Biotechnologie: Das grünt ja immer grüner!
Vom Genmais bis zur Superkartoffel, von Risiko für den Menschen bis zur Gefahr für Honigbienen: Wir beantworten wichtige Fragen zur grünen Gentechnik

Die grüne Gentechnik ist Gegenstand heftiger politischer Debatten - und sie wird kaum aufzuhalten sein. Für den Verbraucher wird es derweil immer schwerer, den Durchblick zu behalten. Wir beantworten hier einige wichtige Fragen zu einem Thema, das uns allen auf dem Teller liegt.
Ist die grüne Gentechnik für Menschen gefährlich? »
Nach derzeitigem Kenntnisstand gibt es für den Menschen keine unmittelbaren Gefahren durch die grüne Gentechnik - sprich: Wer neben einem Feld wohnt, auf dem genetisch manipulierte Pflanzen wachsen, wird nicht krank. Ebenso wenig ist es gefährlich, Fleisch von Tieren zu essen, die mit gentechnisch veränderten Pflanzen gefüttert wurden. Das Muskelgewebe enthält kein Erbgut von den verzehrten Pflanzen. Bislang ist auch keine schädliche Wirkung durch den Verzehr von "Genfood", zum Beispiel von Tofu aus genetisch verändertem Soja, bekannt. Über die langfristigen Gefahren weiß man allerdings noch recht wenig, so dass Folgen auch für die menschliche Gesundheit nicht völlig auszuschließen sind. Schließen »
Welches Risiko stellt die Grüne Gentechnik für die Ökosysteme der Umgebung dar?
Schwer zu sagen. Es hat zahlreiche Untersuchungen gegeben, um zu gucken, ob genetisch veränderte Pflanzen brav auf dem eigenen Feld bleiben, oder ob sie auskreuzen. So heißt das, wenn sich die GV-Pflanze vom Acker macht und sich unters Naturkraut mischt, auf das sie dann ganz sicher Einfluss nimmt indem sie langfristig zum Beispiel wilde Pflanzenarten verdrängt. Langfristig ist allerdings das Stichwort. Bisher kam es nur in Einzelfällen zu Auskreuzungen. Wie das alles in 20 Jahren aussieht, kann aber niemand wirklich sagen. Schließen »
Was heißt eigentlich "GMO" oder "GVO"? »
GMO steht für genetically modified organisms, zu deutsch: genetisch veränderte Organismen (GVO). Damit sind alle Lebewesen gemeint, die mithilfe eines gentechnischen Eingriffs verändert wurden, in deren Erbsubstanz man also ein Stück Erbgut - ein Gen - eingebaut, entfernt oder vervielfältigt hat. Die Veränderung ist meistens eine, die von Mutter Natur kaum vorgesehen war, zumal eingefügte Gene nicht unbedingt aus einem verwandten Organismus stammen müssen. Schließen »
Welche genetisch veränderten Pflanzen werden derzeit in Deutschland angebaut? »
In der kommerziellen EU-Landwirtschaft ist derzeit ausschließlich der Anbau von schädlingsresistentem GV-Mais erlaubt, fünf der zugelassenen 17 Sorten dürfen auch in Deutschland gepflanzt werden. Zur Debatte steht allerdings ein zweiter Kandidat, eine von BASF entwickelte, genetisch veränderte Kartoffel. Die Minister der EU-Staaten konnten sich bisher nicht einig werden, die zuständige EU-Behörde will die Kartoffel aber auf den Äckern sehen und darf, wenn weiterhin Uneinigkeit herrscht, die Zulassung auch ohne Minister erteilen. BASF rechnet jedenfalls damit, dass das Startzeichen für den Anbau noch 2008 erfolgt. Für die Zukunft sind dann noch einige andere GV-Pflanzen auf der Liste, allen voran Mais und Weizen. Schließen »
Während der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen in der EU noch recht begrenzt stattfindet, steht die Einfuhr von Rohstoffen für nicht essbare Produkte, für Tierfutter und auch für Lebensmittel auf einem ganz anderen Blatt. Es gibt eine ganze Reihe von GVO, die als Rohstoff zugelassen sind - neben Mais sind das vor allem bestimmte Sorten von Baumwolle, Raps und Soja. Weltweit werden diese Pflanzen bereits im großen Stil angebaut, in den USA und weiten Teilen Südamerikas haben sie den konventionellen Anbau schon verdrängt. Bei uns verwendet man sie sehr ausgiebig für die Fütterung von konventionellem Schlacht- oder Milchvieh, oder man verarbeitet sie als Speiseöl, als Sirup oder Emulgator in unseren Lebensmitteln. Schließen »
Was genau ist überhaupt "Genmais"? »
Die genetischen Manipulationen von Mais sind wegen der immensen Bedeutung der gelben Könrchen für die Weltindustrie inzwischen sehr vielfältig. In der laufenden Debatte ist aber meist der berühmte Mon-810 gemeint, ein transgenes Produkt des weltweit führenden US-Saatgutproduzenten Monsanto. Es gibt verschiedene Sorten, alle enthalten das Gen für ein bekanntes bakterielles Gift, das Bt-Toxin. Mit Botox hat das allerdings nichts zu tun, vielmehr stammt das Giftgen aus der recht verbreiteten Bodenmikrobe Bacillus thuringiensis. Für Menschen und die meisten Tiere ist das Bt-Toxin harmlos, nicht aber für des Maisbauern größten Feind: Den Maiszünsler. Die Raupen des winzigen Schmetterlings sind sehr gefräßig und fühlen sich auf deutschen Ackern pudelwohl. Im Jahr 2005 war fast ein Viertel der hiesigen Maisanbauflächen mit den Schädlingen befallen, jährlich ringen sie den Bauern bis zu 15 Prozent ihrer Ernte ab. Knabbern die Raupen allerdings an Bt-Mais, krepieren sie. (Genmais ist übrigens eine recht irreführende Bezeichnung, denn "Gene" stecken in jedem Lebewesen, also ist auch ganz normaler Mais streng genommen Genmais.) Schließen »
Und was steckt hinter der "Genkartoffel"? »
In der europäischen Diskussion geht es um Amflora, so heißt eine von BASF Plant Sciences entwickelte Kartoffel. Sie ist zweifach manipuliert: Zum einen enthält Amflora im Gegensatz zur normalen Kartoffel nur noch eine Art von Stärke, das so genannte Amylopektin. Das Gen für die Herstellung der zweiten Stärkesorte, die Amylose, wurde durch Antisense-Technik ausgeschaltet. Damit soll Amflora eine ideale Industriekartoffel sein, denn Amylose ist in der technischen Verarbeitung von Stärke unerwünscht und lässt sich aus dem natürlichen Gemisch mit Amylopektin nur schlecht und unter erheblichem Aufwand entfernen. So weit, so unproblematisch. Für die Entwicklung von Amflora war allerdings noch ein weiterer Eingriff nötig: Die Kartoffel ist mit einer genetischen Resistenz gegen das Antibiotikum Kanamycin ausgestattet. Kanamycin ist in der Humanmedizin nicht sehr verbreitet, für den Viehdoktor aber gilt es als wichtiges Reserveantibiotikum, das in schwer zu behandelnden Fällen zum Einsatz kommt. Sollte Amflora verfüttert werden, könnte das Resistenzgen von der Kartoffel theoretisch auch auf die Tiere und von dort auf krankmachende Bakterien übergehen. Schließen »
Was ist mit den Bienen und dem Honig? »
Die Imker haben es wirklich schwer, denn sie können ihre Bienenvölker schlecht daran hindern, eine blühende genveränderte Maispflanze anzusteuern. Das schadet nach aktuellem Kenntnisstand zwar den Bienen nicht. Aber der Pollen, den die Insekten mit dem Blütennektar einsammeln, ist genauso verändert wie die Pflanze und landet später auch im süßen Endprodukt, dem Honig. Wie oft Bienen nun tatsächlich auf Mais fliegen, ist fraglich. Eine Untersuchung vor 3 Jahren hat aber gezeigt, dass in der nähe von Bt-Maisfeldern jede zweite Biene manipulierte "Höselpollen" (so heißt der Pollen, der an den Beinen klebt) mit sich herumschleppte. Wie soll das erst werden, wenn eines Tages der manipulierte Raps kommt? Zum Glück, und darauf berufen sich die Verfechter der grünen Gentechnik, enthält Honig selten mehr als 0,9 Prozent Pollen, und damit darf sich selbst der verunreinigte Honig noch gentechnikfrei nennen. Auch wenn er es nicht mehr ist. Schließen »
Welche GVO werden denn als nächstes kommerziell angebaut? »
Noch weigert sich unser Landwirtschaftsminister, auch nur die auf EU-Ebene bald zugelassene BASF-Kartoffel zu erlauben. Fraglich ist allerdings, ob diese Haltung von Dauer sein kann. Die Liste etablierter GVO wird länger, sie setzen sich auf dem Weltmarkt durch und das übt Druck aus. Zum Mais könnten sich deshalb doch bald die Superkartoffel und vor allem manipulierter Raps gesellen. Außerdem wird der Anbau von genetisch verändertem Weizen untersucht und angestrebt. Die Zahl der Freisetzungsversuche in der Forschung lässt indes erahnen, dass es auf lange Sicht noch viele andere Kandidaten für den kommerziellen Anbau geben könnte. Schließen »
Sind alle genetisch veränderten Pflanzen gleich riskant für die Umwelt? »
Nein, und dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen die Art der genetischen Manipulation. Manche GVO werden mit zusätzlichen Genen versehen, die ein geringes schädliches Potenzial haben. Ein gutes Beispiel ist der Golden Rice, der drei zusätzliche Erbinformationen enthält, mit deren Hilfe der Reis die Vorstufe von Vitamin A bilden kann. Diese Gene stellen kaum eine unmittelbare Gefahr dar. Pestizidresistenzen, oder aber der Einbau bakterieller Giftgene, wie beim Bt-Mais, sind da schon andere Kaliber. Sie greifen in jedem Fall ins ökologische System ein, fördern den Einsatz bestimmter Pestizide, und gefährden unschädliche oder sogar nützliche Insekten, die eigentlich gar nicht beseitigt werden sollen. Antibiotikaresistenzen wie jene in der Kartoffel Amflora bergen zudem auch Risiken für die Gesundheit von Mensch und Tier, weil sie entwischen und Krankheitserreger immun gegen wichtige Medikamente machen können.
Zum anderen spielt aber auch die Art der Pflanze eine wichtige Rolle. Nicht alles Kraut ist auf die gleiche Weise wanderfreudig. Kartoffeln zum Besipiel breiten sich nicht so flugs in der Umwelt aus, wie Raps. Schließen »
Gibt es auch positive Beispiele für genetisch veränderte Organismen? »
Der eben beschriebene Golden Rice ist sicherlich ein eher positives Beispiel, weil er kaum Risiken birgt, in der dritten Welt aber viel Gutes bewirken könnte. Die Idee ist, den Reis kostenlos an Kleinbauern zu verteilen, um die Versorgung mit Vitamin A in der hauptsächlich von Reis lebenden Bevölkerung zu sichern. Normaler Reis enthält kein Provitamin A, 250 Millionen Menschen leiden deshalb unter Mangelerscheinungen, die bis zur Erblindung oder sogar zum Tod führen können. Die meisten "guten" GVO findet man allerdings auf dem Gebiet der weißen Gentechnik - also unter genetisch manipulierten Mikroorganismen. Sie haben die industrielle Herstellung lebensrettender Medikamente und Hormone ermöglicht, sie liefern viele nützliche Stoffe und Enzyme für die Lebensmittelindustrie - und sind dabei ziemlich sicher, weil sie ihr Werk in geschlossenen Systemen vollbringen, aus welchen nur das Produkt nach draußen darf. Schließen »
Was ist an unseren Lebensmitteln denn überhaupt schon grüne Gentechnik, und wie erkenne ich sowas? »
Nun ja, so ziemlich alles, was man aus Raps, Mais und Soja machen kann. Und das ist einiges. Schauen Sie mal auf die Zitatenliste ihrer Lebensmittel: Maisstärkesirup, Pflanzenöl, Glucose-Fructose-Sirup oder Lecithin, zum Beispiel - häufig stammen diese Produkte aus genetisch manipulierten Pflanzen und sind kennzeichnungspflichtig. Die Kennzeichnung allerdings ist kein auffälliges Etikett. Es reicht aus, die Zutat in der klein gedruckten Liste der Inhaltsstoffe mit einem Sternchen zu versehen und am Rand zu erklären, dass es sich um Stoffe aus genetisch veränderten Pflanzen handelt. Transparenz für gute Augen, sozusagen. Schließen »







Ihre Lieben, gerade letztes Dezember wurde auch erstmals gentechnisch veränderter Reis hergestellt, der einen 100-fach höheren Gehalt an Folaten besitzt. Folatmangel ist die weltweit häufigste Hypovitaminose, die insbesondere in der frühkindlichen Entwicklung zu mannigfaltigen und teilweise schwerwiegenden gesundheitlichen Schäden führen kann. Ein kurzer Schwenk via "Google" wird dies dem interessierten Leser eröffnen. An weiteren "positiven GVOs" arbeiten wir, leider dauert Forschung immer etwas länger.....
Sehr gerne würde ich genetisch „manipulierte“ Lebensmittel essen, ich kriege bloß nirgends welche, nicht mal gegen Aufpreis. Kann mir jemand einen Tipp geben?
KARMI carries ON
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Achtung. Hund namens Howdy entlaufen.
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