Jubiläum des Uniklinikums Berlin Vom Pesthaus zur weltberühmten Charité
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Die Jahre 1933 bis 1945 sind auch für die Charité ein dunkles Kapitel

Das 19. Jahrhundert wird die große Zeit der Charité. Ihre Bedeutung als Ausbildungsstätte wächst, nachdem 1795 eine militärärztliche Bildungsanstalt eröffnet, die "Pépinière" (Pflanzschule). Zivile Mediziner bleiben zunächst außen vor: Ein Armenkrankenhaus mit mehr als 1000 Betten gilt als ungeeignet für ihre Ausbildung. Als die Berliner Universität 1810 gegründet wird, erhält sie zunächst eigene Kliniken.

Bald aber entstehen Ableger auf dem Charité-Gelände, die Institutionen vermischen sich. Im 19. Jahrhundert boomt die Forschung und der Wettbewerb zwischen den Universitätsärzten und den Militärmedizinern beflügelt sie zusätzlich. Neue Narkosetechniken ermöglichen große Fortschritte in der Chirurgie. Naturwissenschaftliche Methoden der Diagnostik wie Blut- und Urinanalysen halten Einzug – die Zeit der Vier-Säfte-Lehre ist vorbei.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nehmen viele Mediziner auch gesellschaftliche Ursachen von Krankheiten in den Blick. Krankenkassen entstehen, immer mehr Menschen lassen sich behandeln. Wieder ist die Charité chronisch überbelegt. Um die Wende zum 20. Jahrhundert wird sie fast vollständig abgerissen, ein beeindruckender Neubau aus rotem Backstein entsteht.

Die Jahre 1933 bis 1945 sind auch in der 300-jährigen Geschichte der Charité ein dunkles Kapitel. "Nichtarische" Ärzte werden ermordet oder fliehen ins Exil. Viele, die bleiben, beteiligen sich an den Verbrechen der Nationalsozialisten wie der Direktor der Nervenklinik, Max de Crinis, der die als Euthanasie bezeichneten Morde an körperlich oder psychisch Kranken mitorganisiert.

Der Klinkerbau, im Zweiten Weltkrieg zu neun Zehnteln zerstört, wird zu DDR-Zeiten vergrößert wieder aufgebaut. Obwohl schon 1927 die letzte der Universitätskliniken in der Charité aufgegangen ist, werden die Institutionen erst 1951 zur "Medizinischen Fakultät (Charité) der Humboldt-Universität" vereint. Als 1961 die Mauer Berlin zerschneidet, verläuft sie direkt am Klinikgelände. Die Stasi horcht Ärzte aus, verwanzt Telefone. Nur SED-Mitglieder bekommen hohe Posten; das schadet dem wissenschaftlichen Renommee.

Nach der Wiedervereinigung wird die Charité saniert, 1997 stößt das zur Jahrhundertwende gegründete Rudolf-Virchow-Klinikum hinzu, 2003 auch das ehemalige Klinikum Benjamin Franklin der Freien Universität. Heute ist die Charité die größte europäische Uniklinik, mit 14.500 Mitarbeitern an 107 Kliniken und Instituten. Vor den Toren der Stadt liegt sie längst nicht mehr, denn auch sie ist gewachsen – mit der Charité in ihrer Mitte.

 
Leser-Kommentare
  1. entfernt.
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  2. Jubiläum der Charite-Berlin ist verbunden mit zwei finsteren Kapitels der Geschichte: NS-Diktatur und SED-Junta. Während der Nazi-Diktatur wurde die Charite/Psychiatrie als Mittel des Regimes genutzt, den Widerstand zu vernichten. Die Charite Berlin spielte nicht nur im NS-Regime, sondern auch in der SED-Junta eine wichtige Rolle, den Regimegegner zu vernichten, die Beweismittel sind umfangreiche Stasiakten.
    Mein Buch "Die Verbrechen der Stasi an uns" zeichnen diese Verbrechen auf. Auch wenn die Charite Berlin nun ein Jubiliäum begeht darf nicht vergessen werden, das in der Charite Berlin Verbrechen im Auftrag verübt wurden.
    Die Stasi war in der zweiten Diktatur auf deutschen Boden nicht nur beteiligt sondern Auftraggeber, Mittel und Methoden, Mittäter im weißen Kittel in Mitte der 70ziger Jahren wurden politische Gegner nicht mehr durch die Gerichtspsychiatrie der Charite begutachtet sondern nach Waldheim, Haftkrankenhaus verbracht, die Gründe: Mißtrauen der Stasi, Dokumente der gerichtspsychiatrischen Abteilung an der Charite über politische Gegner gelangten 1971 in den Westen bzw. ein Brief wurde durch die Stasi abgefangen, das beweisen die Stasi-Akten. Bis zur Wende war die Charite auch von IMs der Stasi belegt. Die Charite, aber die Psychiatrie darf nicht wieder mißbraucht werden. Diese schrecklichen Zeiten der Charite zweier Diktaturen muß in Erinnerung bleiben.
    Ich wünsche der Charite Berlin in der wissenschaftlichen-medizinischen Weiterentwicklung viel Erfolg!

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