Archäologie Grundmauern des antiken Sigeion freigelegt

Deutsche Archäologen haben in der heutigen Türkei Teile der antiken Stadt Sigeion ausgegraben. Die Nachfolgestadt Trojas war eine Schaltstelle des Schwarzmeerhandels.

In der Nähe von Troja in der heutigen Türkei haben Tübinger Archäologen erste Grundmauern von griechischen Häusern der antiken Stadt Sigeion freigelegt. Die Grabungen seien von Bedeutung, weil Sigeion als Schaltstelle des Schwarzmeerhandels in der Antike ein Ort war, an dem viele Kulturen aufeinandergetroffen seien, teilte die Universität Tübingen am Dienstag mit.

Von Beginn an wussten die Forscher um die Existenz der Stadt. "Bereits im 18. oder 19. Jahrhundert war bekannt, dass sich in diesem Gebiet einst Sigeion befand", sagt Thomas Schäfer, Direktor des Instituts für Klassische Archäologie. "Es konnte jedoch nicht gegraben werden, da die türkische Armee die Gegend als militärisch wichtigen Stützpunkt nutzte."

Bis jetzt. Denn die Soldaten sind abgezogen und eine moderne Satellitenüberwachung übernimmt nun die militärischen Aufgaben. "Zeitlich passt es perfekt. Wir haben erst kürzlich unsere Oberflächenbegehungen und geophysikalischen Tiefensondierungen mit Radar und Geomagnetik abgeschlossen und das Gebiet systematisch erschlossen – nun sind wir bereit für erste Grabungen", sagt Schäfer.

Das einst von der Stadt Mytilene auf der Insel Lesbos gegründete Sigeion lag an der Südküste der Dardanellen am nordwestlichsten Punkt der durch den Fluss Skamander geschaffenen Ebene (siehe Karte) und hat nach bisherigen Erkenntnissen von 700 bis 300 vor Christus existiert. Sigeion war gewissermaßen die Nachfolgestadt Trojas. Denn mit der Versandung der am Fluss Skamander gelegenen Hafenstadt benötigten die Griechen der Antike um das Jahr 700 vor Christus eine neue Schaltstelle von der aus sie den Schwarzmeerhandel kontrollieren konnten.

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Skamander zog sich jedoch in den folgenden Jahren auch weiterhin zurück. Die Stadt Sigeion verlor an Bedeutung, und um das Jahr 300 vor Christus schließlich wurde sie als Hafenstadt durch das rund 50 Kilometer entfernt gelegene Alexandria ersetzt.

"Es ist ein großer Vorteil für uns, dass Sigeion einen klaren Anfang und ein abgeschlossenes Ende hat. Die Stadt wurde in römischer und byzantinischer Zeit nicht mehr überbaut, und so müssen wir uns nicht durch später errichtete Gebäude wühlen", erklärt Schäfer.

In den kommenden Jahren wollen die Archäologen sich darauf konzentrieren, das Heiligtum der Athene von Sigeion zu finden. Erste Keramiken und vor allem eine Inschrift auf einer weißen Marmorplatte liefern Hinweise auf den Tempel. Die Ehreninschrift belegt nicht nur die Existenz der Stadt Sigeion noch im dritten Jahrhundert vor Christus. Auch steht geschrieben, dass die Platte selbst aus dem berühmten Heiligtum stammt.

Schäfer hofft zudem, genug Zeit dafür zu haben, "die gesamte Stadt mit allen öffentlichen Plätzen sowie Privat- und Geschäftshäusern freizulegen. Ein großer Schritt wäre auch die Entdeckung des Friedhofs." Die Lizenz für die Grabung seitens der Türkei liegt vor. "Wenn es nach denen geht, dann graben wir hier die nächsten zehn Jahre. Wenn es nach mir geht auch – scheitern könnte es höchstens an der Finanzierung."

Das Projekt wurde die letzten drei Jahre von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Da der Vertrag ausläuft, stellen Schäfer und seine Kollegen nun einen Langzeitantrag, der ihnen die Finanzierung für die nächsten zehn Jahre sichern würde. "Das wäre ganz in unserem Interesse und in dem der Türken. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass wir zunächst Geld für die nächsten zwei bis drei Jahre bekommen werden", sagt der Archäologe.

 
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