"Am 7. Januar dieses Jahres 1610, zur ersten Stunde des folgenden Tages, als ich die Sterne mit dem Fernrohr ansah, zeigte sich mir Jupiter; und weil ich ein wirklich ausgezeichnetes Instrument gebaut hatte, sah ich nahe bei dem Planeten drei Sterne, zwar klein, aber sehr hell." Als Galileo Galilei im März 1610 in seiner Schrift Sidereus Nuncius (Sternenbote) von dieser Entdeckung berichtet, weiß er noch nicht, dass sie sein Leben verändern wird.

Seit 18 Jahren unterrichtet Galilei Mathematik an der Universität Padua, das zur Republik Venedig gehört. Es ist die glücklichste Zeit seines Lebens, wie er später schreibt. Schon seine Antrittsvorlesung 1592 ist ein Erfolg. Er bessert sein Gehalt durch Privatunterricht auf und vertreibt einen Vorläufer des Rechenschiebers, den Proportionszirkel, den er erfunden hat.

Galilei leistet sich ein dreistöckiges Haus mit Garten und eine Haushälterin, die seine Geliebte wird: Die Venezianerin Marina Gambi bekommt drei Kinder von ihm. Die zwei Mädchen steckt der gelehrte Vater ins Kloster, den Sohn erkennt er später als Erben an. Heiraten will Galilei nicht: Er stammt aus einer zwar verarmten, aber stolzen Florentiner Patrizierfamilie – eine Haushälterin ist nach seiner Ansicht keine standesgemäße Ehepartnerin.

Hebelgesetze, schiefe Ebenen, die Trägheit, Klangwellen und die Vibration einer Saite: Galilei befasst sich in Padua mit den Grundlagen der Physik. Erst 1609 findet er zur Astronomie. Ein Jahr zuvor haben holländische Brillenmacher das Fernrohr erfunden. Galilei lernt, selbst solche Geräte zu bauen.

Der 1564 in Pisa geborene Galilei hat von seinem Vater, einem Tuchhändler und Musiker, das kaufmännische Talent geerbt. Er schreibt an die Signoria, die Regierung der Seefahrerrepublik Venedig: Mit seinem "Occhiale", wirbt Galilei, "entdeckt man feindliche Schiffe zwei Stunden früher, als man sie mit dem bloßen Auge sehen kann." Er verkauft der Signoria das Copyright – dabei stellen längst Dutzende Handwerker in ganz Europa Fernrohre her. Offenbar merken die Herren der Signoria ein Jahr später, dass Galilei den Mund arg voll genommen hat: Sie kürzen ihm sein Professorengehalt.

Da hatte Galilei schon seine berühmteste Idee – er richtet sein Fernrohr in den Nachthimmel. Plötzlich ist die Milchstraße kein Nebel mehr, Planeten werden Scheiben, und der Mond ist zerklüftet. Galileis präzise Federzeichnung seiner Oberfläche ist ein Grund, warum sein Sternenbote binnen weniger Tage vergriffen ist.

Am Folgenreichsten ist die Entdeckung der Jupitermonde – denn darum handelt es sich bei den drei "Sternen", die Galilei in der Nacht vom 7. auf den 8. Januar 1610 findet. Eine Nacht später haben sie ihre Positionen gewechselt. Galilei glaubt zunächst, dass Jupiter vor den "Sternen" vorbeizieht – doch dann bewegt der Planet sich ja in der falschen Richtung! Am 10. findet Galilei nur noch zwei "Sterne"; am 13. erscheint ein vierter. Galilei begreift, dass alle vier Jupiter umkreisen.