AnthropologieNeu entdeckter Hominide schließt eine Lücke der Evolution

In Südafrika haben Forscher zwei Skelette einer neuen Menschenart entdeckt. Australopithecus sediba könnte ein lange gesuchtes Bindeglied zwischen Affe und Mensch sein. von 

Schädel des Australopthecus sediba

Der Schädel des Hominiden Australopithecus sediba, der in einer südafrikanischen Höhle gefunden wurde   |  © Brett Eloff, Lee Berger and the University of the Witwatersrand

Es ist eine Landschaft, die das Auge entzückt: bis zum Horizont reichende Wiesen neben schroffen Abhängen und vereinzelten Bäumen. Was jedoch Forscher an der südafrikanischen Region Sterkfontein begeistert, liegt unter der Erde – und das seit Jahrmillionen.

Hier in den Malapa-Höhlen fanden Paläoanthropologen gut erhaltene Überreste einer bisher unbekannten Menschenart. Und nicht nur das. Ihr Fund gilt in Fachkreisen als Sensation: Denn Australopithecus sediba – so nannten die Forscher die neue Art – trägt sowohl Merkmale des affenähnlichen Australopithecus africanus sowie des Homo habilis,  der bereits zu den frühen Menschen zählt. Vielleicht ist die jetzt entdeckte Art sogar ein direkter Vorfahre des Homo erectus .

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Aufgespürt hatten Lee Berger und sein Kollege Paul Dirks von der Witwatersrand-Universität in Johannesburg die Fossilien in den Kalkstein-Höhlen von Sterkfontein, einer Region nordwestlich von Johannesburg. Wegen zahlreicher spektakulärer Funde wird diese Gegend auch Wiege der Menschheit genannt. Dort fand das Team die Skelette eines männlichen Kindes und einer Frau, deren Alter sie auf knapp zwei Millionen Jahre schätzen.

Doch woher wissen die Forscher, dass es sich um eine neue Spezies und nicht etwa um Fossilien der Gattung Homo handelt? Sie verglichen dazu die Fossilien aus Südafrika mit allen Überresten von Hominiden – also Menschenartigen –, die jemals gefunden wurden. Das Ergebnis: Die Eigenschaften der Frau und des Kindes aus den Malapa-Höhlen waren einzigartig.

Zwar weisen die Knochen Ähnlichkeiten mit der Gattung Homo auf – in Bereichen des Schädels und des Beckens – aber die Grundstruktur des Körpers ähnelt gleichzeitig eher der anderer Australopithecinen. Frau und Kind haben kleine Gehirne, relativ kleine Körper und lange, scheinbar starke Arme.

Die etwa zwei Millionen Jahre alten Fossilien könnten somit ein Bindeglied zwischen den noch affenartigen Vormenschen und den frühen Menschen darstellen, berichten die Wissenschaftler im Magazin Science.

"Ich glaube, dass dies ein guter Kandidat für die Übergangsspezies zwischen dem südlichen afrikanischen Affenmenschen Australopithecus africanus und dem Homo habilis ist oder sogar ein direkter Vorfahre des Homo erectus ", sagte Berger. Auch der Name der neuen Art – Australopithecus sediba zeugt von der großen Bedeutung, die die Forscher ihr zumessen. Denn "sediba" bedeutet in der südafrikanischen Sprache Sotho "natürliche Quelle". Ein treffender Name, wenn man bedenkt, dass diese Art der Ursprung der Gattung Homo sein könnte, meint der Entdecker.

Um einen Hominiden zu bestimmen, reicht den Frühmenschen-Forschern manchmal ein einziger Zahn oder ein winziges Knochenstück. Der Fossilienfund aus den Malapa-Höhlen umfasst sogar einen gut erhaltenen Schädel, Teile des Beckens und des Knöchels sowie Teile von Armen und Beinen.

Der zehn bis 13 Jahre alte Junge und die Frau, die zu ihrem Todeszeitpunkt Ende 20, vielleicht Anfang 30 war, könnten Mutter und Sohn gewesen sein – doch Beweise dafür gibt es nicht. Fest steht, dass sie vor 1,95 bis 1,78 Millionen Jahren lebten und beide mit 1,27 Metern etwa gleich groß waren. Die Forscher gehen aber davon aus, dass der Junge noch gewachsen wäre. Auch das Gewicht der Frühmenschen konnten die Forscher berechnen: So dürfte die Frau etwa 33, das Kind vielleicht 27 Kilogramm gewogen haben.

Leserkommentare
  1. Sein Pendant im Kaukasus ist dagegen nur uralt, aber kein Bindeglied? Wie sollen wir das verkraften? Da wir eh aus dem Wasser kommen, lesen wir lieber Dr. Fritz Kahn.

  2. Entfernt. Bitte tragen Sie mit sachlichen und konstruktiven Beiträgen zur Diskussion bei. Danke. Die Redaktion/sh

  3. .... wenn wir in diesem Tempo weitermachen, haben wir bis in 10 Millionen Jahren wahrscheinlich alle Lücken geschlossen.

  4. Während sie in der Überschrift postulieren:
    "Neu entdeckter Hominide SCHLIESST eine Lücke der Evolution"

    Steht in der Mitte des Artikels:
    "Die etwa zwei Millionen Jahre alten Fossilien KÖNNTEN somit ein Bindeglied zwischen den noch affenartigen Vormenschen und den frühen Menschen darstellen, berichten die Wissenschaftler im Magazin Science"

    Um mich an ein Zitat anzulehnen, welches oft auf unsägliche Postings folgt formuliere ich meinen Wunsch wie Folgt:

    Bitte tragen Sie mit sachlichen Titeln zum Niveau des Journalismus bei

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    jedoch muss man trotz der reisserischen ueberschrift anerkennen: irgendeine evolutionsluecke schliesst jede art (wenn aus ihr eine andere hervorgeht).

    Redaktion

    Lieber Leser,

    danke für Ihren Hinweis zum Titel. Aber hier heißt es doch gerade "schließt EINE Lücke der Evolution". Wir haben in der Wissenschaftsredaktion sehr genau darauf geachtet, eben nicht zu schreiben "Missing Link gefunden" oder "das Bindeglied zwischen Affe und Mensch".

    Die Forscher selbst sprechen in der Veröffentlichung in Science davon, dass der Fund Aufschluss über die Entwicklung auf dem Weg von affenähnlichen Vorfahren zu ersten Menschen gibt. Genau das beschreibt meines Erachtens die Überschrift.

    Herzliche Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.

  5. Immer wieder werden neue sensationelle Hominidenskelettreste entdeckt. Sofort bestimmen die Wissenschaftler mühelos Art und Stellung im Stammbaum und alles schein geklärt zu sein.

    Nur etwas kann ich vor allem in Hinblick auf die geringe Anzahl vollständig erhaltener Skelette (Lucy) einfach nicht verstehen:
    1. Wie können Artbestimmungen an wenigen Fragmenten, wie Zähnen und Fingergliedern vorgenommen werden?
    2. Wie kann ausgeschlossen werden, daß die neue Art nicht nur eine a) pathologische b) altersbedingte c) geschlechtsbedingte Variante einer bereits klassifizierten Art ist?
    3. Vergleicht man die vielen verschiedenen phänotypischen Varianten innerhalb des heutigen Homo sapiens sapiens, so fragt man sich doch, wie überhaupt Hominidenarten als solche erkannt werden können.

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    • diona
    • 09. April 2010 1:32 Uhr

    Ihre Fragen 1-3 werden durch 'Genexpression' und 'm-DNA' - Untersuchungen geklärt.

  6. jedoch muss man trotz der reisserischen ueberschrift anerkennen: irgendeine evolutionsluecke schliesst jede art (wenn aus ihr eine andere hervorgeht).

  7. Redaktion

    Lieber Leser,

    danke für Ihren Hinweis zum Titel. Aber hier heißt es doch gerade "schließt EINE Lücke der Evolution". Wir haben in der Wissenschaftsredaktion sehr genau darauf geachtet, eben nicht zu schreiben "Missing Link gefunden" oder "das Bindeglied zwischen Affe und Mensch".

    Die Forscher selbst sprechen in der Veröffentlichung in Science davon, dass der Fund Aufschluss über die Entwicklung auf dem Weg von affenähnlichen Vorfahren zu ersten Menschen gibt. Genau das beschreibt meines Erachtens die Überschrift.

    Herzliche Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.

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    Es scheint ein Hobby einiger ganz besonders Schlauer zu sein, Online-Redaktionen zu beweisen, dass sie eigentlich die besseren Journalisten sind. Nur hat`s bei der Masse eben doch nicht zu mehr als bestenfalls zur Schülerzeitung in der Realschule gereicht. Was bleibt sind ein paar erbsenzählige Kommentare, wo die Kompetenz von Journalisten und Redaktionen in Frage gestellt wird. Klassisches Totschlagargument ist dann im Zweifel immer der Vergleich mit der BILD-Zeitung. Wer was zu kritisieren hat, findet immer was. Wer ohne Fehler ist, werfe den ersten Stein. Und davon scheint es viele zu geben.

    • k2
    • 08. April 2010 23:11 Uhr

    Eine Subsektion der South African Association for the Advancement of Science, Pretoria, 1926(Jahrgang 1925 gibt es wahrscheinlich nicht (mehr)), soll 1925 in ihren Hand- oder Tagebüchern oder Rundschreiben("Circular= Omsendbrief") den "Australopithecus africanus" auf 2 Millionen Jahre alt datiert haben. Klassifizierungsprobleme habe ich keine. Siehe South African journal of science, Volume 100, 2004, South African Journal of Science, Volume 12, 2010, 634 Seiten; illius Volume 14‎, 2010, 526 Seiten; illius Volume 15‎, 702 Seiten; illius Volume 7‎, 2010, 404 Seiten. Neue Notationsweisen wurden an der Milleniumsschwelle eingeführt. dann habe ich in Science Magazine von Berger an der University of the Witwatersrand
    "Science 9 April 2010
    Vol. 328. no. 5975, pp. 195 - 204

    Australopithecus sediba: A New Species of Homo-Like Australopith from South Africa
    Lee R. Berger,1,2,* Darryl J. de Ruiter,3,1 Steven E. Churchill,4,1 Peter Schmid,5,1 Kristian J. Carlson,1,6 Paul H. G. M. Dirks,2,7 Job M. Kibii", welches vor 2 Stunden
    aufgeladen wurde, weil der alte Apacheserver ausgestiegen
    war;

    http://www.sciencemag.org...

    ferner wurde vor 2 Stunden ein InterviewAudiofile mit Lee Berger "on a newly discovered species of Australopithecus, about 1.9 million years old, and its many derived features with our own genus Homo" aufgeladen:

    http://www.sciencemag.org...

    http://www.sciencemag.org...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Evolution | Anthropologie | Australopithecus | Frühmensch | Gehirn | Südafrika
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