"Heilige Scheiße, meine Nerds… Die #FalconHeavy kann BEIDES sein – eine großartige Errungenschaft UND ein beknackter Schwanzvergleich. Es ist okay, zwei Dinge zu fühlen." Sarcastic Rover – die satirische Stimme des auf dem Mars vereinsamten Rovers Curiosity bringt auf den Punkt, was viele jetzt denken.

Gestern Abend deutscher Zeit ist die Schwerlastrakete Falcon Heavy der Privatfirma SpaceX nun also nach Jahren der Verzögerung ins All gestartet. Der von Raumfahrtingenieuren als extrem riskant eingestufte Testflug  – die Falcon Heavy hätte auch explodieren können – ist gelungen, auch wenn nicht alles zu 100 Prozent funktionierte. Das Wichtigste im Überblick:

  • Der Tesla hat sich im All verfahren:Der rote Sportwagen, der an Bord der Falcon Heavy ins All befördert wurde (hier Bilder des Jungfernflugs), sollte eigentlich auf eine etwas andere Bahn um die Sonne befördert werden, die ihn verhältnismäßig dicht vorbei am Planeten Mars führt. Erst danach hätte er in die dunklen Weiten des Asteroidengürtels abdriften sollen. Millionen Jahre sollte der Roadster durchs Weltall schweben. Offenbar ist er aber jetzt schon nach der dritten Zündung  – nämlich der Raketenstufe, an die er montiert ist – vom geplanten Weg abgekommen und steuert auf geschlängeltem, aber doch direkterem Wege auf den Rand unseres Sonnensystems in Richtung Asteroidengürtel zu.
  • Zwei Antriebsmodule sind wieder gut gelandet: Von den drei mit insgesamt 27 Raketenantrieben bestückten Basisteilen (Cores), aus denen die erste Stufe der Rakete zusammengebaut war, sind zwei Seitenantriebe (Booster oder Side Cores genannt) schon am Dienstag wieder gelandet. Wie vorgesehen setzten sie etwa acht Minuten nach dem Start der Falcon Heavy wieder in Cape Canaveral auf – auf speziell dafür vorgesehenen Landeplattformen. Diese Booster sind Antriebsmodule der Transportraketen vom Typ Falcon 9, die bereits regelmäßig Fracht zur ISS bringen. Sie können zu Teilen wiederverwertet werden, was der eigentliche Clou an der ganzen SpaceX-Idee ist.
  • Die tragfähigste Rakete, die derzeit in Betrieb ist, funktioniert:Falcon Heavy gilt deshalb als so besonders, weil sie um die 60 Tonnen Nutzlast in den Erdorbit transportieren kann. Sie ist damit zwar weder die tragfähigste, noch ist sie von ihren Abmessungen her die größte je gebaute Weltraumrakete. Aber es gibt eben keine andere, die derzeit in Betrieb wäre, mit der man so viel Gewicht ins All schießen könnte.
SpaceX - Falcon Heavy erfolgreich gestartet Die Trägerrakete der Firma SpaceX ist mit einem Tesla an Bord ins All aufgebrochen. Zwei der drei wiederverwertbaren Raketenteile sind wieder auf der Erde gelandet. © Foto: Thom Baur, Reuters
  • Das teuerste Kernstück der Rakete zerschellte im Atlantik:Auf einer schwimmenden Plattform im Atlantischen Ozean hätte eigentlich auch der Mittelteil der ersten Stufe (Center Core) weitgehend heil wieder landen sollen. Das klappte nicht. Drei Motoren sollten das Modul für seine Punktlandung abbremsen, doch nur einer funktionierte. So verfehlte das Raketenstück die Plattform um knapp 100 Meter und knallte mit rund 500 Kilometern pro Stunde aufs Wasser. "Wir haben das Center Core verloren", sagte ein Sprecher im Kontrollzentrum in Cape Canaveral.

Ist der Testflug also trotz dieser Pannen ein Erfolg? Vor allem über den Sinn des Ganzen streiten Raumfahrtfans und Experten weiter. Die einen fragen sich, ob das die Revolution der Raumfahrt sein soll: Ein Start-up-Milliardär müllt den Weltraum mit einem Sportwagen und einer Puppe im Astronautenanzug voll. Dabei landet er den größten PR-Coup – einfach nur, weil er es kann? Und von wegen Recycling. Der wichtigste der drei Raketenantriebe dieser insgesamt ziemlich teuren Rakete ist nicht wieder gelandet – sondern im Eimer!

Die anderen schwärmen von der Glanzleistung. Elon Musk demonstriert, zu was Menschen fähig sind, wenn sie alles auf eine Karte setzen. Wenn sie nicht, wie die US-Weltraumbehörde Nasa zum Beispiel, vor lauter Bedenken, Bürokratie und Hauspolitik Jahrzehnte brauchen für alles, was gewagt ist.