1890 werten 43 Hollerithmaschinen die Daten von 65 Millionen US-Bürgern aus
Hollerith lässt sein System 1899 patentieren. In einem Wettbewerb zählt er vier Bezirke der Stadt St. Louis in fünfeinhalb Stunden aus – die Konkurrenz braucht zwei Tage. Also werden bei der elften US-Volkszählung 1890 die Fragebögen von rund 65 Millionen US-Bürgern auf Lochkarten erfasst und von 43 Hollerithmaschinen ausgewertet.
Der Zeitdruck für die 2000 Helfer bei der Auszählung ist groß; manche sollen gelegentlich diskret das Quecksilber aus den Abfühlkästen gegossen und die Reparaturpause für eine Zigarette genutzt haben. Trotzdem liegt eine grobe erste Auswertung schon nach sechs Wochen vor, das Endergebnis im Dezember.
Hollerith macht seine Maschinen danach leichter programmierbar, und sie ziehen die Karten bald selbstständig ein. Als er sich mit dem Census Bureau überwirft, stehen Abnehmer aus der Wirtschaft Schlange. Hollerith erfindet auch eine Vermarktungsmethode, die es in der Computer- und Handy-Branche bis heute gibt: Er stellt seine Maschinen preisgünstig zur Verfügung – und verdient an den Lochkarten.
1896 gründet Hollerith die Tabulating Machine Company (TMC). 1911 wächst das Firmengeflecht dem notorischen Choleriker über den Kopf, er verkauft die TMC an den Geschäftsmann Charles Flint, der sie mit weiteren Firmen zur Computing-Tabulating-Recording Company vereint. 1924 wird sie in International Business Machines IBM umbenannt.
Da hat Hollerith sich längst ins Privatleben zurückgezogen. Er hat sechs Kinder mit seiner Frau Lucia – nein, nicht mit Kate, der Geflügelsalatliebhaberin –, züchtet Kälber, sammelt Boote, baut auf seiner Farm Scheunen, Schuppen und Vogelhäuser. Er stirbt 1929 an einem Herzinfarkt.
- Datum 28.02.2010 - 16:08 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 2
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Das Weben selbst ist prinzipiell binär, der Webstuhl ist der Vorläufer des Computers. Und zu Lochkarten:
"1728 verwendete ein Seidenweber aus Lyon gelochte Holzbrettchen zu Steuerung seiner Webstühle."(Wikipedia)Brettchenwebstühle kann man heute in Neumünster im Textilmuseum besichtigen.
@kerle 51: "Das Weben selbst ist prinzipiell binär" - stattgegeben. Auch die Musikinstrumente, die schon vor Hollerith per Lochstreifen gesteuert wurden, sind ja binär: Ton oder nicht Ton, das ist hier die Frage. Natürlich ist Hollerith vor allem ein weiterer Schritt in einer Entwicklung, die vorher anfing und hinterher nicht aufhörte - das ist in der Technikgeschichte ja immer so. Aber wie gesagt: Ein wichtiger Schritt, weil er die Informationen in Strom übesetzt und weil er sich Gedanken macht, wie nicht-binäre Informationen sich binär umsetzen lassen.
@Argusaugen: Ich vermute, Ihr Kommentar ist unter dem falschen Text gelandet. Falls er sich tatsächlich auf die Hollerith-Geschichte beziehen sollte, wäre ich für eine Erläuterung dankbar.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren