Johannes Rau (1999-2004)
© Vincent Yu/AFP/Getty Images
Johannes Rau (1999-2004)
Als Johannes Rau 1999 zum Bundespräsidenten gewählt wurde, war es der zweite Versuch das höchste Amt der Republik zu übernehmen. Fünf Jahre zuvor war er gegen Roman Herzog gescheitert. Raus Nominierung war nicht unumstritten: Zum einen auf Grund seines Alters, zum anderen, weil viele sich erstmals eine Frau für das Amt wünschten. Rau trat als "Bürgerpräsident" an, den Spitznamen "Bruder Johannes" trug er wegen seiner Bibelfestigkeit schon lange. Er wollte "Menschen zusammenzuführen", das Thema Integration von Ausländern wurde zu einem seiner Schwerpunkte. Große Aufmerksamkeit erregte aber erst seine Rede vor dem israelischen Parlament im Februar 2000. Es war das erste Mal, dass ein Bundespräsident hier eingeladen war zu sprechen. Er bat das jüdische Volk sowie Israel um Vergebung für die Verbrechen des Holocaust.
Geboren wurde Johannes Rau am 16. Januar 1931 in Wuppertal als Sohn eines Kaufmanns und Laienpredigers. Das Gymnasium brach er vor dem Abitur ab, absolvierte dann eine Lehre als Buchhändler und fing mit der politischen Arbeit an.
1952 trat Rau in die (letztlich erfolglose) Gesamtdeutsche Volkspartei von Gustav Heinemann ein. Nach deren Auflösung 1957 ging Rau in die SPD und macht lokalpolitisch Karriere. 1970 wurde er Wissenschaftsminister in Nordrhein-Westfalen. 1978 wurde zum Nachfolger von Ministerpräsident Heinz Kühn gewählt, als der aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten musste. Als Landesvater feierte Rau zahlreiche Erfolge, sodass er 1987 als Spitzenkandidat der SPD für die Bundestagswahl antrat – allerdings erfolglos.
Als Ministerpräsident regierte Rau 20 Jahre lang – bis 1998. Wenige Monate nach seinem Rücktritt in Nordrhein-Westfalen nominierte ihn die SPD erneut für das Bundespräsidentenamt.
Quelle: Munzinger Archiv
- Datum 01.06.2010 - 09:33 Uhr
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