Zwei Sätze prägen das Apollo-Raumfahrtprogramm. Einer handelt von kleinen Schritten und großen Sprüngen, stammt von Neil Armstrong und markiert den spektakulärsten Erfolg des Programms: die erste Mondlandung. Der andere fällt ein knappes Jahr später: "Houston, wir haben ein Problem."

Bis dahin ist das Programm der Nasa zum größten Teil eine Erfolgsgeschichte, nach einem Rückschlag 1967, als bei Tests am Boden drei Astronauten in ihrer Kommandokapsel verbrennen. Der Test erhält nachträglich den Namen Apollo 1.

Sieben weitere Missionen (Apollo 2 und 3 gibt es nicht) bereiten die Mondlandung vor. Am 20. Juli 1969 setzt Apollo 11 im Mare Tranquilitatis auf, Apollo 12 noch im selben Jahr bei der 1967 auf den Mond gebrachten Sonde Surveyor 3 im Oceanus Procellarum. Eine interaktive Mondkarte auf Google-Moon zeigt die verschiedenen Landeplätze der Apollo-Missionen .

Die Landekapsel von Apollo 13, die Aquarius , soll im Fra-Mauro-Hochland aufsetzen. Dort wollen die Astronauten geologische Studien vornehmen. Doch es läuft nicht glatt für die Mission. Die ersten Probleme sind noch harmlos. Wenige Tage vor dem Start erkrankt der Ersatzpilot der Mondfähre, Charles Duke, an Röteln. Weil Ken Mattingly, Pilot der Apollo-Kapsel, nicht immun ist und während des Fluges erkranken könnte, wird er vorsorglich durch John Swigert ersetzt – das erweist sich später als Segen.

Auch mit den starken Vibrationen, die beim Start am 11. April 1970 in Cape Canaveral (Florida) auftreten, kommt Apollo 13 noch zurecht. Ein Triebwerk schaltet deshalb zu früh ab, aber die Saturn-V-Trägerrakete gleicht das selbsttätig aus, indem sie die anderen Triebwerke länger brennen lässt. Der Zwischenfall hat keine Folgen für die Flugbahn.

Doch dann, 55 Stunden und 54 Minuten nach dem Start, auf dem Weg zum Mond knapp 322.000 Kilometer von der Erde entfernt, explodiert einer der beiden Sauerstofftanks der Odyssey getauften Raumkapsel – der Grund sind, wie sich später herausstellt, eine ganze Reihe falscher Einstellungen und Einschätzungen.

Die Leitungen des zweiten Tanks werden beschädigt, sein Inhalt entweicht. Die Brennstoffzellen, die mit dem Sauerstoff Strom und Wasser erzeugen, können nur noch wenige Stunden laufen. Die Mission, das wird schnell klar, muss abgebrochen werden.

Doch wie wenden?

Doch wie wenden? Die Astronauten wagen nicht, das Haupttriebwerk einzuschalten; es könnte beschädigt sein und explodieren. Sie benutzen die Düsen der Landefähre, um das Raumschiff in eine weitere Umlaufbahn um den Mond zu bringen als vorgesehen – weshalb Apollo 13 bis heute den Rekord für die größte Entfernung von der Erde hält. Im Schwerkraftfeld des Mondes holt die Kapsel so Schwung für die benötigte Flugbahn zur Erde.

Es ist die große Stunde des Dank der Röteln an Bord gekommenen Jack Swigert: Er war an der Ausarbeitung der Notfall-Prozeduren für Apollo-Kapseln beteiligt, kennt sich wie kein zweiter US-Astronaut damit aus. Er weiß: In der Odyssey -Kapsel kann die Besatzung nicht bleiben. Die Astronauten wechseln in die Mondlandefähre: Die Aquarius wird zum Rettungsboot.

Zu einem eiskalten Rettungsboot. Die Systeme der Landefähre sind für zwei Astronauten und nur für die Zeit der Mondlandung ausgelegt – nicht für drei Männer und den mehrtägigen Rückflug zur Erde. Was Strom verbraucht und halbwegs verzichtbar ist, wird abgeschaltet, darunter das Navigationssystem und der Bordcomputer. Weil die Abwärme der Geräte in die Beheizung der Landefähre einberechnet ist, sinkt die Temperatur bis fast auf den Gefrierpunkt.

Auch das Luftreinigungssystem ist überfordert. Mit Bordmitteln – Plastiktüten, Flugplänen und sehr viel Klebeband – basteln die Astronauten nach den Anweisungen aus Houston einen Adapter, mit dem der Kohlendioxid-Filter aus der Odyssey sich auf das System der Aquarius zwingen lässt. Trotzdem wird die Zeit knapp. Eine viereinhalbminütigen Brennphase der Landefähren-Triebwerke beschleunigt das Raumschiff, damit der Rückflug kürzer wird.

Kurz vor Erreichen der Erde müssen die Astronauten in die Landekapsel umsteigen: Nur sie kann den Eintritt in die Atmosphäre überstehen. Der Versorgungsteil verglüht in der Erdatmosphäre, wie bei einem normalen Flug. Auch die Mondlandefähre überlebt nicht, und mit ihr die Alsep- Station, die zur Erforschung des Mondes auf dessen Oberfläche hätte bleiben sollen.

Am 17. April um die Mittagszeit halten alle im Kontrollzentrum den Atem an. Während des Eintritts in die Atmosphäre herrscht Funkstille. Der vorgesehene Blackout soll drei Minuten dauern. Er dauert länger. Und dauert. Schon fürchten sie in Houston, die Besatzung sei verloren. Doch die Kapsel ist sicher auf dem Wasser gelandet: Das US-Kriegsschiff Iwo Jima nimmt die Besatzung auf, verfroren und angespannt, aber unversehrt.

Die US-Weltraumbehörde Nasa bezeichnet die Mission später als "erfolgreichen Fehlschlag", weil die Astronauten trotz der Katastrophe heil zurück kommen. Eine Untersuchungskommission zieht Konsequenzen für die Konstruktion der Sauerstofftanks, und im Januar 1971 landet Apollo 14 an der für Apollo 13 vorgesehenen Stelle. Noch drei weitere Raumschiffe setzen auf dem Mond auf, dann ist 1972 mit Apollo 17 Schluss: Das Mondprogramm ist den USA zu teuer geworden.