Michail Gorbatschow Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben
Seite 2/2:

Doch Gorbatschow hat Geister gerufen, die er nicht mehr los wird

Zu diesem Zeitpunkt hat "Gorbi" den Zenit seiner Karriere erreicht. Eigens für ihn wird das Amt des Präsidenten der UdSSR geschaffen. Doch Gorbatschow hat Geister gerufen, die er nicht mehr los wird. Die Teilrepubliken der Sowjetunion streben nach Unabhängigkeit. Als erstes erklärt sich Litauen für souverän – am 11. März 1990, auf den Tag fünf Jahre, nachdem Gorbatschow an die Macht kam. Er lässt das Land erst von der Energie- und Lebensmittelversorgung abschneiden, schickt dann Panzer. Am Blutsonntag von Vilnius am 13. Januar 1991 sterben 14 Menschen. Gorbatschow gilt im Baltikum bis heute als Verbrecher, nicht als Heilsbringer.

Um die Fliehkräfte zu bremsen, bereitet Moskau einen neuen Unionsvertrag vor, der den Teilrepubliken mehr Unabhängigkeit gibt. Im August 1991 putschen konservative kommunistische Politiker und Militärs (die "Bande der Acht"), um den Umbau zu stoppen. Nicht Gorbatschow, sondern der damals neu gewählte Präsident der Teilrepublik Russland bekommt den Putsch in den Griff: Boris Jelzin.

Einen Tag nach der Niederschlagung des Putsches erklärt die Ukraine ihre Unabhängigkeit, weitere Sowjetrepubliken folgen. Jelzin entmachtet Gorbatschow schrittweise. Am 25. Dezember 1991 tritt dieser als Präsident zurück. Die Rote Fahne über dem Kreml wird eingeholt, die UdSSR hört am Silvesterabend 1991 zu existieren auf.

Der Rest ist Chaos. Der behutsame wirtschaftliche Umbau, den Gorbatschow sich vorgestellt hat, ist gescheitert. Oligarchen reißen die Reichtümer des Landes an sich. Gorbatschow geben die Russen die Schuld für das Durcheinander; als er 1996 zu den russischen Präsidentschaftswahlen antritt, erhält er nicht einmal ein Prozent der Stimmen. Heute reist er gern als Elder Statesman durch die Welt; in Russland hört niemand mehr auf ihn. Solche Gefahren warten auch auf jene, die das Leben nicht ignorieren.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. keine1

    [...]Wegen ihn sind Million in die Armut gerutscht, hunderttausend gestorben und er hat das Land in den Bankrott gestürzt. Alles was in den 90er passiert ist geht auf seine und Jelzins Kappe.
    Er wollte dem Westen gefallen und hat jeden misst geglaubt und gemacht. Das die ganzen Verträge die er mit dem Westen abgeschlossen hat, sind ein Dreck wert, weil der Westen schon kurze zeit später an diese nicht mehr gehalten hat.

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/ag

    Eine Leser-Empfehlung
  2. ...sondern die gesamte politische Kaste, die nach ihm kam - unter Jelzin.

    Russland ist viel zu groß und hat eine viel zu große Anzahl von Völkern in sich vereint, als dass es wirklich gerecht regiert werden kann.

    Zu viele unterschiedliche Mentalitäten und gesellschaftliche Anschauungen treffen hier aufeinander.

    Auch vor Gorbatschow war Russland bereits korrupt - genauso wie jedes andere Land dieser Welt.

    Hinter den schön heraus geputzten Fassaden der "Prospekte" (Hauptstraßen) traf man direkt auf das Elend der Bürger im Kommunismus.

    Wir können Russland nicht mit unseren Maßstäben messen, dafür sind die Mentalitäten dort ganz andere.

    Das "Volk" wollte seine "Freiheit" - die hat es bekommen.
    Diese "Freiheit" ist eben nur schlimmer als in den neuen Bundesländern nach der Wende.

    Der "Westen" hat sich auch nicht an die Worte Helmut Kohl's gehalten, der den Ostdeutschen versprach, dass es keinem DDR-Bürger schlechter gehen wird als zu zuvor, die Jobs und Ausbildungsplätze sicher wären.

    Genau diesen Lügen sind die Ostdeutschen auf den Leim gegangen.

    Wird eine, wenn auch marode Infrastruktur vollkommen vernichtet, dann fallen letztlich auch die Arbeitsplätze weg.

    Das war hier so und ist in Russland nicht anders.

    Russland hat sich schon immer auf den Reichtum seiner Bodenschätze verlassen und von den Technologien und dem Fleiß der Ostdeutschen profitiert.

    Gorbatschow tat damals das einzig Richtige, denn der RGW (Comecon) war am Ende.

  3. Die UdSSR hatte den kalten Krieg gegen die USA verloren. Es war zu einem gigantischen Wettrüsten gekommen, welches seinen Höhepunkt erreichte, als Reagan mit seinem SDI-Programm sogar den Weltraum aufrüstete.

    Die UdSSR konnte dieses Wettrüsten nicht gewinnen, weil sie mit dem Sozialismus ein weniger konkurrenzfähiges Wirtschaftssystem hatte.

    Als Gorbatschow an die Macht kam, war die UdSSR schon fast am Ende. Er hat dieses unvermeidliche Ende der Weltmacht Sowjetunion dann nur noch auf charismatische Art und Weise verwaltet. Die Bedeutung der Person Gorbatschow für die Weltgeschichte wird allgemein überschätzt. Viel eher war es Reagan, der mit seinem Wettrüsten den Erzfeind in die Knie zwang.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service