1. Mai Die Bombe und der Revolutionär aus Hessen
Im Chicago des späten 19. Jahrhunderts kämpfte August Spies für Arbeiterrechte. Was kaum einer weiß: Der Ikone der Arbeiterbewegung gedenken wir am 1. Mai.

Dieser Schnitt von 1886 zeigt fälschlicherweise, dass die Bombenexplosion und die Straßenschlacht am 4. Mai des Jahres zur gleichen Zeit auf dem Chicagoer Haymarket stattfanden. August Spies hatte zu der Kundgebung aufgerufen
Es ist ein politisch brisantes Frühjahr, das Frühjahr 1886 in Chicago. Amerika erlebt seine schwerste Wirtschaftskrise. Die Banken haben sich verspekuliert. Die Regierung muss mit gewaltigen Finanzhilfen einspringen. Die Steuern steigen, die sozialen Mittel werden gestrichen. Die einfachen Menschen leben in Elend und bitterer Armut, arbeiten 12 bis 14 Stunden am Tag. Die Immigrantenströme in die 'Neue Welt' werden gleich vom Schiff weg, an Schlachthöfe, Fabriken, in den Straßen- und Eisenbahnbau vermittelt – zu Hungerlöhnen.
Doch im Mutterland des Kapitalismus regt sich Widerstand, bahnt sich ein Klassenkampf an. Auf den Straßen demonstrieren aufgebrachte Arbeiter für ein menschenwürdigeres Leben und gegen die Willkür der Arbeitgeber. Seit zwei Jahren schon fordern die Gewerkschaften den Achtstunden-Tag und seit Wochen drohen sie mit Streik, sollten die Fabrikbesitzer nicht einlenken. Für diesen Fall kündigen die Arbeiter am 1. Mai 1886 einen landsweiten Ausstand an.
Besonders zugespitzt hat sich der Arbeitskampf in Chicago. Die Stadt am Michigansee ist wegen ihrer Industrieanlagen von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Boomtown Chicago ist eine der größten Städte des Landes. Die Einwohnerzahl hat sich in nur zehn Jahren auf 600.000 verdoppelt, ein Drittel davon hat deutsche Wurzeln. Einer von ihnen ist August Spies. Er stammt aus dem nordhessischen Friedewald, geht schon mit 17 Jahren nach Amerika. Spies flüchtet vor Hoffnungslosigkeit, Hunger und Tod wie viele am Ende des 19. Jahrhunderts. 60 Millionen Wirtschaftsflüchtlinge in Europa sind auf der Suche nach einer besseren Zukunft.

August Spies im Jahr 1886: Ein unerbittlicher Kämpfer für die Rechte der Arbeiter
August Spies begreift bald, dass sich sein American Dream in einen Albtraum verwandelt. Denn die sozialen Verhältnisse in den USA sind noch schlimmer als in der alten Heimat. August Spies, der Förstersohn aus Hessen, ist wütend und verzweifelt. Aus Protest schließt er sich der amerikanischen Arbeiterbewegung an und steigt schon nach kurzer Zeit zum respektierten Führer auf, ein radikal-revolutionärer Kämpfer. Er gründet eine Arbeiter-Zeitung, wird dessen Chefredakteur und prangert in seinem Blatt die Chicagoer Missstände an.
Als am 1. Mai 1886 Zehntausende durch die Straßen der Stadt ziehen, gehören August Spies und seine Mitstreiter dazu. Wie erwartet, war das amerikanische Großkapital nicht auf die Forderungen der Gewerkschaften eingegangen. Es soll ein großer Tag für die Arbeiterbewegung werden. Hunderttausende sind im ganzen Land unterwegs. Ein anderes Leben scheint möglich. Aber die Stimmung in Chicago ist aufgeheizt. Die Presse hetzt gegen die Arbeiter. "Gefährliche Schurken befinden sich auf freiem Fuß. Statuiert an ihnen ein Exempel!" steht in den Zeitungen oder "Es ist sehr hübsch, wahres Elend zu lindern, aber die beste Mahlzeit für einen lumpigen Tramp ist Blei".
Ein riesiges Polizeiaufgebot ist auf den Straßen unterwegs. Scharfschützen gehen auf den Dächern in Position, das Militär steht in den Kasernen bereit. Doch entgegen aller Befürchtungen verläuft dieser 1. Mai friedlich. Zwei Tage später allerdings kommt es zu einem Zwischenfall in einer Landmaschinenfabrik. Bei einem Streikversuch werden vier Arbeiter von der Polizei erschossen. Alle Streikenden werden ausgesperrt. Und die Fabrikbesitzer rekrutieren einfach neue billige Arbeitskräfte aus dem Millionenheer der Wanderarbeiter.
August Spies ist empört von der brutalen Vorgehensweise und ruft in seiner Zeitung für den 4. Mai 1886 zu einer Protestkundgebung auf dem Haymarket auf, einem zentralen Platz mit zahlreichen Fabrikgebäuden und Warenhäusern. Etwa 1000 Arbeiter kommen an diesem Abend zusammen. Wieder sind die Sicherheitskräfte alarmiert, doch wie schon am 1. Mai bleibt es friedlich.
- Datum 01.05.2010 - 09:41 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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"Wer am 4. Mai 1886 die Bombe auf dem Haymarket von Chicago warf, ist nie geklärt worden. Sie detonierte gegen Ende einer friedlichen Demonstration für den Achtstundentag. Acht führende Anarchisten wurden verhaftet, vier von ihnen zum Tode verurteilt. Schon einige Jahre später war klar, daß es sich um einen Justizirrtum handelte.
Soweit die historischen Ereignisse, vor deren Hintergrund Jürgen Alberts die Geschichte des Attentäters entwickelt. Die Wege des Idealisten und Schustergesellen Karl Schasler aus Regensburg führen in die anarchistischen Zirkel Europas; er trifft Bakunin, landet in der Pariser Commune. Dann wandert er nach Amerika aus, schlägt sich durch und beginnt schließlich im Hinterstübchen seines Devotionalienladens, Bomben zum basteln. Als die Polizei wieder einmal gewaltsam gegen Arbeitgeber vorgeht, wirft er die Bombe, taucht unter - und erkennt bald, dass er einen verhängnisvollen Fehler begangen hat.
Jürgen Alberts verbindet Fakten und Fiktion zu einer spannenden Geschichte. In seinem Roman fängt er die Atmosphäre der anarchistischen Bewegung gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein: ein bewegtes Fest von Boheme, Romantikern, utopistischen Handwerkern und Gewaltbesessenen."
geschrieben in den achtzigern.
Wie schön zu wissen, dass es auch schon 1886 eine linksradikale autonome Szene gab. Da sieht man die jährliche 1. Mai Randale gleich unter einem milderen Licht. Halt eine seit über 100 Jahren praktizierte folkloristische Tradition, wie der Karneval, das Ostereiverstecken oder das Tannenbaumschmücken, gell?!
der arbeitenden Bevölkerung für ein menschenwürdiges Dasein nicht in einen Topf mit einer "Szene", die z.B. in Berlin am liebsten von "Senatsknete" leben würde, um sich ungestört der Weltrevolution widmen zu können.
der arbeitenden Bevölkerung für ein menschenwürdiges Dasein nicht in einen Topf mit einer "Szene", die z.B. in Berlin am liebsten von "Senatsknete" leben würde, um sich ungestört der Weltrevolution widmen zu können.
der in einem fremden Land Aufnahme gefunden hat.
Trotzdem hat er es gewagt, in diesem Land sich gegen die bestehende Ordnung zu wenden und diese zu kritisieren.
Das Thema ist nach wie vor aktuell.
Der Titel des Artikels ist meiner Meinung nach ein wenig irreführend, war es doch ein gewisser Adolf H. der den 1. Mai *in Deutschland* zum Feiertag machte...
der arbeitenden Bevölkerung für ein menschenwürdiges Dasein nicht in einen Topf mit einer "Szene", die z.B. in Berlin am liebsten von "Senatsknete" leben würde, um sich ungestört der Weltrevolution widmen zu können.
Zitat: "Es ist ein politisch brisantes Frühjahr, das Frühjahr 1886 in Chicago. Amerika erlebt seine schwerste Wirtschaftskrise. Die Banken haben sich verspekuliert. Die Regierung muss mit gewaltigen Finanzhilfen einspringen. Die Steuern steigen, die sozialen Mittel werden gestrichen. Die einfachen Menschen leben in Elend und bitterer Armut, arbeiten 12 bis 14 Stunden am Tag. Die Immigrantenströme in die 'Neue Welt' werden gleich vom Schiff weg, an Schlachthöfe, Fabriken, in den Straßen- und Eisenbahnbau vermittelt – zu Hungerlöhnen."
Soweit passt das ja zum 1.Mai 2010......
Zitat: "Doch im Mutterland des Kapitalismus regt sich Widerstand, bahnt sich ein Klassenkampf an. Auf den Straßen demonstrieren aufgebrachte Arbeiter für ein menschenwürdigeres Leben und gegen die Willkür der Arbeitgeber. Seit zwei Jahren schon fordern die Gewerkschaften den Achtstunden-Tag und seit Wochen drohen sie mit Streik, sollten die Fabrikbesitzer nicht einlenken. Für diesen Fall kündigen die Arbeiter am 1. Mai 1886 einen landsweiten Ausstand an."
Dann hört es aber mit den Übereinstimmungen plötzlich auf....
Mal Nachdenken!!!
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