dna „Es roch einfach richtig“

James Watson, Mitentdecker der Doppelhelix und Nobelpreisträger

Watson: … etwa seit vier Monaten.

Zeit: Trotz all der Feiern arbeiten Sie immer noch am Cold Spring Harbour Laboratory. Was tun sie gegenwärtig.

Watson: Ich stehe nicht mehr selbst im Labor, aber ich beschaffe Geld für die Forschung.

Zeit: Was sind gegenwärtig die wichtigsten Projekte in Cold Spring Harbour?

Watson: Wir wollen unser Wissen über die DNA, über das Genom, in Konzepte zu Behandlung von Krebs umsetzen.

Zeit: Können Sie sich überhaupt ein Leben außerhalb der Wissenschaft vorstellen?

Watson: … doch, doch, ich spiele leidenschaftlich Tennis.

Zeit: Dazu holen Sie sich oft starke Partner auf den Court, sogar Profispieler, die Sie bezahlen. Suchen Sie immer noch nach Herausforderungen?

Watson: Nun ja, wenn Sie gewinnen, gewinnen Sie.

Zeit: Wann weiß man in der Forschung, dass man gewonnen hat? Wie genau erinnern Sie sich noch an den Moment, in dem das Molekülpuzzle der Doppelhelix vollendet war?

Watson: Es war so einfach. Francis Crick würde sagen: Es roch einfach richtig. Unser Modell war zu gut, um nicht wahr zu sein.

Zeit: Was wäre passiert, wenn Sie und Crick gescheitert wären?

Watson: Ganz einfach. Jemand anderes hätte die Struktur gefunden – in weniger als zwei Jahren.

Zeit: Die DNA ist heute nicht nur ein Teil der Wissenschaft, sondern ein kulturelles Phänomen. Jeder – fast jeder – redet heute über DNA . Konnten Sie diese Entwicklung, die Dimension Ihrer Entdeckung vorhersehen?

Watson: Wir sahen, wie die genetische Information in ein Molekül passte und wie sie kopiert werden konnte. Wir erklärten das Leben in der Sprache der Chemie. Genau das wollten wir. Denn wenn das Leben Chemie ist, können wir es verstehen. Wenn es mehr als Chemie wäre, würden wir es nicht verstehen. Wenn Gott das Leben geschaffen hätte, würden wir es nie verstehen.

Zeit: Was ist das größte ungelöste Problem in der Wissenschaft?

Watson: Die Frage, wie unser Gehirn arbeitet. Das Betriebssystem unseres Denkens.

Zeit: Wird das Problem jemals lösbar sein? Werden wir verstehen, was Bewusstsein ist?

Watson: Wir werden verstehen, wie wir eine Telefonnummer aufschreiben. Bewusstsein? Keine Ahnung, was das ist. Aber mit Telefonnummern kenne ich mich aus.

Zeit: Was würden Sie tun, wenn Sie heute noch einmal als junger Forscher beginnen müssten?

Watson: Ich würde die Verbindung zwischen Genen und Verhalten untersuchen.

Zeit: Das Humangenom ist beendet. Fast täglich werden neue Genome anderer Lebewesen veröffentlicht. Ist bald das Ende der Genetik gekommen?

Watson: Nein. Es wird noch mindestens 25 Jahre dauern, bis wir auch nur eine Bakterienzelle vollständig verstehen. Heute haben wir alle Gene verschiedener Bakterien. Von einigen kennen wir ihre Funktion. Wir werden das Leben auf der Ebene von Bakterien verstehen lernen. Das menschliche Leben zu verstehen, ist eine sehr viel größere Herausforderung.

Zeit: Was raten Sie heute einem jungen Forscher?

Watson: Arbeite an einem wichtigen Problem, an dem niemand anders arbeitet.

Zeit: Und von denen gibt es noch genug?

Watson: Ja. Man muss die jungen Leute nicht bemitleiden, weil schon alles wichtigen Fragen beantwortet sind. Im Gegenteil. Es gibt noch genug Fragen. Und sie haben jetzt mit dem Humangenom eine sehr effizientes Werkzeug, um wichtige Antworten zu finden. Früher haben wir, um den Menschen verstehen zu lernen, unnützes Werkzeug wie die Psychoanalyse verwendet. Das sollten wir einfach vergessen.

Zeit: Was macht einen guten Wissenschaftler aus?

Watson: Die Leidenschaft eines Forschers muss seine Neugierde sein.

Zeit: Sie haben einmal gesagt, wenn Du der Klügste in einem Raum bist, hast Du ein Problem.

Watson: Ja. Weil man dann nichts mehr lernen kann. Aber als ich damals nach Cambridge kam, waren viele, die dort gearbeitet haben, klüger als ich. Ich hatte einfach nur das bessere Ziel vor Augen: Die Struktur der Erbinformation aufzuklären.

zeit: Herr Watson, vielen Dank für das Gespräch!

 
  • Quelle © DIE ZEIT 22/2003
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