Sie ist das größte Brackwassermeer der Erde, war bereits zu Zeiten des Römischen Reiches mit weit verzweigten Handelswegen erschlossen und gilt als das wrackhaltigste Meer: die Ostsee . Bei Arbeiten an einer Gas-Pipeline wurden nun auf dem Grund der Baltischen See in schwedischen Gewässern erneut wertvolle und bislang unbekannte Schiffswracks gefunden.

Insgesamt stießen Arbeiter auf zwölf gesunkene Schiffe – neun davon sind älter als 100 Jahre. Es sei deshalb ein bedeutender Fund mit "enormem kulturhistorischen Wert", sagte Peter Norman vom schwedischen Reichsantiquariats-Amt dem Rundfunksender Sveriges Radio am Montag. Auch die staatlichen Schifffahrtsmuseen in Schweden stufen die neun Funde in der eigenen Ostsee-Zone als "ausgesprochen wertvoll" ein.

So hätten drei der Wracks noch einen intakten Rumpf. "Sie sind ein echtes Stück Geschichte und können uns ihren historischen Kontext genau erzählen", sagt Norman im Gespräch mit ZEIT ONLINE. Das älteste der neu entdeckten Wracks in Schwedens Wirtschaftszone könnte mehr als 1000 Jahre alt sein. "Wir vermuten, dass eines der Schiffe aus dem Mittelalter stammt", sagt Norman. Der Grund für die Vermutung sei der enorme Verfall des Holzes: "Solche Schäden, wie sie bei diesem Wrack zu sehen sind, entstehen durch die Kraft des Wassers. Doch in dieser Tiefe gibt es kaum Bewegung. Die Strömungen sind nicht stark, und es gibt keine Wellen. Das Schiff muss schon seit einer geraumen Weile dort liegen."

Die meisten der in bis über 100 Meter Tiefe liegenden und nach oben ragenden Schiffe stammen laut Norman jedoch aus dem 16. beziehungsweise aus dem 18. bis 19. Jahrhundert. "Wir können das Alter der Schiffe allerdings nur schätzen. Sie liegen zu tief, als dass unsere Taucher die Wracks unter Wasser untersuchen könnten, und haben daher nur Fotos als Anhaltspunkte." Die Wracks seien mittlerweile registriert, bleiben jedoch unangetastet auf dem Grund des Meeres liegen.

Entdeckt wurden die Schiffe dadurch, dass die Firma Nord Stream den Grund des Meeres östlich der schwedischen Insel Gotland systematisch untersucht hat und abfotografieren ließ. Hier soll in Zukunft eine Gas-Pipeline verlaufen. Ein Sprecher der Firma erklärte, dass keiner der Funde direkt in der geplanten Linienführung der Leitung liege. Man rechne deshalb auch nicht mit Verzögerungen bei den von Frühjahr an geplanten Bauarbeiten, wolle aber Rücksicht auf die Interessen der Archäologen nehmen.

Die von Umweltschützern umstrittene Leitung mit einer geplanten Länge von rund 1200 Kilometer soll vom russischen Wyborg bis nach Lubmin bei Greifswald reichen. Ab Ende 2011 soll russisches Erdgas nach Deutschland fließen, ohne die Ukraine zu durchqueren.

Erst im Sommer 2009 waren im Greifswalder Bodden die Reste eines 300 Jahre alten Wracks geborgen worden. Es gehörte zu einer künstlichen Schiffssperre, die die Schweden 1715 quer durch den Bodden legten, um den feindlichen Dänen die Einfahrt zu verwehren.