Polnische Namen werden "eingedeutscht"
Preußen will die Zuwanderer nicht integrieren, sondern "germanisieren". 1901 etwa weist der Innenminister des Deutschen Reiches den Regierungspräsidenten in Münster an, bei der Eindeutschung polnischer Namen großzügig zu verfahren, weil Namensänderungen "die Verschmelzung des polnischen Elements mit dem deutschen zu fördern geeignet sind".
Wir haben die Ruhrpolen verdaut
Helmut Schmidt, ehemaliger Bundeskanzler
Deshalb muss man heute oft genau hinschauen, um die polnischen Namen in den Telefonbüchern zu erkennen: Piechas hießen wohl mal Piechaczyk, Giesbergs vielleicht Gizelski, und Janfelds könnten Janowskis gewesen sein. Auch Schimanski war mal ein Szymański. Wo Rybarczyk zu Reiber, Pawlowski zu Paulsen oder gar Majrczak zu Mayer wurde, sind die Spuren verwischt. Viele wissen heute selbst nicht mehr, dass ihre Vorfahren aus Polen oder Masuren kamen.
Eine originelle Vorstellung von Integration schwingt noch mit, als in den siebziger Jahren der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) sagt: "Wir haben die Ruhrpolen verdaut, also werden wir auch die Gastarbeiter verdauen." Dabei hat der Pott die Polen nicht verdaut, sondern wieder ausgespuckt: Ein großer Teil – rund zwei Drittel – verlässt das Ruhrgebiet, als 1918 die Republik Polen gegründet wird und sie wieder einen Staat haben.
In der Wirtschaftskrise ziehen weitere Polen aus dem gebeutelten Land an Rhein und Ruhr in die französischen und belgischen Kohlegebiete. Ende der zwanziger Jahre sind geschätzte 150.000 Polen übrig. Die Nationalsozialisten zwingen sie zur Anpassung, ihre Vereine werden "gleichgeschaltet" und ihre Funktionäre verfolgt, teilweise ermordet.
- Datum 02.03.2010 - 11:30 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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„Piechas hießen wohl mal Piechaczyk, Giesbergs vielleicht Gizelski, und Janfelds könnten Janowskis gewesen sein.“
Hellmuth Kleine-Vennhaus im Loh, bekannt unter dem Künstlernamen Hellmuth Vensky, liefert hier einen in Vermutungen und Unterstellungen ertrinkenden Beitrag ohne jede Aussagekraft. Dabei wäre gut recherchierter Vergleich über die Bevölkerungsentwicklung im Ruhrgebiet vor 1900 und nach 1960 ein notwendiges und begrüßenswertes Unternehmen. Ein Satz wie „Das aufstrebende Preußen verleibt sich große Regionen mit überwiegend polnischer Bevölkerung ein“ ist ohne näheres Eingehen vor allem auf die Geschichte Oberschlesiens irreführend. Dieser Beitrag von Hellmuth Kleine-Vennhaus im Loh atmet einen Vulgär-Nationalismus, der überwunden sein sollte.
Der Helmut Schmidt zugeschriebene Ausspruch "Wir haben die Ruhrpolen verdaut, also werden wir auch die Gastarbeiter verdauen" ist ein gutes Beispiel für organizistisches Denken, das heißt, für die Vorstellung von einem Volk oder Reich als Organismus oder Körper, der natürlich auch einen Magen hat. Die in Deutschland verbliebenen Ruhrpolen wurden verdaut, das heißt assimiliert - ein Vorgang, der sich in der Geschichte dauernd ereignet. So gingen Sabiner, Samniten oder Etrusker im Römertum auf, ihre Sprachen starben aus - im Gegensatz dazu ließen sich später viele Einwanderer mit germanischem Migrationshintergrund nicht mehr assimilieren, ja nicht einmal (als Vorstufe dazu) integrieren, sondern bildeten Parallelgesellschaften, zum Beispiel die Goten. Zur Vorstellung von einem Volk oder Reich als Organismus gehört auch, das es biologischen Gesetzen unterliegt, also irgendwann altersschwach wird und ausstirbt. Und im Alter lässt die Verdauungskraft nach...
Am Beispiel der Polen erkennt man, wie Exklusion funktioniert und geschlossene Gesellschaften geschaffen werden. Den Türken erging es in den 70er bis heute ebenso. Assimilation schützt nicht, wie man bei den deutschen Juden feststellen muss. Der Schluss muss auf eine Vermischung der Völker hinlaufen. So lange man einen Job nicht bekommt, weil man Kemal und nicht Sascha heißt, so lange wird man hier ein Problem von Parallelgesellschaften haben.
das einen besseren Artikel verdient hätte!
Der Informationsgehalt tendiert hart gegen Null und der Artikel ist darüber hinaus auch noch in höchstem Maße anachronistisch. Von einer "Erfolgsgeschichte der Integration" kann also keine Rede sein? Sowas aber auch!
Wer glaubt, er könne mit den wertmaßstäben einer modernen Demokratie eine nationalistische Monarchie sachgerecht beurteilen sollte von historischen Themen fortan die Finger lassen.
Grüße
Bierbaron
Momang, Bierbaron. Tut mir leid, wenn der Informationsgehalt Ihren Ansprüchen nicht genügt. Aber den Schuh der Ahistorizität, den Sie wohl mit "anachronistisch" meinen, mag ich mir nicht anziehen - ich habe nie behauptet, es handle sich um eine "Erfolgsgeschichte der Integration". Das tun andere, siehe Helmuth Schmidt ("verdaut"), Festredner zur Kulturhauptstadt oder auch der Stadtsoziologe Walter Siebel 1998 in der Zeit. Die Diskussion, wie gelungene Integration unter den Bedingungen der Zeit aussehen könnte, habe ich nicht zu führen. Außerdem lasse ich fortan Ihrem sachkundigen Rat gemäß von historischen Themen die Finger. Jedenfalls für heute.
Momang, Bierbaron. Tut mir leid, wenn der Informationsgehalt Ihren Ansprüchen nicht genügt. Aber den Schuh der Ahistorizität, den Sie wohl mit "anachronistisch" meinen, mag ich mir nicht anziehen - ich habe nie behauptet, es handle sich um eine "Erfolgsgeschichte der Integration". Das tun andere, siehe Helmuth Schmidt ("verdaut"), Festredner zur Kulturhauptstadt oder auch der Stadtsoziologe Walter Siebel 1998 in der Zeit. Die Diskussion, wie gelungene Integration unter den Bedingungen der Zeit aussehen könnte, habe ich nicht zu führen. Außerdem lasse ich fortan Ihrem sachkundigen Rat gemäß von historischen Themen die Finger. Jedenfalls für heute.
Momang, Bierbaron. Tut mir leid, wenn der Informationsgehalt Ihren Ansprüchen nicht genügt. Aber den Schuh der Ahistorizität, den Sie wohl mit "anachronistisch" meinen, mag ich mir nicht anziehen - ich habe nie behauptet, es handle sich um eine "Erfolgsgeschichte der Integration". Das tun andere, siehe Helmuth Schmidt ("verdaut"), Festredner zur Kulturhauptstadt oder auch der Stadtsoziologe Walter Siebel 1998 in der Zeit. Die Diskussion, wie gelungene Integration unter den Bedingungen der Zeit aussehen könnte, habe ich nicht zu führen. Außerdem lasse ich fortan Ihrem sachkundigen Rat gemäß von historischen Themen die Finger. Jedenfalls für heute.
Es ärgert mich immer wieder sehr, dass Journalisten mit unwahren Behauptungen ihre Artikel "aufpeppen" wollen. Die Polen als erste Einwanderer ins Ruhrgebiet? Das sind wohl eher die gewesen, die sich gegen eine polnische Einwanderung gewehrt haben - und die waren auch nicht die "Ersten"! Wir sind alle Einwanderer und ein autochthones "Volk" gibt es nirgends auf der Welt.
Wenn Lehrer und auch Jounralisten endlich anfangen würden, diesen fundamentalen Grundsatz zu verbreiten, hätten wir vielleicht weniger Ärger mit xenophoben Gestalten wie unter anderem den Neonazis.
Man muß ja nur ein beliebiges deutsches Telefonbuch aufschlagen, nicht nur im Ruhrgebiet: Neben den vielen Müllers und Schmidts, Hinzes und Kunzes findet sich ja auch eine beachtliche Anzahl von Kowalskis, Kaminskis, Wischnewskis, Katschmareks, Czerwonkas, Smyreks oder Gelowiczs. Dabei tragen die allermeisten selbstverständlich durchschnittsdeutsche Vornamen wie Gudrun, Jürgen, Steven oder Fritz.
Verglichen mit den zahlreichen Nachnamen slawischen Ursprungs scheinen die direkten Nachfahren Mozarts, Dürers, Hölderlins, Wittgensteins, Schongauers, Goethes, Varnhagens oder Schopenhauers heutzutage arg in der Minderheit zu sein. Auch die französischen Familiennamen der Hugenotten, meist zitiertes Paradebeispiel für Deutschlands Tradition als Einwanderungsland, sucht man eher wie die Stecknadel im Heuhaufen.
Die polnische Zuwanderung hat, denke ich, nicht nur Integration und Assimilation der Einwanderer bedeutet, sondern sicherlich auch Rückwirkungen auf die deutsche Mentalität gehabt, zumal in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Großteil der demokratisch gesinnten deutschen Jugend in die USA auswanderte, während die Arbeiterfamilien der Großstädte (darunter viele polnischstämmige) in der zweiten Jahrhunderthälfte ein Vielfaches mehr an Kindern in die Welt setzten als das Bürgertum.
Ein Blick in die Geschichte legt nahe, daß Deutsche, Franzosen und Engländer sich einmal sehr ähnlich gewesen sein müssen. Daß die Angelsachsen von Angeln und Sachsen abstammen (nach heutiger Begrifflichkeit also Niedersachsen und Schleswig-Holsteinern), ist bekannt. Ebenso unstrittig ist, daß sowohl Deutschland als auch Frankreich aus ein und demselben Merowinger- und Karolingerreich hervorgegangen sind.
Während die Deutschen aber in den daruffolgenden Jahrhunderten starke Vermischung mit den slawischen Nachbarn verzeichneten, haben die Engländer sich derweil mit Schotten, Iren und Walisern vermischt. Was den Deutschen also ihre Kinskis und Hrdlickas, Podolskis und Litbarskis, Pastewkas und Pilawas, Kempowskis und Kempinskis, Schimanskis und Motzkis sind, heißt in England McCartney oder Lennon, McMahon, Morrissey, Conan Doyle, MackIntosh, Boyle oder Connery.
Frankreichs Wohlstand wiederum zog zahlreiche Italiener und Spanier an. Nachfahren italienischer Einwanderer sind unter anderem so erzfranzösische Charaktere wie der Asterix-Zeichner Uderzo, der Chansonnier Yves Montand, Jean-Paul Belmondo oder – in gewisser Hinsicht – Napoleon, geboren 1769 als Napoleone Buonaparte in Ajaccio auf Korsika. Beide Eltern von Louis de Funes waren spanische Einwanderer.
Deutschland ist also slawischer geworden, Frankreich mediterraner und England keltischer, also britischer.
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