Galileo Galilei Die Entdeckung der Jupitermonde veränderte das Weltbild
Vor 400 Jahren hörte die Sonne auf, um die Erde zu kreisen: Galileo Galilei hatte einige kleine Lichtpunkte am Jupiter erspäht, die sich anders bewegten, als sie sollten.
© Getty Images

Mit ihm rückte die Erde aus ihrer angeblich zentralen Position im Universum: Galileo Galilei
"Am 7. Januar dieses Jahres 1610, zur ersten Stunde des folgenden Tages, als ich die Sterne mit dem Fernrohr ansah, zeigte sich mir Jupiter; und weil ich ein wirklich ausgezeichnetes Instrument gebaut hatte, sah ich nahe bei dem Planeten drei Sterne, zwar klein, aber sehr hell." Als Galileo Galilei im März 1610 in seiner Schrift Sidereus Nuncius (Sternenbote) von dieser Entdeckung berichtet, weiß er noch nicht, dass sie sein Leben verändern wird.
Seit 18 Jahren unterrichtet Galilei Mathematik an der Universität Padua, das zur Republik Venedig gehört. Es ist die glücklichste Zeit seines Lebens, wie er später schreibt. Schon seine Antrittsvorlesung 1592 ist ein Erfolg. Er bessert sein Gehalt durch Privatunterricht auf und vertreibt einen Vorläufer des Rechenschiebers, den Proportionszirkel, den er erfunden hat.
Galilei leistet sich ein dreistöckiges Haus mit Garten und eine Haushälterin, die seine Geliebte wird: Die Venezianerin Marina Gambi bekommt drei Kinder von ihm. Die zwei Mädchen steckt der gelehrte Vater ins Kloster, den Sohn erkennt er später als Erben an. Heiraten will Galilei nicht: Er stammt aus einer zwar verarmten, aber stolzen Florentiner Patrizierfamilie – eine Haushälterin ist nach seiner Ansicht keine standesgemäße Ehepartnerin.
Hebelgesetze, schiefe Ebenen, die Trägheit, Klangwellen und die Vibration einer Saite: Galilei befasst sich in Padua mit den Grundlagen der Physik. Erst 1609 findet er zur Astronomie. Ein Jahr zuvor haben holländische Brillenmacher das Fernrohr erfunden. Galilei lernt, selbst solche Geräte zu bauen.
Der 1564 in Pisa geborene Galilei hat von seinem Vater, einem Tuchhändler und Musiker, das kaufmännische Talent geerbt. Er schreibt an die Signoria, die Regierung der Seefahrerrepublik Venedig: Mit seinem "Occhiale", wirbt Galilei, "entdeckt man feindliche Schiffe zwei Stunden früher, als man sie mit dem bloßen Auge sehen kann." Er verkauft der Signoria das Copyright – dabei stellen längst Dutzende Handwerker in ganz Europa Fernrohre her. Offenbar merken die Herren der Signoria ein Jahr später, dass Galilei den Mund arg voll genommen hat: Sie kürzen ihm sein Professorengehalt.
Da hatte Galilei schon seine berühmteste Idee – er richtet sein Fernrohr in den Nachthimmel. Plötzlich ist die Milchstraße kein Nebel mehr, Planeten werden Scheiben, und der Mond ist zerklüftet. Galileis präzise Federzeichnung seiner Oberfläche ist ein Grund, warum sein Sternenbote binnen weniger Tage vergriffen ist.
Am Folgenreichsten ist die Entdeckung der Jupitermonde – denn darum handelt es sich bei den drei "Sternen", die Galilei in der Nacht vom 7. auf den 8. Januar 1610 findet. Eine Nacht später haben sie ihre Positionen gewechselt. Galilei glaubt zunächst, dass Jupiter vor den "Sternen" vorbeizieht – doch dann bewegt der Planet sich ja in der falschen Richtung! Am 10. findet Galilei nur noch zwei "Sterne"; am 13. erscheint ein vierter. Galilei begreift, dass alle vier Jupiter umkreisen.
- Datum 07.01.2010 - 11:20 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Was Sie, Herr Vensky, hätten anbringen sollen, ist warum Galilei eine Gefahr für das religiöse Weltmodell darstellte.
Dass die Erde um die Sonne kreist, ist ja erstmal nur eine These, nicht sofort eine Gefahr für die Kirchenväter, auch wenn sie mit ihr Schwierigkeiten gehabt hätten. Solche Thesen kursierten, kannte man auch schon von den Griechen wie Pythagoras. Ihr Nachweis allein war nicht Galileis Verdienst.
Nein, verheerend an Galilei war dies:
Galilei bewies mit seinem verbesserten Fernrohr, dass der Mensch mit seinen angeborenen Sinnen nicht die ganze Schöpfung wahrnehmen kann. Das heißt, Galilei widersprach der Schöpfungslehre, nach der der Mensch das, was Gott erschuf, durch die Werkzeuge, die Gott ihm schenkt, wahrnehmen kann.
Galilei erkannte mit Hilfe einer Sinnes-Verlängerung (Fernrohr) ein paar Monde, die nicht sichtbar sind.Die damalige Interpretation der Schöpfungslehre verlor an Glaubwürdigkeit, Maschinen wurden aufgewertet und es entbrannte ein Machtstreit zwischen Galilei und den einflussreichen Peripatetikern, die meinten, die Schriften von Aristoteles seien die endgültige Wahrheit. Aristoteles vertrat ein geozentrisches Weltbild und einiges andere, das, neben seinen großen Verdiensten, Europa hemmte.
Hiermit widersprach Galilei unmittelbar der Bibel, während das heliozentrische Weltbild bloß eine kirchliche Interpretation der Welt war.
Galilei widersprach der Schöpfungslehre und dem Hemisphärenmodell zugleich. Er wertete die Empirie auf.
Sie sagen, dass "Galilei [Hiermit] unmittelbar der Bibel [widersprach], während das heliozentrische Weltbild bloß eine kirchliche Interpretation der Welt war."
Wo steht denn in der Bibel, dass der Mensch mit seinen angeborenen Sinnen ganze Schöpfung wahrnehmen kann?
Sie sagen, dass "Galilei [Hiermit] unmittelbar der Bibel [widersprach], während das heliozentrische Weltbild bloß eine kirchliche Interpretation der Welt war."
Wo steht denn in der Bibel, dass der Mensch mit seinen angeborenen Sinnen ganze Schöpfung wahrnehmen kann?
(Leider müssen Kommentare so kurz sein.)
Um sich nur annähernd vorzustellen, was Galilei auslöste, muss man sich Folgendes vorstellen: Für die Scholastiker, die mittelalterlichen Wissenschaftler, war die Vernunft erstrangig, die Empirie zweitrangig. Außerdem waren Maschinen "Verfremdungen" der Natur. Sie galten als notgedrungene Störungen des Naturflusses. Außerdem glaubte man, dass die Sinne des Menschen schon alles Notwendige erfassen würden, mit ein bisschen Denkarbeit.
Dann kommt ein Mann und behauptet: Nein, wir erkennen, sogar, wenn wir denken, sehr wenig dessen, was existiert.
Er hat damit ein neues Erkenntnis- und Wissenschaftsmodell losgetreten, das seines Gleichen sucht. Es ist, als würden wir nachweisen können, dass die Annahme, die Wissenschaft würde uns richtige Ergebnisse liefern, nicht stimmen (daher ist die Quantentheorie ja so irritierend). Man denke an einen (wichtig) "für jedermann reproduzierbaren Nachweis", dass gewisse materielle oder empirische Erfahrungen mit den bisherigen wissenschaftlichen Modellen unerreicht bleiben.
Er erschütterte damit ein ganzes Wissenschaftsmodell und stürzte Gesellschaften in eine tiefe Krise, die bereits in einer religiösen Krise waren. Es geht also nicht einfach um ein die Vorstellung dessen, ob wir jetzt um die Sonne kreisen oder nicht. Das allein ist recht trivial oder politisch brisant, weswegen ich den Artikel ergänze. Galilei hat die Wissenschaftstheorie verändert. Das ist sein größter Verdienst.
Sie sagen, dass "Galilei [Hiermit] unmittelbar der Bibel [widersprach], während das heliozentrische Weltbild bloß eine kirchliche Interpretation der Welt war."
Wo steht denn in der Bibel, dass der Mensch mit seinen angeborenen Sinnen ganze Schöpfung wahrnehmen kann?
Im Artikel steht: "Schon lange verschwenden Mathematiker und Astronomen immer mehr Hirnschmalz darauf, Phänomene wie die Venusphasen zu erklären, die nicht in das auf Aristoteles und Ptolemaius zurückgehende Planetensystem mit der Erde im Zentrum passen."
Meines Wissens war es aber auch Galileo Galilei, der 1609 die Phasengestalt der Venus erstmals entdeckte und im Sidereus Nuncius veröffentlichte. Ohne Teleksop sind die Venusphasen nämlich nicht zu beobachten. Am besten einfach selber mal zur Venus hochschauen und sich davon überzeugen (mit und ohne Teleskop).
Die Ergänzung das Zitats "sie dreht sich doch" mit 'Die Sonne' ist doch falsch, oder nicht? Mit "sie dreht sich doch!" ist die Erde gemeint...
Der Vater Vincenzo Galilei war nicht nur ein "Musiker", sondern ein prominenter Komponist und Mitglied der illustren "Camerata Fiorentina", deren Kreis die erste Oper der Welt entstammt.
@ Nr.7: Galileo Galilei hat nie von "drehen" gesprochen; er sagte vielmehr "Eppur si muove" -- Und sie bewegt sich doch.
Der Vater Vincenzo Galilei war nicht nur ein "Musiker", sondern ein prominenter Komponist und Mitglied der illustren "Camerata Fiorentina", deren Kreis die erste Oper der Welt entstammt.
@ Nr.7: Galileo Galilei hat nie von "drehen" gesprochen; er sagte vielmehr "Eppur si muove" -- Und sie bewegt sich doch.
"Galileo Galileo Beweise waren nicht evident für genug die Jesuiten, die ihm wohlgesonnen waren."
Was soll Galileo denn eigentlich mit seinem Fernrohr bewiesen haben?
Ist mir jedenfalls schleierhaft
Galilei war vor allem der grosse Kommunikator (freundlich ausgedrückt) - sein Streit mit der Kiche war der Preis dafür. Das Fernrohr auf den Nachthimmel zu richten war 1609 keine Leistung mehr: das machten zu etwa(?) der gleichen Zeit der Deutsche Simon Marius und der Engländer Thomas Harriot, z.T. wesentlich präziser. Aber die haben nicht publiziert oder erst spät, und die kennen deshalb nur die Fachleute!
Die Bewegung der Erde um die Sonne per Fernrohr direkt nachzuweisen gelang erst 1725 dem Engländer Bradley mit der sog. Aberration. PS: Die Jupitermondnamen Jo, Europa, Ganymed und Callisto stammen von Marius, nicht von Galilei.
Der Vater Vincenzo Galilei war nicht nur ein "Musiker", sondern ein prominenter Komponist und Mitglied der illustren "Camerata Fiorentina", deren Kreis die erste Oper der Welt entstammt.
@ Nr.7: Galileo Galilei hat nie von "drehen" gesprochen; er sagte vielmehr "Eppur si muove" -- Und sie bewegt sich doch.
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