Kapstadt - Hoffen auf Regen Wegen der Dürre wird Wasser in Kapstadt nur noch kontrolliert ausgegeben. Ende April droht »Day Zero«, der Tag, an dem kein Wasser mehr fließt. © Foto: Rodger Bosch / Getty Images

Fünf Liter für Essen und Trinken, 15 Liter für die Wäsche – allein dafür nutzt ein Mensch in Deutschland im Schnitt bereits die Hälfte der Wassermenge, die ein Bewohner Kapstadts derzeit am Tag verbrauchen darf. Sich waschen, Geschirr spülen, putzen oder der Gang zum Klo sind da also nicht mit eingerechnet. In Südafrika ist es seit Wochen so trocken, dass Unternehmen und Bewohner ihren Wasserverbrauch nun drastisch reduzieren müssen.

Im Dezember mussten sich die mehr als 3,5 Millionen Kapstädter bereits auf rund 20.000 Liter Wasser pro Haushalt beschränken. Geht man davon aus, dass in einem Haushalt meist zwischen sieben und acht Personen leben, ergibt das etwa 87 Liter pro Tag und Person. Die Stauseen, die Kapstadt mit Wasser versorgen, sind nur noch bis zu einem Drittel gefüllt. Im Januar wurde die monatliche Wasserration noch einmal fast halbiert. Jede Person darf insgesamt höchstens 87 Liter Wasser* verbrauchen – zu Hause sind es also noch weniger als zuvor. Was genau bedeutet das?

Mindestens 200 Liter Wasser nutzen die Bewohner von Kapstadt normalerweise pro Haushalt am Tag.


Meist wird aber mehr verbraucht. Wie die Stadtverwaltung der Hafenstadt ermittelt hat (hier als PDF), verbraucht ein Haushalt in Kapstadt durchschnittlich bis zu 650 Liter Wasser am Tag. Geht man auch hier davon aus, dass in einem Haushalt zwischen sieben und acht Personen leben, läge der Pro-Kopf-Wasserverbrauch bei rund 90 Litern am Tag.

Laut WHO benötigt jeder Mensch am Tag 50 Liter Wasser, um genug zur Verpflegung und zur Körperhygiene zu haben.


Jeder Mensch braucht Wasser – für Nahrung und für die Körperhygiene. Wie viel Wasser ein Mensch zumindest für die tägliche Grundversorgung haben sollte, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) analysiert (Howard et al. 2003). 50 Liter sauberes Wasser sind demnach gerade genug, damit Menschen täglich ihren Durst stillen, ihre Lebensmittel reinigen, kochen und sich waschen können – ohne dass es hygienisch bedenklich wird. Für eine optimale Wasserversorgung läge die Wassermenge aber deutlich höher: Erst bei rund 100 Litern am Tag besteht kaum noch ein Gesundheitsrisiko.

Rund 120 Liter Wasser nutzen die Deutschen normalerweise pro Kopf jeden Tag.


Wer in Deutschland lebt, liegt also in einem guten Schnitt. Würde in der Bundesrepublik Wasser ähnlich rationalisiert werden wie derzeit in Südafrika, stünde vermutlich rasch die Klospülung still:

Etwas mehr als 30 Liter Wasser verwenden Deutsche durchschnittlich jeden Tag für ihre Toilettenspülung.


Nur einmal duschen liegt noch über dem Wasserverbrauch der Toilette im Alltag. Wer sich in Deutschland unter die Brause stellt, der kann sich in etwa vorstellen, womit die Kapstädter gerade haushalten sollen:

Rund 40 Liter Wasser sind normalerweise schon nach der täglichen Dusche und ein bisschen Händewaschen aufgebraucht.


Wochenlange Hitze, die Tage sind trocken – und dann noch ohne Dusche auskommen? Die Bewohner Kapstadts sind nicht die Ersten, die mit Wasser-Rationierungen zurechtkommen müssen. In der venezolanischen Hauptstadt Caracas beispeielsweise wurde im Jahr 2016 regelmäßig das fließende Wasser abgestellt:

Bis zu 4 Tage in der Woche mussten die Menschen in Caracas über Monate ohne Wasser auskommen.


Damals verloren die großen Stauseen rund um die Hauptstadt durch ausbleibende Niederschläge und hohe Temperaturen an Wasser, sodass die Bewohner teilweise nur noch zwei- bis dreimal in der Woche fließendes Wasser hatten. Seit Jahren befindet sich das südamerikanische Land in einer humanitären Krise. Bis heute kann die venezolanische Bevölkerung zudem nicht ausreichend mit Lebensmitteln versorgt werden.

Auf so eine Situation steuert womöglich auch Kapstadt zu. Bis April könnte sich die Dürre so verschärfen, dass das Wasser ganz abgestellt wird. Nur an bestimmten Verteilungspunkten soll sich jeder Kapstädter dann täglich noch maximal 25 Liter Wasser abholen können.

Mit dem 22-Fachen davon erfrischt sich übrigens täglich im Schnitt jede Person, die in den Vereinigten Arabischen Emiraten lebt:

Rund 550 Liter Wasser verbraucht ein Bewohner der Vereinigten Arabischen Emirate durchschnittlich jeden Tag.


Das zumindest soll aus den Daten der zuständigen Wasser- und Elektrizitätsbehörde des Landes hervorgehen, die ein Geophysiker 2016 zum Weltwassertag zitierte. Die Bewohner des Wüstenstaats gehören damit zu den Spitzenreitern im täglichen Pro-Kopf-Wasserverbrauch weltweit.

*Anm. d. Red.: In einer ersten Version des Textes waren hier nur 40 Liter pro Person am Tag angegeben. Um zu verdeutlichen, dass diese Zahl sich nur auf den Wasserverbrauch zu Hause bezieht, haben wir nachträglich den täglich erlaubten Gesamtverbrauch von 87 Litern pro Person hinzugefügt.