Chemieunfall in Bhopal Die einsamen Opfer der Todesfabrik
Es war das schlimmste Chemieunglück in der Geschichte. 25 Jahre nach der Giftkatastrophe im indischen Bhopal leiden noch Zehntausende. Die Schuldigen wurden nie bestraft.
© Daniel Berehulak/Getty Images

Ein Mädchen spielt in der Nähe der Überreste der einstigen Chemiefabrik der Union Carbide in Bhopal. Vor 25 Jahren tötete ein entweichendes Giftgemisch Tausende Menschen in der indischen Stadt
Die tödliche Wolke kommt im Dunkeln. Seit kurz nach Mitternacht entweichen in der Nacht zum 3. Dezember 1984 stundenlang fast 40 Tonnen Gift aus der Pestizidfabrik des US-Konzerns Union Carbide im indischen Bhopal. Die Fabrik liegt mitten im Armutsviertel der zentralindischen Stadt. Das Giftgas verätzt die Haut, die Augen, die Lungen, innere Organe, die Schleimhäute. Allein in den ersten drei Tagen nach dem Unglück sterben rund 8000 Menschen.
"Um 1.20 Uhr in der Nacht war auf einmal Panik. Menschen schrien. Meine Lungen brannten wie Feuer, meine Augen schwollen zu. Ich packte zwei meiner Kinder und rannte los. Dann brach ich bewusstlos zusammen." So erinnert sich Mohammed Sultan an das Unglück, 25 Jahre nach dem schlimmsten Chemieunglück der Geschichte.
Meine Lungen brannten wie Feuer, meine Augen schwollen zu. Ich packte zwei meiner Kinder und rannte los
Mohammed Sultan, Überlebender
Ausgelöst wird die Katastrophe durch Wasser, das in einen Tank für Methylisocyanat eindringt. Bis heute ist ungeklärt, ob Arbeiter eine Wasser- mit einer Stickstoffleitung verwechselten, Ventile leck waren oder jemand absichtlich Wasser einleitete. Union Carbide bevorzugt die Sabotage-These – sie verringert die Verantwortung des Unternehmens.
Weil das Wasser mit dem Methylisocyanat zu Kohlenstoffdioxid reagiert, steigt der Druck im Tank. Mitarbeiter riechen Gas, wollen ihre Schichtleiter alarmieren. Doch die sind offenbar allesamt in einer Teepause. Überdruckventile öffnen sich, 24 Tonnen hochgiftiges Methylisocyanat und mindestens zwölf Tonnen weiterer Chemikalien, Reaktionsprodukte des Tankinhalts, strömen in einer Wolke dicht über dem Boden in die Stadt.
Die Gesamtzahl der Todesopfer schätzen Hilfsorganisationen auf bis zu 25.000. Rund 500.000 Menschen sollen das Gas eingeatmet haben, auf 100.000 wird die Zahl derer geschätzt, die mit chronischen Krankheiten überlebten. Sie haben Hirnschäden, Lähmungen, Lungenödeme, Herz-, Magen-, Nieren- und Leberschäden, sind blind oder unfruchtbar. Eine große indische Studie über die Folgen wurde 1994 abgebrochen, die Resultate wurden nie veröffentlicht.
Die 1977 gegründete Fabrik in Bhopal betrieb Union Carbide India Limited (UCIL), die zu 50,9 Prozent Union Carbide gehörte, den Rest hielten der indische Staat, Finanzinstitute und Privatinvestoren. UCIL produzierte in Bhopal das Schädlingsbekämpfungsmittel Sevin. Weil Verkauf und Gewinne in den achtziger Jahren sanken, sparte der Produzent, entließ Personal, senkte die Sicherheitsstandards. Gleichzeitig wuchs die Bevölkerung der Region Bhopal binnen 20 Jahren von rund 100.000 auf mehr als 670.000 Einwohner – ein schlechter Standort für eine Chemiefabrik, aber gut für einen Konzern auf der Suche nach billigen Arbeitskräften.
Union Carbide kaufte sich für 470 Millionen Dollar von allen Schadenersatzforderungen frei; 1989 bestätigte das Oberste Gericht Indiens dieses Ergebnis. Bis heute hat der indische Staat das Geld offenbar nicht komplett ausbezahlt. Die Opfer bekamen Summen, mit denen sie mit etwas Glück ein paar Monate lang Medikamente und Arztrechnungen bezahlen konnten.
- Datum 03.12.2009 - 00:47 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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der die Welt beglücken soll. Schnell hat man hier einen Mörder gefasst - das verbrecherische Gesindel, das dort tausende auf dem Gewissen hat, kann nicht zur Verantwortung gezogen werden weil das "Recht" entsprechend gestaltet ist.
Da müssen dann Gedenktage ausreichen.
Wir plündern ihre Länder, zerstören ihre Landwirtschaft mit unseren subventionierten Agrarprodukten, fischen ihre Küsten leer und wenn ein paar Zehntausend vergiftet werden, dann interessiert das niemanden.
Aber wehe, sie fangen an, unsere Schiffe zu kapern - dann schicken wir unsere Marine.
Wehe, sie enteignen unsere Firmen, dann wird aus einem Chavez oder Morales ganz schnell der Teufel persönlich.
Wehe, sie wagen es aus ihrem Elend auszubrechen und zu uns zu kommen, dann machen wir unsere Grenzen ganz dicht und lassen sie lieber vor Lampedusa ertrinken, als unseren ach so wichtigen christlichen Werten zu folgen.
Und die Verantwortlichen von Dow gehen sonntags in die Kirche und waschen ihre Hände in Unschuld.
Wo ist das Problem ?
genau so ist es.
Und so sieht es aus, wenn der Markt alles selbst regelt, was er ja angeblich am besten kann.
Und wenn es dann schief geht, dann sind es natürlich die Versäumnisse des natürlich korrupten Staates (dabei wird außen vor gelassen, dass es in der Korruption immer mindestens 2 Parteien gibt), der keine oder zu wenig Regeln gegeben hat.
Versucht dieser allerdings soziale Mindeststandards und Umweltstandards durchzusetzen, wird mit dem Weiterziehen in Länder gedroht, die da nicht so streng sind.
Jaja, ein "Lob" auf die ganz "freie" Marktwirtschaft.
Dow Chemical profilierte sich neben Monsanto auch bei Agent Orange:
http://de.wikipedia.org/w...
Den Opfern wurde mit einer ganz ähnlichen Strategie begegnet wie im Artikel beschrieben - als Vietnamveteranen klagten, wurde sich außergerichtlich geeinigt, Monsanto verkaufte den Firmenzweig und die Weste war wieder sauber. Bislang wurde nicht ein müder Dollar an die geschädigten Vietnamesen bezahlt, trotz einer Zivilklage vietnamesischer Opfer in den USA 2008 - man lasse sich auch die Urteilsbegründung auf der Zunge zergehen:
http://www.spiegel.de/pan...
Der Adressat der Klage wäre weder Dow Chemical noch Monsanto. Die haben das Zaug zwar produziert, aber eben nicht eingesetzt — das war das Militär. Und das gehorcht nun einmal ganz anderen Gesetzmäßigkeiten als dem freien Markt, denn:
»Eine Klage gegen die US-Regierung wegen der Kriegsschäden schließt die Verfassung der USA aus.«
Nicht anders ist der Fall in Indien: Wenn man weite Teile der Bevölkerung nur lange genug staatlich entrechtet und Firmen wie Union Carbide gestattet, den Schadenersatz nicht an die Geschädigten selbst zu leisten, sondern an die Regierung (das ist geradezu grotesk!), dann sollte man sich zuerst der Frage widmen, ob hier die ach so gemeinwohlige Staatsgewalt ihrer selbst propagierten Funktion nachkommt oder nicht.
Der Adressat der Klage wäre weder Dow Chemical noch Monsanto. Die haben das Zaug zwar produziert, aber eben nicht eingesetzt — das war das Militär. Und das gehorcht nun einmal ganz anderen Gesetzmäßigkeiten als dem freien Markt, denn:
»Eine Klage gegen die US-Regierung wegen der Kriegsschäden schließt die Verfassung der USA aus.«
Nicht anders ist der Fall in Indien: Wenn man weite Teile der Bevölkerung nur lange genug staatlich entrechtet und Firmen wie Union Carbide gestattet, den Schadenersatz nicht an die Geschädigten selbst zu leisten, sondern an die Regierung (das ist geradezu grotesk!), dann sollte man sich zuerst der Frage widmen, ob hier die ach so gemeinwohlige Staatsgewalt ihrer selbst propagierten Funktion nachkommt oder nicht.
Der Adressat der Klage wäre weder Dow Chemical noch Monsanto. Die haben das Zaug zwar produziert, aber eben nicht eingesetzt — das war das Militär. Und das gehorcht nun einmal ganz anderen Gesetzmäßigkeiten als dem freien Markt, denn:
»Eine Klage gegen die US-Regierung wegen der Kriegsschäden schließt die Verfassung der USA aus.«
Nicht anders ist der Fall in Indien: Wenn man weite Teile der Bevölkerung nur lange genug staatlich entrechtet und Firmen wie Union Carbide gestattet, den Schadenersatz nicht an die Geschädigten selbst zu leisten, sondern an die Regierung (das ist geradezu grotesk!), dann sollte man sich zuerst der Frage widmen, ob hier die ach so gemeinwohlige Staatsgewalt ihrer selbst propagierten Funktion nachkommt oder nicht.
mir persönlich und ich vermute, auch den Opfern, wäre es völlig wurscht, von wem Wiedergutmachung geleistet würde. Ihre allmählich überreichlich häufig gelesenen Ausführungen zu 'ach so gemeinwohliger Staatsgewalt' empfinde ich hier - mit Verlaub - als äußerst zynisch. Ist Ihnen denn eigentlich wirklich JEDES Mittel recht, um Ihre Ablehnung des Staates als Institution unters Volk zu bringen? Verständnis, verehrter Landgraf, lassen Sie hier gründlich vermissen. Es ist bis heute ja noch nicht mal bekannt, wieviele Opfer es tatsächlich gab und gibt. Finden Sie nicht, daß es Union Carbide gut zu Gesicht gestanden hätte, hier selbst zu ermitteln? Statt sich frei zu kaufen?
Vielleicht äußern Sie sich aber noch dazu, wie Sie sich in Ihrer anarchokapitalistischen Welt eine Opferentschädigung vorstellen, bzw. wie Sie derartige Katastrophen wie in Bhopal wirksam zu verhindern wüßten.
Ein Punkt gälte vermutlich aber noch für den Einsatz von Agent Orange - soviel ich weiß, waren damals die Folgen von Dioxin dem US-Militär nicht bekannt. Andernfalls wären ja vermutlich 'nur' die Vietnamesen (Khmer, Laoten) mit diesen reichen Gaben bedacht worden und nicht auch amerikanische Soldaten. Wo ich u.U. auch eine Möglichkeit sehen würde, Monsanto und Dow Chemical doch noch zu belangen. Wäre seitens der US-Regierung ein Hauch politischen Willens dazu vorhanden.
»Wäre seitens der US-Regierung ein Hauch politischen Willens dazu vorhanden.«
Na eben, da haben Sie doch Ihre Antwort, liebe dame.von.welt. Die Regierung kümmert sich gar keinen Deut um die, in deren Auftrag sie angeblich handeln will, und damit ist diese Regierung keineswegs allein auf weiter Flur, sondern das zeichnet jede Regierung aus: Daß sie sich im Zweifel keinen Deut um die schert, in deren Mandat sie eigentlich handelt.
Wie ich mir eine Opferentschädigung vorstelle? Genau so, wie ich's schrieb: Der Schädiger hat die Geschädigten auszugleichen. Und wenn er dazu nicht willens ist, dann steht den Geschädigten selbstverständlich das Recht der Selbsthilfe zu. Im Falle der Bhopal-Opfer würde das bedeuten, daß die über jedes denkbare moralische Recht verfügen, sich an Regierungseigentum schadlos zu halten, wenn sich die Regierung weiterhin weigert, in ihrem Sinne zu handeln oder auch nur die bereits gezahlten Summen an sie weiterzuleiten.
Ich bin übrigens kein Landgraf, sonder nur Freiherr.
»Wäre seitens der US-Regierung ein Hauch politischen Willens dazu vorhanden.«
Na eben, da haben Sie doch Ihre Antwort, liebe dame.von.welt. Die Regierung kümmert sich gar keinen Deut um die, in deren Auftrag sie angeblich handeln will, und damit ist diese Regierung keineswegs allein auf weiter Flur, sondern das zeichnet jede Regierung aus: Daß sie sich im Zweifel keinen Deut um die schert, in deren Mandat sie eigentlich handelt.
Wie ich mir eine Opferentschädigung vorstelle? Genau so, wie ich's schrieb: Der Schädiger hat die Geschädigten auszugleichen. Und wenn er dazu nicht willens ist, dann steht den Geschädigten selbstverständlich das Recht der Selbsthilfe zu. Im Falle der Bhopal-Opfer würde das bedeuten, daß die über jedes denkbare moralische Recht verfügen, sich an Regierungseigentum schadlos zu halten, wenn sich die Regierung weiterhin weigert, in ihrem Sinne zu handeln oder auch nur die bereits gezahlten Summen an sie weiterzuleiten.
Ich bin übrigens kein Landgraf, sonder nur Freiherr.
»Wäre seitens der US-Regierung ein Hauch politischen Willens dazu vorhanden.«
Na eben, da haben Sie doch Ihre Antwort, liebe dame.von.welt. Die Regierung kümmert sich gar keinen Deut um die, in deren Auftrag sie angeblich handeln will, und damit ist diese Regierung keineswegs allein auf weiter Flur, sondern das zeichnet jede Regierung aus: Daß sie sich im Zweifel keinen Deut um die schert, in deren Mandat sie eigentlich handelt.
Wie ich mir eine Opferentschädigung vorstelle? Genau so, wie ich's schrieb: Der Schädiger hat die Geschädigten auszugleichen. Und wenn er dazu nicht willens ist, dann steht den Geschädigten selbstverständlich das Recht der Selbsthilfe zu. Im Falle der Bhopal-Opfer würde das bedeuten, daß die über jedes denkbare moralische Recht verfügen, sich an Regierungseigentum schadlos zu halten, wenn sich die Regierung weiterhin weigert, in ihrem Sinne zu handeln oder auch nur die bereits gezahlten Summen an sie weiterzuleiten.
Ich bin übrigens kein Landgraf, sonder nur Freiherr.
verhindern Sie künftige Bhopals?
'Landgraf' war von Hugo geklaut, das nur am Rande.
fangen wir am besten bei uns selbst an, liebe dame.von.welt, wenn Sie nichts dagegen haben. Würden denn Sie als Anwohnerin so eine Dreckschleuder von Fabrik dulden? In Ihrer unmittelbaren Umgebung? Nein? Sehen Sie, ich auch nicht, und zwar auf keinen Fall.
Da das vermutlich nicht nur uns beiden so geht, fragt man unsereins deshalb auch in aller Regel gar nicht erst, sondern entscheidet derlei über unsere Köpfe hinweg. Ich finde das übrigens grotesk, und zwar nicht nur im Falle der in Rede stehenden Chemiefabrik, sondern beispielsweise auch bei uns, wenn es um die Frage des Flughafenausbaus geht, beispielsweise, aber auch um den Donauausbau daheim in Bayern. Freilich: Da werden hin und wieder Anwohner im Rahmen des Verfahrens 'gehört' — mit meist unterwältigendem Erfolg.
Also wenn mir Union Carbide so einen Schuppen (die Dinger heißen ja nicht umsonst NIMBY, Not In My Backyard) hinters Haus stellen will, dann werde ich schon aus im wahrsten Sinne gesundem Eigeninteresse dafür Sorge tragen, daß die das Ding so bauen, daß ich tunlichst ohne Frühableben aus der Sache herauskomme. Das geschieht beispielsweise, indem die Anwohner sich vorher schon eine horrende Vertragsstrafe ausbedingen oder gemeinsam Experten zu Rate ziehen.
In einem haben Sie nämlich recht: Ich traue Regierungen nicht weiter, als ich greifen kann.
fangen wir am besten bei uns selbst an, liebe dame.von.welt, wenn Sie nichts dagegen haben. Würden denn Sie als Anwohnerin so eine Dreckschleuder von Fabrik dulden? In Ihrer unmittelbaren Umgebung? Nein? Sehen Sie, ich auch nicht, und zwar auf keinen Fall.
Da das vermutlich nicht nur uns beiden so geht, fragt man unsereins deshalb auch in aller Regel gar nicht erst, sondern entscheidet derlei über unsere Köpfe hinweg. Ich finde das übrigens grotesk, und zwar nicht nur im Falle der in Rede stehenden Chemiefabrik, sondern beispielsweise auch bei uns, wenn es um die Frage des Flughafenausbaus geht, beispielsweise, aber auch um den Donauausbau daheim in Bayern. Freilich: Da werden hin und wieder Anwohner im Rahmen des Verfahrens 'gehört' — mit meist unterwältigendem Erfolg.
Also wenn mir Union Carbide so einen Schuppen (die Dinger heißen ja nicht umsonst NIMBY, Not In My Backyard) hinters Haus stellen will, dann werde ich schon aus im wahrsten Sinne gesundem Eigeninteresse dafür Sorge tragen, daß die das Ding so bauen, daß ich tunlichst ohne Frühableben aus der Sache herauskomme. Das geschieht beispielsweise, indem die Anwohner sich vorher schon eine horrende Vertragsstrafe ausbedingen oder gemeinsam Experten zu Rate ziehen.
In einem haben Sie nämlich recht: Ich traue Regierungen nicht weiter, als ich greifen kann.
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