Von nun an verfinstern die Jupitermonde Galileis Karriere
Damit ist klar: Nicht alles dreht sich um die Erde. Schon lange verschwenden Mathematiker und Astronomen immer mehr Hirnschmalz darauf, Phänomene wie die Venusphasen zu erklären, die nicht in das auf Aristoteles und Ptolemaius zurückgehende Planetensystem mit der Erde im Zentrum passen. In seinem Sidereus Nuncius ergreift Galilei nun Partei für Kopernikus, Kepler und ihr Sonnensystem.
Der Ruhm bringt Galilei zunächst einen guten Posten: Im Herbst 1610 beruft ihn der Großherzog der Toskana, sein ehemaliger Schüler Cosimo II. de’ Medici, zum Hofmathematiker und -philosophen sowie Mathematikprofessor ohne Lehrverpflichtung. Beim Umzug trennt der Gelehrte sich von Marina Gambi; so nahe an den Verwandten ist die Haushälterin wohl auch als Geliebte nicht mehr zumutbar.
Von nun an verfinstern die Jupitermonde Galileis Karriere. Die mächtige Kirche hat die Nase voll von Reformatoren und Neuerern, sie beharrt auf die Erde im Zentrum. Galilei darf sein Fernrohr vorführen, aber die Herren sind nicht überzeugt. 1616 verbietet die Inquisition eine theologische Schrift, die das kopernikanische Weltbild vertritt. Auch Galilei muss jetzt stillhalten.
1632 ermutigt der neue Papst Urban VIII., ein alter Förderer Galileis, diesen zu seinem Dialog über die beiden wichtigsten Weltsysteme. Galilei aber ergreift allzu deutlich Partei: Sein fiktiver Advokat der Geozentrik heißt Simplicio – das hat auch im Italienischen den Beiklang vom "Simpel". Dass diese Figur seine Position vertritt, geht dem Papst zu weit: Galilei wird 1633 wegen Ketzerei zu lebenslanger Haft verurteilt. Seine Werke werden verboten; er muss seinen Lehren abschwören. Dass er dem Schwur leise hinzugefügt haben soll, "und sie (die Sonne) bewegt sich doch", ist ein Mythos.
Galilei verbringt den Rest seines Lebens im Hausarrest in seiner Villa bei Florenz, wo er aus früheren Forschungsergebnissen sein Hauptwerk destilliert, die Discorsi. Er kann das Buch im katholischen Italien nicht veröffentlichen. Galilei stirbt 1642 im Alter von 77 Jahren – am 8. Januar, jenem Tag, in dessen erster Stunde er 32 Jahre zuvor die vier Jupitermonde entdeckt hat.
- Datum 07.01.2010 - 11:20 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Was Sie, Herr Vensky, hätten anbringen sollen, ist warum Galilei eine Gefahr für das religiöse Weltmodell darstellte.
Dass die Erde um die Sonne kreist, ist ja erstmal nur eine These, nicht sofort eine Gefahr für die Kirchenväter, auch wenn sie mit ihr Schwierigkeiten gehabt hätten. Solche Thesen kursierten, kannte man auch schon von den Griechen wie Pythagoras. Ihr Nachweis allein war nicht Galileis Verdienst.
Nein, verheerend an Galilei war dies:
Galilei bewies mit seinem verbesserten Fernrohr, dass der Mensch mit seinen angeborenen Sinnen nicht die ganze Schöpfung wahrnehmen kann. Das heißt, Galilei widersprach der Schöpfungslehre, nach der der Mensch das, was Gott erschuf, durch die Werkzeuge, die Gott ihm schenkt, wahrnehmen kann.
Galilei erkannte mit Hilfe einer Sinnes-Verlängerung (Fernrohr) ein paar Monde, die nicht sichtbar sind.Die damalige Interpretation der Schöpfungslehre verlor an Glaubwürdigkeit, Maschinen wurden aufgewertet und es entbrannte ein Machtstreit zwischen Galilei und den einflussreichen Peripatetikern, die meinten, die Schriften von Aristoteles seien die endgültige Wahrheit. Aristoteles vertrat ein geozentrisches Weltbild und einiges andere, das, neben seinen großen Verdiensten, Europa hemmte.
Hiermit widersprach Galilei unmittelbar der Bibel, während das heliozentrische Weltbild bloß eine kirchliche Interpretation der Welt war.
Galilei widersprach der Schöpfungslehre und dem Hemisphärenmodell zugleich. Er wertete die Empirie auf.
Sie sagen, dass "Galilei [Hiermit] unmittelbar der Bibel [widersprach], während das heliozentrische Weltbild bloß eine kirchliche Interpretation der Welt war."
Wo steht denn in der Bibel, dass der Mensch mit seinen angeborenen Sinnen ganze Schöpfung wahrnehmen kann?
Sie sagen, dass "Galilei [Hiermit] unmittelbar der Bibel [widersprach], während das heliozentrische Weltbild bloß eine kirchliche Interpretation der Welt war."
Wo steht denn in der Bibel, dass der Mensch mit seinen angeborenen Sinnen ganze Schöpfung wahrnehmen kann?
(Leider müssen Kommentare so kurz sein.)
Um sich nur annähernd vorzustellen, was Galilei auslöste, muss man sich Folgendes vorstellen: Für die Scholastiker, die mittelalterlichen Wissenschaftler, war die Vernunft erstrangig, die Empirie zweitrangig. Außerdem waren Maschinen "Verfremdungen" der Natur. Sie galten als notgedrungene Störungen des Naturflusses. Außerdem glaubte man, dass die Sinne des Menschen schon alles Notwendige erfassen würden, mit ein bisschen Denkarbeit.
Dann kommt ein Mann und behauptet: Nein, wir erkennen, sogar, wenn wir denken, sehr wenig dessen, was existiert.
Er hat damit ein neues Erkenntnis- und Wissenschaftsmodell losgetreten, das seines Gleichen sucht. Es ist, als würden wir nachweisen können, dass die Annahme, die Wissenschaft würde uns richtige Ergebnisse liefern, nicht stimmen (daher ist die Quantentheorie ja so irritierend). Man denke an einen (wichtig) "für jedermann reproduzierbaren Nachweis", dass gewisse materielle oder empirische Erfahrungen mit den bisherigen wissenschaftlichen Modellen unerreicht bleiben.
Er erschütterte damit ein ganzes Wissenschaftsmodell und stürzte Gesellschaften in eine tiefe Krise, die bereits in einer religiösen Krise waren. Es geht also nicht einfach um ein die Vorstellung dessen, ob wir jetzt um die Sonne kreisen oder nicht. Das allein ist recht trivial oder politisch brisant, weswegen ich den Artikel ergänze. Galilei hat die Wissenschaftstheorie verändert. Das ist sein größter Verdienst.
Sie sagen, dass "Galilei [Hiermit] unmittelbar der Bibel [widersprach], während das heliozentrische Weltbild bloß eine kirchliche Interpretation der Welt war."
Wo steht denn in der Bibel, dass der Mensch mit seinen angeborenen Sinnen ganze Schöpfung wahrnehmen kann?
Im Artikel steht: "Schon lange verschwenden Mathematiker und Astronomen immer mehr Hirnschmalz darauf, Phänomene wie die Venusphasen zu erklären, die nicht in das auf Aristoteles und Ptolemaius zurückgehende Planetensystem mit der Erde im Zentrum passen."
Meines Wissens war es aber auch Galileo Galilei, der 1609 die Phasengestalt der Venus erstmals entdeckte und im Sidereus Nuncius veröffentlichte. Ohne Teleksop sind die Venusphasen nämlich nicht zu beobachten. Am besten einfach selber mal zur Venus hochschauen und sich davon überzeugen (mit und ohne Teleskop).
Die Ergänzung das Zitats "sie dreht sich doch" mit 'Die Sonne' ist doch falsch, oder nicht? Mit "sie dreht sich doch!" ist die Erde gemeint...
Der Vater Vincenzo Galilei war nicht nur ein "Musiker", sondern ein prominenter Komponist und Mitglied der illustren "Camerata Fiorentina", deren Kreis die erste Oper der Welt entstammt.
@ Nr.7: Galileo Galilei hat nie von "drehen" gesprochen; er sagte vielmehr "Eppur si muove" -- Und sie bewegt sich doch.
Der Vater Vincenzo Galilei war nicht nur ein "Musiker", sondern ein prominenter Komponist und Mitglied der illustren "Camerata Fiorentina", deren Kreis die erste Oper der Welt entstammt.
@ Nr.7: Galileo Galilei hat nie von "drehen" gesprochen; er sagte vielmehr "Eppur si muove" -- Und sie bewegt sich doch.
"Galileo Galileo Beweise waren nicht evident für genug die Jesuiten, die ihm wohlgesonnen waren."
Was soll Galileo denn eigentlich mit seinem Fernrohr bewiesen haben?
Ist mir jedenfalls schleierhaft
Galilei war vor allem der grosse Kommunikator (freundlich ausgedrückt) - sein Streit mit der Kiche war der Preis dafür. Das Fernrohr auf den Nachthimmel zu richten war 1609 keine Leistung mehr: das machten zu etwa(?) der gleichen Zeit der Deutsche Simon Marius und der Engländer Thomas Harriot, z.T. wesentlich präziser. Aber die haben nicht publiziert oder erst spät, und die kennen deshalb nur die Fachleute!
Die Bewegung der Erde um die Sonne per Fernrohr direkt nachzuweisen gelang erst 1725 dem Engländer Bradley mit der sog. Aberration. PS: Die Jupitermondnamen Jo, Europa, Ganymed und Callisto stammen von Marius, nicht von Galilei.
Der Vater Vincenzo Galilei war nicht nur ein "Musiker", sondern ein prominenter Komponist und Mitglied der illustren "Camerata Fiorentina", deren Kreis die erste Oper der Welt entstammt.
@ Nr.7: Galileo Galilei hat nie von "drehen" gesprochen; er sagte vielmehr "Eppur si muove" -- Und sie bewegt sich doch.
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