Die Geschichte der Tiefkühlkost Einfrieren wie die Eskimos
Was den Deutschen Käpt'n Iglo, ist den Amerikanern Captain Birdseye. Letzteren gab es wirklich, vor fast hundert Jahren schaute er sich die Tiefkühlkost von den Inuit ab.
So recht wissen die braven Bürger von Springfield im amerikanischen Massachusetts nicht, was sie mit dem knallhart gefrorenen Spinat und den eisigen Fischen anfangen sollen, die am 6. März 1930 in ihrem Supermarkt liegen. Tiefkühlkost haben sie noch nie gesehen. Zum Glück stehen Berater hinter der Auslage. So wird die Ware, hier erstmals für ganz gewöhnliche Kunden käuflich zu erwerben, zum Riesenerfolg.
Ihren Anfang nimmt die Geschichte dieses Erfolges schon viel früher, zwischen 1912 und 1915. Da ist ein junger Wissenschaftler im Auftrag der US-Behörden in der kanadischen Arktis unterwegs, um das Leben der Ureinwohner zu studieren – und nebenbei ein paar Felle zu handeln. Er heißt Clarence Birdseye.
Stünde diese Geschichte in einer englischen Zeitung, würden die Leser jetzt stutzen: Birdseye? Captain Birdseye? Denn so heißt auf dem britischen Markt die Werbefigur, die auf Deutsch als Käpt'n Iglo über die Weltmeere schippert und immer neue Abenteuer erlebt. Im Polarmeer zum Beispiel.
- Birds Eye und Iglo
Die Marke Birds Eye erlebt eine wechselvolle Geschichte: Das Unternehmen Postum benennt sich mit der Übernahme von Birdseyes Firma in General Foods um. 1985 wird die Firma vom damaligen Mischkonzern Philip Morris gekauft und mit Kraft verschmolzen. Heute ist Birds Eye in den USA wieder ein selbstständiges Unternehmen. In Europa gehört die Marke lange zum britisch-niederländischen Unilever-Konzern, der aber sowohl Birds Eye als auch das deutsche Äquivalent Iglo 2006 an den Finanzinvestor Permira verkauft.
- Konservierung
-
Vier grundlegende Methoden der Konservierung gibt es, manche Techniken kombinieren mehrere davon. Am einfachsten ist es, schädlichen Organismen die Lebensgrundlage zu entziehen und sie so am Wachstum zu hindern – zum Beispiel durch Trocknen, Einsalzen, Kühlen oder Einfrieren, luftdichtes Verpacken oder Verpacken unter Schutzgasatmosphäre.
Ebenfalls relativ simpel ist es, Bakterien und andere Organismen abzutöten und dann einen neuen Kontakt zu verhindern, zum Beispiel durch Einkochen, Pasteurisieren oder Räuchern. Auch Begasen und Bestrahlen mit Radioaktivität sind Ausprägungen dieser Methode.
Nur bei manchen Lebensmitteln lässt sich einer der Inhaltsstoffe so hoch konzentrieren, dass er die Entwicklung von Schadorganismen verhindert – zum Beispiel bei der Destillation von Obst oder Getreide (Alkohol tötet Bakterien) oder beim Raffinieren von Fetten (Verunreinigungen als Nährstoffe für Schädlinge werden beseitigt).
Auch Lebensmittelzusatzstoffe können die Entwicklung der mikrobiellen (Bakterien) und makrobiellen (Pilze, Würmer, Insekten) Schädlinge verhindern. Dazu zählen etwa Pökelsalz, Essig, Alkohol oder Zuckersirup.
Keine Konservierungsmethode im engeren Sinne ist die Veredelung, etwa von Milch zu Käse oder Saft zu Wein. Hier wird das Ausgangsprodukt gezielt „verdorben“; das Resultat ist oft länger haltbar.
Tatsächlich heißt der Erfinder der Tiefkühlkost Clarence Birdseye. Ohne Captain. 1886 in Brooklyn, New York, geboren, Biologiestudent. 1910 und 1911 arbeitet er erstmals für die US-Behörden, sammelt im Bitterroot Valley in Montana Hunderte kleiner Säugetiere, um ihr Ungeziefer der Forschung in Sachen Rocky-Mountains-Fleckfieber zuzuführen.
Dann verschlägt es Birdseye in den hohen Norden, nach Labrador. Die Inuit nehmen ihn zum Eisfischen mit. Der neugierige Forscher stellt fest, dass die gefangenen Fische bei den eisigen Temperaturen von minus 40 Grad Celsius sofort frieren – und nach dem Auftauen frisch schmecken, viel frischer als der gekühlte Fisch, den er aus New York kannte. Diese Erkenntnis macht Birdseye ein paar Jahre später zum Millionär.
Dass Kälte Bakterien am Wachsen und damit Lebensmittel am Verderb hindert, wissen Menschen seit Hunderten von Jahren. Auch Kühlschränke, sogar Eismaschinen gibt es zu Birdseyes Zeit schon: Carl von Linde hat 1874 eine Kältemaschine erfunden, die mit Ammoniak arbeitet. Bisher sind aber alle Versuche des Einfrierens daran gescheitert, dass es zu langsam ging. Dann bilden sich im Gefriergut große Kristalle, die die Zellstruktur zerstören und so Textur und Geschmack des Lebensmittels verderben.
- Datum 05.03.2010 - 14:23 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 3
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Was zum Thema Salz oder die Geschichte vom weißen Gift zum weißen Gold
http://wirbelung.wordpres...
sollte man wissen um Gesund zu bleiben!
... hat Ihre tiefgründige Anmerkung mit dieser Iglo-PR-Story zu tun?
... hat Ihre tiefgründige Anmerkung mit dieser Iglo-PR-Story zu tun?
... hat Ihre tiefgründige Anmerkung mit dieser Iglo-PR-Story zu tun?
Und wo bleibt der Kommentar von Deftone, dass die armen Fischis nun schon seit fast 100 Jahren großmaßstäblich den Erfrierungstod sterben?
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren