die Forscher der Uni Bonn berichten. Die anschließende Einschätzung durch das LWL-Museum für Naturkunde in Münster habe ergeben, dass es sich um eine ungewöhnlich alte Unterwasserechse handeln könnte.

Diese Nachricht erreichte den Saurierforscher Martin Sander damals bei einem Forschungsaufenthalt in Los Angeles. "Ich hielt das zunächst für unwahrscheinlich, da Plesiosaurier seit rund 300 Jahren wissenschaftlich beschrieben werden, aber noch kein einziges Exemplar aus der Trias dabei war", sagte Sander. Die genaue Untersuchung durch die Bonner Doktorandin Tanja Wintrich ergab dann aber tatsächlich, dass es sich um den mit rund 201 Millionen Jahren bislang ältesten Plesiosaurier handelt, der damit knapp in das Erdzeitalter Trias eingeordnet werden kann. Alle anderen bisher bestimmten Meeresreptilien aus derselben Gruppe stammen aus dem Jura (201 bis 145 Millionen Jahre) oder der noch jüngeren Kreidezeit.

Junger Saurier mit steifem Nacken

Das nun genau analysierte Tier war demnach etwa 2,40 Meter lang, hatte einen langen Hals und einen kleinen Kopf. Aus den Überresten sei abzulesen, dass es einen vergleichsweise steifen Nacken besaß und seinen Kopf wohl nur eingeschränkt nach hinten oder zu den Seiten bewegen konnte. Die Knochenstruktur ließ zudem darauf schließen, dass es sich um einen jungen Plesiosaurier handelt.

Die entdeckte Art erhielt den wissenschaftlichen Namen Rhaeticosaurus mertensi. Rhaetium ist die geologische Stufe der Trias, in der das Reptil gelebt haben soll, saurus bedeutet Echse oder Eidechse. Mit dem Beinamen mertensi wird der Entdecker, Michael Mertens, geehrt.