Ob der Fußballer den Schuss versenkt, entscheiden seine Nerven
Wenn ein Athlet oder ein Verein also einen Trainer für die mentale Fitness sucht, sollte er sich an einen "richtigen" Sportpsychologen wenden, der auch vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft anerkannt ist, sagt Michael Kellmann, Leiter des Arbeitsbereichs Sportpsychologie an der Ruhr-Universität Bochum. Nur diese Experten könnten auf allen drei Ebenen – der Beratung des Trainers ("Coach the coach"), dem Mannschaftstraining und der Einzelbetreuung – agieren und die verschiedenen Formen des psychologischen Sporttrainings umsetzen.
Dabei unterscheidet Kellmann Mentaltraining im weiteren und im engeren Sinne: Im Allgemeinen zählen als Mentaltraining alle möglichen psychologischen Trainingsformen, also jene, die Wahrnehmung, Motivation, Konzentration, Fertigkeit und Aktivierung verbessern und die eigenen Ansprüche reguliert. Im Besonderen zählt als Mentaltraining die sogenannte Vorstellungsregulation oder Psychoregulation, wobei psychische Prozesse wie die Vorstellungskraft direkt Bewegungen beeinflussen, damit der Kopf dem Körper nicht mehr im Weg steht. Nur so kann ein Sportler oder ein Team die letzten Prozent Leistung aus sich herausholen.
Hermann, der Mentalcoach der Nationalelf, packt dazu vor einem Wettkampf mit jedem Spieler einen "mentalen Erste-Hilfe-Koffer". Aus diesem wird im Notfall das passende Mittelchen herausgeholt, beim Elf-Meter-Schießen zum Beispiel. Egal, wie oft man die Elfer trainiert hat: Ob der Fußballer dann vor zigtausend Zuschauern im Stadion den alles entscheidenden Schuss versenkt oder versemmelt, hängt vor allem von seiner Konzentration und Nervenstärke ab.
In Hermanns mentalem Erste-Hilfe-Koffer befindet sich deswegen immer das Rezept: "Mental muss sich der Spieler spätestens unmittelbar vor dem Elfmeter eine klare Handlungsanweisung geben. Zum Beispiel: Ich schieße das Ding rechts oben rein." Dass diese "Tore auf Ansage" funktionieren, bewies unter anderem das Elfmeter-Schießen gegen Argentinien im WM-Viertelfinale 2006.
- Datum 29.01.2010 - 12:13 Uhr
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- Serie Zukunftsvisionen
- Quelle ZEIT ONLINE
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Vor allem darauf, sich nicht provozieren oder ablenken zu lassen. Muhammed Ali hat ja u. a. eine Show abgezogen, um seine Gegner zu verunsichern. In einer Zeit, wo nur noch Bruchteile von Sekunden entscheidend sind, kann mentale Stärke, Konzentration und der Kampf gegen den Zweifel den entscheidenden Sieg bringen.
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