Zeppeline Die Ära der schwebenden Stoffwürste

Als Passagiere noch in mahagonigetäfelten Gondeln unter gasgefüllten Zigarren saßen: Vor 100 Jahren wurde in Deutschland die erste Fluggesellschaft der Welt gegründet.

Das erfolgreichste Luftschiff aller Zeiten, 236 Meter lang, zehn Kabinen für 24 Gäste: Die "Graf Zeppelin" erreicht im Juni 1932 die englische Stadt Middlesex

Das erfolgreichste Luftschiff aller Zeiten, 236 Meter lang, zehn Kabinen für 24 Gäste: Die "Graf Zeppelin" erreicht im Juni 1932 die englische Stadt Middlesex

Die Geschichte der Passagierluftfahrt beginnt mit einem Crash. Am 28. Juni 1910 fährt der Zeppelin LZ 7Deutschland aus Düsseldorf ab. Er soll von nun an regelmäßig Gäste via Frankfurt nach Baden-Baden und zurück befördern. Unter den 23 Passagieren sind etliche Journalisten, die über die erste kommerzielle Zeppelin-Fahrt – nicht Flug, darauf besteht der Luftschiffer ebenso wie der Ballonfahrer – berichten sollen.

Die Flug-, Pardon Fahrgäste reisen bequem: Die Mahagonitäfelung der Passagierkabine ist mit Perlmutt eingelegt, Teppiche liegen in der Gondel unter der 127 Meter langen Zigarre aus Stoff und gasdichtem Rinderblinddarm. Doch einer der Daimler-Motoren stottert, ein Unwetter zieht auf. LZ 7 stürzt bei Iburg, heute Bad Iburg, in den Teutoburger Wald. Niemand wird ernsthaft verletzt, aber das Luftschiff ist nicht zu retten.

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Der deutsche Luftschiff-Pionier Graf Ferdinand von Zeppelin (1838 - 1917)

Der deutsche Luftschiff-Pionier Graf Ferdinand von Zeppelin (1838 - 1917)

Nur wenige Monate zuvor wurde die Deutsche Luftschifffahrts-Aktiengesellschaft, kurz Delag, am 16. November 1909 in Frankfurt am Main gegründet. Ihr Ziel: Sie will allen Ernstes Menschen dazu bringen, für Fahrten in Zeppelinen zu bezahlen. Dabei haben die wasserstoffgefüllten Luftschiffe mit Aluminiumgerippe eine desaströse Unfallbilanz: Ferdinand Graf von Zeppelins erstes Modell, LZ 1, beendet seine erste und einzige Fahrt im Juli 1900 mit einer Notwasserung. LZ 2 wird bei der ersten Fahrt 1906 von einem Sturm zerstört. Immerhin, LZ 3 kann der Graf an das Militär verkaufen. LZ 4 stürzt 1908 bei einer Demonstrationsfahrt in einen Obstbaum und verbrennt. LZ 5 wird im April 1910 an einen Felsen gedrückt – Totalschaden.

Dass Graf von Zeppelin überhaupt noch Luftschiffe bauen kann, verdankt er technikbegeisterten Deutschen, die ihn nach der Havarie der LZ 4 mit Spenden überschwemmen. Und er verdankt es Alfred Colsman, Generaldirektor der Luftschiffbau Zeppelin GmbH. Colsman treibt immer neues Geld auf, sein Unternehmergeist ist unerschöpflich.

Colsman gründet neben anderen Konzerntöchtern die Delag – die erste Fluggesellschaft der Welt – oder doch Fahrtgesellschaft? Er kauft vom Militär die LZ 6 zurück und schafft bis 1914 weitere sechs Luftschiffe an. Mehrere deutsche Großstädte sind an der Delag beteiligt. Das Kapital reicht, um den nächsten Rückschlag zu verkraften: Kapitän Hugo Eckener kracht mit LZ 8, Deutschland getauft wie LZ 7, sechs Wochen nach der Jungfernfahrt ins Dach des Hangars.

Dann hebt die Delag endlich ab: Luftschiffe wie die Schwaben, die Viktoria Luise und die Hansa absolvieren bis zum Ersten Weltkrieg fast 1500 Fahrten – meist als Rundfahrt über einer Stadt, aber auch zwischen Düsseldorf, Baden-Oos, Berlin-Johannisthal, Gotha, Frankfurt, Hamburg, Dresden und Leipzig. Unterwegs wird edel gespeist, das Personal reicht passende Weine.

Das Luftschiff "Hindenburg" über dem New York der dreißiger Jahre. Auf der Heckflosse das Hackenkreuz

Das Luftschiff "Hindenburg" über dem New York der dreißiger Jahre. Auf der Heckflosse das Hackenkreuz

Ein geregelter Linienverkehr kommt zwar noch nicht zustande, aber bis zum Krieg befördert die Delag knapp 11.000 zahlende Passagiere. Adel und Wirtschaftskapitäne, Offiziere und hohe Beamte reisen oft auf Einladung – Werbung für Zeppelin. Die Luftfahrt ist sicher: Von den insgesamt 34.000 Fahrgästen wird kein einziger verletzt.

Bei Ausbruch des Krieges müssen Delag-Zeppeline an die Front. Nach dem Friedensschluss von Versailles baut Zeppelin zunächst Luftschiffe, die als Reparationszahlungen an die Siegermächte gehen. 1919 kann die Delag endlich mit der LZ 120 Bodensee in den Linienverkehr einsteigen. Sie braucht nur vier bis neun Stunden von Friedrichshafen nach Berlin-Staaken – statt wie die Bahn 18 bis 24. Sie trägt bis zu 26 Passagiere, hat Waschräume und eine kleine Küche an Bord. Doch nach 103 Flügen ist Schluss: Die Bodensee und die eben erst fertiggestellte LZ 121 Nordstern 1921 gehen als Reparation an Italien und Frankreich.

Erst 1928 nimmt die Delag wieder ein Luftschiff in Dienst. Es wird ihr Star: LZ 127 Graf Zeppelin, das erfolgreichste Luftschiff aller Zeiten, 236 Meter lang, zehn Kabinen für 24 Gäste. Auf 590 Fahrten transportiert sie in neun Jahren mehr als 34.000 Passagiere. Sie absolviert die erste kommerzielle Atlantiküberquerung in der Luft und die ersten regelmäßigen Transatlantikfahrten, auf der Strecke Deutschland-Südamerika. Als erstes Luftschiff transportiert sie unter ihrem Kapitän Hugo Eckener zahlende Gäste um die ganze Welt und Wissenschaftler sogar zum Nordpol.

Kaum kommen in Deutschland die Nationalsozialisten an die Macht, drücken sie der Graf Zeppelin das Hakenkreuz auf die Heckflosse. Auf Anweisung von Joseph Goebbels kreist sie am 1. Mai 1933 zur Maifeier über Berlin und taucht im September in Nürnberg am Himmel über dem Reichsparteitag auf.

1935 verlangt das NS-Regime für die weitere Unterstützung des Luftschiff-Baus die Zerschlagung des Zeppelin-Konzerns: Die stets defizitäre Delag wird zur Deutschen Zeppelin-Reederei. Die Graf Zeppelin und die noch nicht fertige LZ 129 Hindenburg bringt der Zeppelin-Konzern in das Stammkapital ein. Weitere Anteile halten die 1926 gegründete Lufthansa und das Reichsluftfahrtministerium. Damit stellt das Regime auch den NS-kritischen Konzernleiter Hugo Eckener kalt.

Doch die Nazis haben nicht lange Vergnügen an ihrer neuen Fluggesellschaft: Der katastrophale Feuerball, in dem die Hindenburg in Lakehurst aufgeht, beendet 1937 die große Zeit der Zeppeline.

 
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Toll, diese Zeppeline. Ein wirklich apartes Beförderungsmittel: langsam und elegant. Als Flop hätte man noch auf den Cargolifter hinweisen können, der es ja auch nur zu ein paar Jungfernfahrten gebracht hat (mit einem kleinen Testmodell) und schliesslich bei einem Unwetter zerstört wurde.

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    Wieso Flop von Cargolifter? Ich erfreue mich an der tollen Tropenlandschaft die dank dem Milliardengrab Cargolifter entstand.

    Wieso Flop von Cargolifter? Ich erfreue mich an der tollen Tropenlandschaft die dank dem Milliardengrab Cargolifter entstand.

  2. Wieso Flop von Cargolifter? Ich erfreue mich an der tollen Tropenlandschaft die dank dem Milliardengrab Cargolifter entstand.

    Antwort auf "Kommentar Nr. 1"
  3. Interessant, dass man bei einem Flug (einer Fahrt) von Düsseldorf nach Baden Baden am Teuteburger-Wald vorbei kommt. ;-)

  4. Danke für den netten Artikel. Meiner Meinung nach verharmlosen Sie ein wenig die Bedeutung des Militärs in der Finanzierung der Zeppeline.
    Ein Blick auf http://www.luftschiff.de/... zeigt, dass nur ein kleiner Teil der Zeppeline für die zivile Luftfahrt gebaut wurden.

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