Erbgut-AnalyseTutanchamuns Eltern waren wohl Geschwister

War Tutanchamun der Sohn Echnatons oder stammt er von Amenhotep III. ab? Rund 3300 Jahre nach dem Tod des Pharaos ist das Rätsel dank einer DNA-Analyse gelöst. von 

Der Ägyptologe Zahi Hawass, Chef der ägyptischen Altertümerverwaltung, überwacht die Freilegung der Mumie von König Tutanchamun aus seinem steinernen Sarkophag im berühmten Tal der Könige bei Luxor (Archivfoto)

Der Ägyptologe Zahi Hawass, Chef der ägyptischen Altertümerverwaltung, überwacht die Freilegung der Mumie von König Tutanchamun aus seinem steinernen Sarkophag im berühmten Tal der Könige bei Luxor (Archivfoto)  |  © epa Ben Curtis/dpa

Jung bestieg er den ägyptischen Thron, und jung starb er: der Knabenpharao Tutanchamun. Um seinen Tod, aber auch um seine Abstammung ranken sich seit langem Spekulationen. Mehr als 3300 Jahre nach dem Tod des jugendlichen Herrschers wurde das Rätsel mit Hilfe einer Erbgutanalyse nun gelöst.

Bekannt wurde der Kinderpharao durch sein nahezu ungeplündertes Grab, das Howard Carter 1922 im Tal der Könige entdeckte. Obwohl nur ein unbedeutender König, hatte Tutanchamun eine Menge kostbarer Grabbeigaben, wie eine goldene Totenmaske, einen goldenen Thron oder auch einen goldenen großen Fächer.

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Bereits im Alter von neun Jahren wurde er zum Kinderpharao der Amarnazeit um circa 1332 vor Christus. Doch bis jetzt war unklar, wer sein Vater war: Echnaton oder doch Amenhotep III.? Forscher um den Tübinger Humangenetiker Carsten Pusch und den Ägyptologen Zahi Hawass haben sich der Frage angenommen und die Verwandtschaftsbeziehungen geklärt.

Von September 2007 bis Oktober 2009 wurden elf Mumien von Königen, von denen manche mit hoher Wahrscheinlichkeit und andere mit Sicherheit mit dem Kinderpharao verwandt waren, anthropologischen, radiologischen und genetischen Untersuchungen unterzogen. Fünf weitere Mumien, die auf keinen Fall aus der Familie Tutanchamuns stammen können, wurden als Kontrollgruppe eingesetzt. Die Studie des Forscherteams wurde jetzt im  Journal of the American Medical Association (JAMA)  veröffentlicht.

Dass als Vater von Tutanchamun bislang sowohl Echnaton als auch auch Amenhotep III. infrage kamen, liegt an einer zweideutigen Inschrift. Der Forscher Zahi Hawass jedoch hat schon immer die These vertreten, dass "King Tut", wie er ihn liebevoll nennt, sehr wohl ein Sohn des Echnaton ist. Und er wurde bestätigt: Die Genanalyse zeigt, dass Pharao Echnaton höchstwahrscheinlich der Vater von Tutanchamun war.

"Ich finde es spannend zu erfahren, wer die Eltern von Tutanchamun sind. Aber ich bin ein wenig enttäuscht, dass Echnaton zwar der Vater, Nofretete jedoch nicht die Mutter zu sein scheint, weil dadurch die perfekte Einheit der beiden angekratzt wird", sagt Olivia Zorn, stellvertretende Direktorin des Ägyptischen Museums und der Papyrussammlung in Berlin. So konnten die Forscher durch die DNA-Analyse auch die Mutter Tutanchamuns ausmachen – es ist wohl eine seiner Tanten. Seine Eltern waren somit Geschwister. Die Identität der weiblichen Mumie ist jedoch noch nicht eindeutig geklärt.

Einer weitverbreiteten Theorie zufolge war nicht Königin Nofretete, die eine bedeutende Rolle am Hofe und in der damals neuen Sonnengott-Religion spielte, die Mutter von Tutanchamun, sondern Kija, eine der Nebenfrauen Echnatons. Offen ist auch weiterhin, ob Nofretete demnach nicht nur Tutanchamuns Stiefmutter, sondern auch seine Schwiegermutter war. Denn verheiratet wurde der junge Pharao höchstwahrscheinlich mit einer seiner Halbschwestern.

"Es sollte klar sein, dass die Geschichte des alten Ägypten durch diese Untersuchung nicht komplett neu geschrieben wird. Aber es ist natürlich das I-Tüpfelchen eine solch interessante Person en détail zu kennen und nun auch noch die Verwandtschaft geklärt zu haben", sagt Zorn. Obwohl Hawass Präsentationen immer sehr öffentlich wirksam seien, sei seine Arbeit nicht zu kritisieren, sagt Zorn.

Leserkommentare
  1. klar, dass Hawass das für einen guten Zeitpunkt hält, eine neue Mumikensau durchs Dorf zu treiben.
    1. DNA-Untersuchungen mit Material dieses Alters sind nur dann annähernd glaubwürdig, wenn sie von zwei unabhängigen Instituten in Double-Blind-Analysen bestätigt werden. Kostenpunkt < 100.000$
    Wer das nicht zuläßt, setzt sich des Verdachts des Betruges, der Täuschung und der Unredlichkeit aus.
    2. Niemand weiß, wo die die Mumie von Echnaton ist. Mit welcher Mumie wurde das Erbgut verglichen?
    @ZEIT: Danke für Eure Hilfe bei der Urlaubsplanung. Aber ein bißchen mehr kritische Distanz hätte ich schon erwartet.
    August

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Tutanchamun | Zahi Hawass | Jesus | DNA-Analyse | Malaria | Nofretete
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