Der Bankierssohn Max von Oppenheim fand seine Berufung nicht im Kölner Familienunternehmen, sondern im Orient. 1899 entdeckte er bei einer Grabung im damaligen Mesopotamien, dem Land zwischen Euphrat und Tigris, den aramäischen Fürstenpalast von Tell Halaf und spürte so in dem Gebiet des heutigen Syriens einzigartige Artefakte einer beinahe vergessenen Kultur auf.

Regisseur Maurice Philip Remy (Holocaust, Mogadischu) hat sich dem außergewöhnlichen Leben des Max von Oppenheim angenommen. Seine 45-minütige Dokumentation läuft diese Woche in der ARD.

Die aufregende Reise in die Vergangenheit beginnt 1883 als Max Freiherr von Oppenheim zum ersten Mal den Orient bereist. Vom Abendland fasziniert, lehnt er es nach seiner Rückkehr ab, die Bank seines Vaters zu übernehmen, und begibt sich zunächst erneut auf Reisen, um dann ab 1892 für ein halbes Jahr in Kairo zu leben.

Schnell findet von Oppenheim Gefallen an den Sitten der Araber und nimmt sich nach arabischem Brauch eine Frau auf Zeit – nach eigenen Beschreibungen eine 15 Jahre alte "Araberin mit abessinischem Einschlag". Aus heutiger Sicht also eine illegale Beziehung, ein Aspekt, auf den die Dokumentation allerdings nicht weiter eingeht.

In kürzester Zeit ist er vertraut mit Land und Leuten und bricht 1893 zu seiner ersten Entdeckungsreise auf. 2000 Kilometer weit reist er dafür ins Innere Syriens und durch Mesopotamien. Mehr als die Hälfte des Weges hat noch kein Europäer vor ihm bereist. Starke Originalaufnahmen in der Dokumentation, ob Bild oder Ton, transportieren den Staub der Wüste und die Begeisterung von Oppenheims gleichermaßen.

Von nun an ist der Baron deutscher Experte für den Orient. Doch der Höhepunkt seines Lebens sollte noch kommen.