Afghanistan Der 30-jährige Krieg
Der Krieg in Afghanistan, der an Weihnachten 1979 begann, war einer der letzten Stellvertreterkriege, die die USA und die UdSSR sich lieferten. Er wirkt bis heute nach.
© Can Merey/dpa

Vor 30 Jahren marschierten die Sowjets in Afghanistan ein. Noch heute finden sich Spuren der Invasion: Hier rosten russische Panzer im Pandschir-Tal im Norden Afghanistans
1980 ist die Welt sich einig: 64 Länder boykottieren die Olympischen Spiele in Moskau, 16 nehmen nicht unter ihrer Nationalflagge teil, weil die Rote Armee in Afghanistan einmarschiert ist. Die Nato, die islamische Welt, die Vereinten Nationen, selbst die Blockfreien Staaten brandmarken die Sowjetunion als Aggressor. Deren Gegner, die Mudschaheddin, sind die Guten.
Das Schwarz-weiß-Bild kann einige Grautöne vertragen: In dem blutigen Konflikt machen sich viele Akteure die Finger schmutzig. Das Land ist ein ideales Experimentierfeld für kalte Krieger. Afghanistan ist erst seit 1973 eine Republik, hat nur ein paar Jahre Demokratie hinter sich.
1978 bringt das Militär die kommunistische Demokratische Volkspartei an die Macht. Sie will Afghanistan zu einem modernen sozialistischen Staat entwickeln. Die Sowjets fördern das unterentwickelte Nachbarland seit den fünfziger Jahren mit Krediten, Beratern, Bauprojekten, Militärausbildern. Afghanistan soll der sozialistische Brückenkopf sein an der vom Islam belagerten sowjetischen Südflanke.
Viele Afghanen sympathisieren jedoch mit islamisch-konservativen bis fundamentalistischen Ideen. Der muslimische Klerus, der sich gegen die Säkularisierung wehrt, ruft gemeinsam mit den Großgrundbesitzern, die sich nicht enteignen lassen wollen, zum Kampf gegen die Kommunisten. Rund 30 Widerstandsgruppen entstehen: die Mudschaheddin, Kämpfer Gottes.
Im September 1979 schießt Hafisullah Amin, ein innerparteilicher Rivale, Regierungschef Nur Mohammed Taraki nieder, lässt ihn dann im Krankenhaus erdrosseln. Kurz darauf beschließt Moskau den Einmarsch in Afghanistan: Die Sowjets trauen Amin nicht.
Am Heiligabend beginnt die Invasion. Im Minutentakt setzen schwere Transportmaschinen Soldaten, Panzerfahrzeuge, Waffen und Munition auf den Flughäfen in Kabul und Bagram ab. Rund 4000 sowjetische Militärberater und 1000 Soldaten sind ohnehin schon im Land. Am 25. Dezember beginnen Panzerverbände aus Tadschikistan den Marsch auf Herat und Kabul. Die desolate afghanische Armee hat ihnen nichts entgegenzusetzen.
Am Abend des 27. Dezember sprengt ein Kommandotrupp, wohl KGB-Agenten in afghanischen Uniformen, das Telegrafenamt, besetzt die Rundfunkstation und dringt in eine Bar ein, in der Präsident Amin sich mit einer Geliebten vergnügt. Beide werden erschossen. Der moskautreue Kommunist Babrak Karmal wird Regierungschef.
Die USA akzeptieren ihn zunächst. Doch die CIA hat noch eine Rechnung offen: Der Geheimdienst will sich in Afghanistan für den verlorenen Vietnamkrieg rächen. Also unterstützt er die Mudschaheddin: Er liefert Informationen und vor allem Waffen, die unter anderem aus Ägypten, Israel, Großbritannien und den USA selbst kommen.
- Datum 24.12.2009 - 10:33 Uhr
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...das Land in dem wir die deutsche Freiheit am Hindukusch verteidigen!
Oder ist es vielleicht doch etwas ganz anderes was wir dort unten "verteidigen"?!
"Afghanistan ist erst seit 1973 unabhängig" schreibt der Verursacher dieses Artikels. [...] (Vielen Dank für den Hinweis. Wir möchten Sie trotzdem bitten, Ihre Kritik sachlich zu formulieren. Die Redaktion /ft)
Lieber Dojon,
wir haben die Stelle im Text geändert. Hier sollte es heißen, dass Afghanistan 1973 zur Republik wurde.
Herzliche grüße
Lieber Dojon,
wir haben die Stelle im Text geändert. Hier sollte es heißen, dass Afghanistan 1973 zur Republik wurde.
Herzliche grüße
Lieber Dojon,
wir haben die Stelle im Text geändert. Hier sollte es heißen, dass Afghanistan 1973 zur Republik wurde.
Herzliche grüße
Der Krieg begann entweder Weihnachten 1979, zur Weihnachtszeit 1979 oder am x-ten Dezember 1979, aber nicht an Weihnachten 1979.
Wer anderen eine Grube gräbt... Jetzt kriegt der Westen in Afghanistan was er verdient.
...kürzlich in fast diesen Worten: "Die USA akzeptieren ihn zunächst. Doch die CIA hat noch eine Rechnung offen: Der Geheimdienst will sich in Afghanistan für den verlorenen Vietnamkrieg rächen."
Wir mussten so lachen. Die eigenen Gefühle so zu projezieren! Die Welt aus dem eigenen Inneren heraus zu beleuchten! Man sah plötzlich am Beispiel, wieso Fritz auf der Strasse hier so unendlich weit entfernt ist davon nachzuvollziehen, wieso die Dinge da draussen so laufen, wie sie es tun. Da darf es nicht wundern, wenn man hier auch kaum prädiktiv kaum glänzt.
... der Aufbau neuer Ausbildungslager der Taliban mit Luftschlägen verhindert werden, muss den Westen Afghanistan nicht interessieren. Die Bevölkerung sympathisiert mit der islamischen Ideologie - wenn sich die Auswirkungen auf Afghanistan beschränken, ist das in Ordnung. Einfach nur "raus" ist natürlich Quatsch - man muss die Lufthoheit behalten und Talibanverbände ab einer kritischen Masse angreifen und in Atem halten können. Dann ist das Minimalziel erreicht.
Die Liste ist viel länger:
- Vietnam
- Angola
- Mosambik
- Korea
- Irak
- Naher Osten
- ...
Hierbei handelt es sich nicht nur politische Stellvertreter-Kriege, sondern auch um ökonomische, sprich Rüstungs-Kriege.
Wer verdient denn daran?
Die Rüstungsmaschinerie, deren politische Handlanger in den Parlamenten und die Banken.
Nehmen wir doch einmal Deutschland:
Deutschland mischt im Rüstungsgeschäft ganz vorne mit.
Jetzt exportiert Deutschland aber nicht nur das Produkt der Industrie, nein - auch seine eigenen Landsleute.
So allmählich wachen hier in diesem Land auch die letzten auf, wenn sie die Todesnachrichten lesen:
Wenn einer ihrer Liebsten, Nachbarn oder Freunde für die Interessen der Rüstungsindustrie und deren Handlanger ins Gras beißen musste.
Bisher waren die Kriege, bei denen die Militärmaschinerie der Bundesrepublik Deutschland stets feste dabei war - nicht mit eigenem Personal - sehr weit weg.
Seit Afghanistan - und schon vorher - ist das plötzlich viel näher gerückt.
Angebliche "Friedensmissionen" werden nämlich längst nicht mehr "friedlich" geführt und die Waffen zum "Selbstschutz" eingesetzt.
Seit dem Luftangriff in Kundus ist es doch "amtlich":
Hier finden "Killerspiele" statt, die wir live im Fernsehen mitverfolgen können.
Es ist schon im Ansatz nicht unehrenhaft, wenn unser Verteidigungsminister endlich auf die Idee kommt, mit den gemäßigten Taliban zu reden.
Die Zeiten des Bush-Kriegers sind vorbei und die alten Waffenbestände wurden erneuert!
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