Marek Edelman Der letzte Anführer des Aufstandes im Warschauer Ghetto ist tot
Er kämpfte gegen die Nazis, den Kommunismus und für Minderheiten. Am Freitag verstarb Marek Edelman in Warschau.
© epa/ pap/ Gzell

Der letzte Ghetto-Kämpfer Marek Edelman verstarb am gestrigen Freitag in Warschau.
Er war Kriegsheld, Arzt, Regimekritiker und Parlamentarier. "Niemals passiv sein, immer die Schwächeren in Schutz nehmen." Das riet Marek Edelman deutschen Jugendlichen, als er 2002 als Ehrengast am Holocaust-Gedenktag im Berliner Bundestag teilnahm.
Der Anführer des Aufstandes im Warschauer Ghetto gegen die deutsche Besatzungsmacht von 1943 war diesem Prinzip während seines ereignisreichen Lebens treu geblieben. Am gestrigen Freitagabend verstarb er im Familienkreis in seinem Haus in Warschau.
Sein Geburtsdatum ist umstritten, angenommen wird, dass er 1922 in Gomel (heute Weißrussland) geboren wurde, andere Quellen verweisen auf das Jahr 1919. Ende der zwanziger Jahre zog er mit seiner Familie nach Warschau. Zwischen den Weltkriegen war er im Bund einer jüdisch sozialistischen Organisation tätig. Nach der deutschen Besetzung Polens wurde er von den Nationalsozialisten mit seiner Familie ins Ghetto verschleppt. Dort trat er in den Jüdischen Kampfverband ZOB ein.
Er und mehrere hundert seiner Kameraden waren fest entschlossen, den Deutschen Widerstand zu leisten. "Die Menschheit hat vereinbart, dass das Sterben mit Waffen schöner ist als ohne Waffen. Wir haben uns diesem Prinzip untergeordnet", sagte er in einem Interview. Als einer der Kommandeure leitete er Kampfgruppen, die am 19. April 1943 den verzweifelten Kampf gegen die SS-Truppen aufnahmen. Er habe an dem Tag einen roten Angora-Pullover und zwei Revolver getragen, erzählte er später. Nach dreiwöchigen Kämpfen gelang Edelman die Flucht durch die Kanalisation auf die "arische" Seite der Stadt, wo er untertauchte.
Ein Jahr später kämpfte er wieder gegen die Deutschen, diesmal im Warschauer Aufstand von 1944. In einem Versteck bei Warschau erlebte er den Einmarsch der Roten Armee im Januar 1945. Über die Befreiung konnte er sich aber nicht freuen. Er sei traurig gewesen, weil es keine jüdische Nation mehr gab.
Nach dem Kriegsende studierte Edelman in Lodz Medizin und wurde Kardiologe. Er war berühmt, weil seine Klinik als erste in Polen Herztransplantationen durchführte. Gleichzeitig engagierte er sich seit den siebziger Jahren in der demokratischen Opposition und war 1980 einer der Mitbegründer der Gewerkschaft "Solidarnosc". 1981 internierten ihn die Kommunisten, doch nach Protesten aus dem Westen wurde er freigelassen.
Nach der Wende von 1989 unterstützte Edelman Aids-Kranke, nahm polnische Roma vor Übergriffen in Schutz, kämpfte gegen die Auschwitz-Lüge und setzte sich für Kosovo-Flüchtlinge ein. Die Deutschen betrachtete er mit kritischer Aufmerksamkeit. Es gehe nicht darum, dass sie um Vergebung bitten. Sie sollten aber ihren Platz in der Weltgeschichte kennen, sagte er in einem Zeitungsinterview.
Polens Ministerpräsident Donald Tusk sagte in einer ersten Reaktion, er habe Edelman bewundert. "Seine Autorität edelte die Demokratie im freien Polen", hieß es in einer Mitteilung des Regierungschefs. Edelman sei ein Jude und ein großer polnischer Patriot gewesen, meinte der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Polen, Piotr Kadlcik.
In zahlreichen Publikationen schilderte Edelman seine dramatischen Kriegserlebnisse. Auch als Zeitzeuge vermittelte er bis zu seinem Tod den jüngeren Generationen Wissen über die schrecklichen Kriegsereignisse. "Es gab Liebe im Ghetto", heißt sein letztes, in diesem Jahr erschienenes Buch.
- Datum 03.10.2009 - 16:02 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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