Die Rakete der Privatfirma SpaceX steht schon auf der Abschussrampe in Cape Canaveral. Um 18.32 Uhr Ortszeit am Montag – also bei uns nachts um halb eins – sollte die Falcon-9 vom Weltraumbahnhof in Florida abheben. An Bord: TESS (Transiting Exoplanet Survey Satellite), ein Weltraumteleskop der Nasa. Es soll Planeten aufspüren, Tausende an der Zahl, fern unseres Sonnensystems. Und ja, auch solche, auf denen etwas leben könnte.

Ob der Planetenjäger heil in seiner elliptischen Umlaufbahn um die Erde ankommen wird, entscheidet sich jedoch erst Mitte der Woche. Am Montagabend gab die Nasa bekannt, dass der Start auf Mittwoch verschoben werden musste. Zunächst müssten zusätzliche Tests der Navigationssysteme durchgeführt werden, teilte die US-Raumfahrtbehörde mit. "TESS ist nach wie vor in bestem Zustand und steht bereit für einen jetzt für Mittwoch, den 18. April, geplanten Start", twitterte die Nasa.

Exoplaneten gibt es zu Tausenden

Aliens suchen? Ist das nicht ein bisschen irre? Nein, denn schon heute weiß man: Es gibt nicht nur unser Sonnensystem, in dem die alten bekannten Merkur, Venus, unsere Erde natürlich, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und der zum Zwergplaneten degradierte Pluto kreisen. Es gibt auch Sonnensysteme ganz weit weg. Und um deren Zentralgestirne ziehen ebenfalls Planeten ihre Bahnen. Mehr als 3.000 solcher Exoplaneten wurden seit den 1990er Jahren schon aufgespürt.

Einige davon gelten, was die Suche nach außerirdischem Leben angeht, als besonders spannend. Denn eines Tages entpuppt sich einer davon vielleicht als derart lebensfreundlich, dass dort Mikroben, Pflanzen oder sogar etwas anderes Spannendes leben könnte. Nicht zu warm, nicht zu kalt, mit Sauerstoff am besten und Wasser vielleicht, möglichst mit einer Atmosphäre, die nicht zu giftig ist – so ähnlich stellen sich Forscherinnen und Forscher so einen Lebensraum bestenfalls vor. Aber auch Exoplaneten aus festem Gestein statt aus heißem Gas sind schon vergleichsweise interessante Kandidaten.

Allein das Weltraumteleskop Kepler sammelte in seiner Amtszeit im All Daten von mehr als 2.500 Kandidaten für Exoplaneten, von denen viele noch genau überprüft werden. TESS wird nun – wenn alles klappt – noch einen viel größeren Abschnitt des Himmels absuchen.

Das neue Auge am Himmel konzentriert sich dabei auf rund 200.000 sehr helle Sterne, Astronominnen und Astronomen rechnen damit, dass die TESS-Mission um die 20.000 bisher unbekannte Planeten entdecken wird, darunter Hunderte von Welten, die ähnlich groß sein dürften wie unsere Erde. Unter diesen, so die Hoffnung, könnte zumindest eine Handvoll in der lebensfreundlichen Zone ihres Zentralsterns seine Bahn ziehen. Und das hieße: Leben, wie wir es kennen – und sei es auch noch so klein – wäre dort zumindest denkbar.

Kosmisch gesehen ein Blick zu den Nachbarn

"Kepler hat eine faszinierende Vielfalt von Exoplaneten entdeckt, aber nur 0,25 Prozent des Himmels nach Planeten abgesucht", sagte Lisa Kaltenegger vom Wissenschaftsteam der TESS- Mission. "Die meisten davon sind weit weg, tausend Lichtjahre von uns entfernt, und zu lichtschwach, um etwas über ihre Atmosphären zu erfahren." Darum sei dieses neue Teleskop so wichtig. "Die Mission sucht 85 Prozent des Himmels nach Exoplaneten ab, und zwar in unserer kosmischen Nachbarschaft."

Der neue Späher im All schaut in Entfernungen von bis zu 300 Lichtjahren. Damit lägen die von ihm entdeckten Planeten in Reichweite der nächsten Generation von Großteleskopen. "Wir bekommen dann genug Licht von ihnen, um nach Spuren von Leben Ausschau zu halten", sagte Kaltenegger.

Wie schon das Vorgängermodell Kepler, dem bald die Energie ausgehen wird, nutzt TESS die Transitmethode (siehe Kasten), um planetarische Begleiter von Sternen aufzuspüren. Die Umlaufbahnen mancher Planeten liegen gerade so, dass sie von der Erde aus gesehen regelmäßig einmal pro Umlauf vor ihrem Stern vorüberziehen. Dabei schwächen sie das Licht ihres Sterns geringfügig ab. Treten also solche kleinen Abschwächungen regelmäßig auf, so sind sie ein Indiz für die Existenz eines Planeten. Aus der Stärke der Abschwächung lässt sich sogar die Größe eines solchen Planeten ableiten.

Drei Stunden brauchen die Daten bis zur Erde

TESS ist mit vier elektronischen Weitwinkelkameras ausgestattet, die für jeweils 27 Tage insgesamt 26 separate Regionen des Himmels abscannen. Dabei messen die Instrumente die Helligkeiten der 200.000 hellsten Sterne am Himmel einmal pro Minute. Die immensen Datenmengen werden zunächst im Speicher des Satelliten gesammelt und nur alle 13,7 Tage zur Erde gefunkt. Dann nämlich "steht der Satellit der Erde viel näher und kann dadurch die ganzen Daten zur Erde schicken", erklärt Kaltenegger. Allein die Datenübertragung dauert jeweils etwa drei Stunden.