Der Platz des Himmlischen Friedens ist von Fahnen rot gefärbt. Die Menschenmassen drängen auf den Platz. Jubel hallt durch Peking . "China ist wieder auferstanden." Mit diesen Worten ruft Mao Tse-tung am 1. Oktober 1949 die Volksrepublik China aus.

Der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) ist der Held der Massen. Mao, der den Bürgerkrieg gewonnen und die Revolution zum Erfolg geführt hat. Damals verkörperte er die Hoffnung der Chinesen auf einen Neuanfang.

Wir haben eine Revolution herbeigesehnt
Zhang Sizhi, Anwalt

Auch 2009, wenn China den 60. Jahrestag der Volksrepublik feiert, ist Mao allgegenwärtig. Wenn die Panzer bei der Geburtstagsparade durch die Hauptstadt rollen, die Soldaten marschieren, wird die Welt auf Mao schauen. Sein überdimensionales Bild hängt noch immer am Tor des Himmlischen Friedens.

Obwohl Millionen Menschen unter seinem Regime verhungerten, gefoltert oder umgebracht wurden: Von vielen Chinesen wird der Diktator noch heute als genialer Feldherr und Staatsgründer verehrt.

Während der Geburtsstunde der Volksrepublik ist auch Zhang Sizhi unter den jubelnden Menschen. "Wir waren so unzufrieden und empört, ja wütend über die Verhältnisse im alten China, dass wir die Revolution herbeigesehnt haben. Wir glaubten damals an eine bessere Gesellschaft unter der Führung der Kommunistischen Partei, wir glaubten an Mao", erinnert sich der heute 82-Jährige, der als erster Rechtsanwalt im neuen China zugelassen wurde. Zhang, Revolutionsveteran und Mitglied der KPCh. Und zunächst scheinen sich die Hoffnungen zu erfüllen. Es herrscht Aufbruchstimmung. Die KPCh enteignet Großgrundbesitzer, verteilt das Land und ordnet ab 1954 eine schrittweise Zerschlagung der haushaltsbezogenen Wirtschaft an.

Vorbild ist die Sowjetunion . Größere Wirtschaftseinheiten entstehen, die kollektiv bewirtschaftet werden. Auch in den Städten setzt die KPCh die fast vollständige Verstaatlichung der Industrie durch. Die Industrieproduktion wächst rasant.

Doch Maos Größenwahn lenkt das Land schon bald in eine Katastrophe. Mit dem "Großen Sprung nach vorn” will er 1958 ein schnelleres Wirtschaftswachstum erzwingen, um der Sowjetunion den Führungsanspruch im sozialistischen Lager streitig zu machen.