Archäologie Stonehenge-Zwilling gefunden
In der Nähe des berühmten Steinkreises Stonehenge fanden Forscher Hinweise auf ein ähnliches Bauwerk. Dieses sei vermutlich aus Holz gewesen.
© Matt Cardy/Getty Images

Das Stonehenge-Monument ist weltbekannt. Aber auch in Deutschland gibt es noch viele Großsteingräber aus der Jungsteinzeit
Britische Forscher haben neben dem berühmten Steinkreis Stonehenge Hohlräume entdeckt, die auf ein ähnliches Bauwerk aus Holz schließen lassen. Der neue Fund liegt 900 Meter von den gigantischen Steinen in der Nähe der englischen Stadt Salisbury entfernt, berichtete Vince Gaffney von der Universität Birmingham . Die Wissenschaftler des internationalen Forschungsprojektes feierten die Entdeckung des "Stonehenge-Zwillings" als "unglaublich".
Die Wissenschaftler untersuchen das Erdmagnetfeld auf insgesamt 16 Quadratkilometern rund um Stonehenge. Hohlräume, die sich nachträglich mit Erdreich gefüllt haben, weisen einen anderen Eisengehalt auf als die Erde in der Umgebung – und diese Abweichung zeigt ein Magnetometer an. Mit dieser Methode stießen die Archäologen auf die kreisförmige Grube und mehrere Löcher von etwa einem Meter Durchmesser.
Nun vermuten die Forscher, dass in den Löchern einst Pfähle steckten und sich eine frei stehende Holzkonstruktion über dem Graben befand. "Von der Form her kann man darauf schließen, dass es ungefähr zu der Zeit gebaut wurde, als Stonehenge seine volle Komplexität erreichte", erläuterte Gaffney. Er leitet das Millionen-Forschungsprojekt zur Erkundung des Steinkreises.
"Um endgültige Aussagen zu treffen, müsste man graben – aber das ist nicht unsere Sache. Wir arbeiten zerstörungsfrei", sagt Wolfgang Neubauer, Direktor des Ludwig Boltzmann Instituts in Wien . Mit Magnetometern, 3-D Laserscanner und anhand von Luftaufnahmen können die Forscher ein virtuelles Bild der Landschaft erstellen. So blicken sie bis ins Jahr 4000 vor Christus zurück. "Dieses Gebiet wurde Jahrtausende für Bestattungen und Rituale genutzt. Wir können die Geschichte nun rekonstruieren. Und zwar von der ersten Bewaldung an."
Bis heute ist nicht klar, wofür das 4500 Jahre alte Stonehenge-Monument benutzt wurde und wie die Menschen in der Steinzeit die riesigen Brocken transportieren und stapeln konnten. "Was wir wissen ist, dass die Konstruktion auf einer Holzbauweise beruht. Die Steine sind nach dem Nut-und-Feder-Prinzip zusammengesetzt", sagt Neubauer. Einige Experten vermuten, dass Stonehenge in der Zeit nach seiner Entstehung zunächst ein Friedhof war. "Hier sieht man Grabhügel an Grabhügel."
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Eine Rekonstruktion zeigt, wie der kreisförmige Bau einst ausgesehen haben könnte
In der Umgebung wurden bereits häufiger weitere prähistorische Spuren entdeckt. Der Fund des Holzkreises kam dennoch überraschend, sagte Gaffney: "Wir haben angenommen, wir hätten nur ein leeres Feld vor uns – jetzt haben wir ein wichtiges Zeremonie-Monument, das genau auf Stonehenge blickt." Es sei zu erwarten, dass die Forscher in Zukunft noch mehr finden. Stonehenge wird jedes Jahr von zahlreichen Touristen besucht.
- Datum 22.07.2010 - 17:04 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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